den Freiwerber des Prinzen Polydor bei der Gräfin Haughton zu machen , und als an einem der folgenden Tage der König einen jener Tagbälle ansagen ließ , welche unter seiner Herrschaft am Hofe bisweilen abgehalten wurden , brachte man denselben mit dem Ereignisse in Verbindung , das den ganzen Hof beschäftigte und von dem man selbst in den stillen Sälen des erzbischöflichen Palastes reden hören konnte . Es war gegen den Abend hin , als der Abbé im Vorsaale des Erzbischofs auf den Augenblick wartete , in welchem er den Zutritt zu demselben erhalten konnte . Ein eigenes Handbillet des Kirchenfürsten hatte ihn aufgefordert , sich bei ihm einzustellen , und ruhig , wie seine ganze Haltung es immer war , saß der Abbé an einem der hohen Fenster und las bei dem letzten Scheine des Tages in seinem Brevier . Eine Viertelstunde mochte so hingegangen sein , als ein Ordensgeistlicher das Empfangszimmer Seiner Eminenz verließ und der Kammerdiener dem Abbé die Kunde brachte , daß er jetzt erwartet werde . Es ist lange her , Herr Abbé , redete der Erzbischof ihn an , daß ich Sie nicht bei mir gesehen habe , und ich hatte Ihren Besuch seit einiger Zeit erwartet , weil ich eine Nachricht von Ihnen zu erhalten hoffte , an welcher man nicht allein von unserer Seite Theil nimmt . Sie haben , ich weiß es , gestern wieder die Gnade genossen , von Seiner Majestät im Besonderen empfangen zu werden . Wovon hat Seine Majestät zu Ihnen gesprochen ? Der Erzbischof war schon ein Mann bei Jahren . Das Licht einer von der Decke herabhängenden doppelarmigen Lampe beleuchtete seine hohe Stirn und ließ jeden seiner feinen und scharfen Züge erkennen , wie er in seinem hochlehnigen Sessel fest und aufrecht da saß , während seine Hand , an welcher der Fischerring erglänzte , auf der breiten Seitenlehne ruhte . Auf dem Tische vor ihm lagen Briefschaften , Papiere , Akten , Druckschriften und Bücher aller Art , theils in Päcken sorgfältig gesondert , theils zur Unterzeichnung vorgelegt und ausgebreitet . Es war ein edler Raum , einfach und doch fürstlich ausgestattet . Der Abbé war in demselben wohl zu Hause . Als sein Auge über den Schreibtisch des Erzbischofs hinglitt , entdeckte sein sicherer Blick trotz dieser Schnelle auf einem der Briefe , die zur Rechten des Erzbischofs lagen , eine schöne , freie weibliche Handschrift , die ihm sehr genau bekannt war und die hier zu sehen ihn , wie gut er sich auch zu beherrschen gelernt hatte , doch erschreckte . Da Eurer Eminenz nicht daran gelegen sein kann , hob er , sich schnell fassend , an , von mir Auskunft über die philologischen Fragen zu erhalten , mit denen Seine Majestät sich zu beschäftigen geruhten , so darf ich wohl ohne Weiteres berichten , daß Seine Majestät sich über dieselbe Angelegenheit geäußert haben , die mir , wie ich vermuthe , die Ehre zugewendet hat , heute von Eurer Eminenz hierher beschieden und empfangen zu werden . Sie haben das Richtige gefunden , Herr Abbé , sprach der Erzbischof mit einer kaum merklichen Neigung seines Hauptes . Dann wies er den Abbé an , sich zu setzen , und sagte : Es sind jetzt drei Jahre her , daß die Frau Herzogin von Duras gegen mich das natürliche und fromme Verlangen äußerte , ihre Nichte , die einzige ihr lebende Blutsverwandte , zu unserer Kirche zurückgeführt zu sehen ; und wenn ihr auch der Vorwurf nicht zu ersparen war , daß sie ihrer Zeit sehr übel daran gethan hatte , die Verbindung ihres verstorbenen Bruders mit einer Nichtkatholikin zu betreiben , so war ich es doch wohl zufrieden , als sie das fromme Werk in Ihre Hand gelegt zu wissen begehrte , zu dem wir selber uns des Besten versehen zu können meinten . Woran liegt es , daß die Gräfin Haughton sich noch immer den ihr zugedachten Segnungen entzieht ? Der Abbé schwieg einen Augenblick , dann sagte er : Die Frage , welche Eure Eminenz mir vorlegen , und die Art , in welcher Sie mir dieselbe vorlegen , beweist mir , daß Sie nicht an meinem Eifer zweifeln , und macht es mir möglich , mich einfach zu erkären . Wie die Frau Herzogin durch ihre Neigung , Ehen zu stiften , einst den Marquis von Lauzun zu der Ehe mit einer Protestantin hintrieb , so hindert ihr Verlangen , die Gräfin Haughton mit dem Prinzen von Chimay zu vermählen , den Uebertritt derselben . Hätte die Frau Herzogin die Klugheit und die Mäßigung besessen , ihrer Nichte die Plane , welche sie hegte , zu verbergen , so würde sicherlich schon lange geschehen sein , was wir wünschen und für das Seelenheil der Gräfin hoffen müssen . Der Erzbischof ließ die Antwort gelten . Sie wissen , daß Seine Majestät sich für die gedachte Heirath ausgesprochen hat ? sagte er . Seine Majestät haben , wie ich vorhin die Ehre hatte Eurer Eminenz zu sagen , die Gnade gehabt , sich auch gegen mich dahin zu äußern . Was haben Sie darauf geantwortet ? Der Abbé richtete sich hoch auf , und mit einem Tone , dessen Festigkeit sehr gegen die Unterordnung abstach , die er bis dahin gegen seinen Vorgesetzten kund gegeben hatte , sprach er : Ich habe geantwortet , was meine Pflicht und mein Gewissen mir geboten . Ich habe geantwortet , daß ich die Bekehrung der hochbegabten jungen Gräfin als eine mir von Gott zugewiesene heilige Aufgabe betrachte , daß ich mit allen meinen Kräften danach strebe , ihrem Auge das Licht der Wahrheit , ihrer Seele die Gnade zuzuführen , aber daß ich meine Hand nicht dazu bieten könne , die Gräfin in ein Eheband zu verstricken , das durch die Nähe ihrer Blutsverwandtschaft mit dem Prinzen ein verbotenes , das in den Augen unserer Kirche ein Incest ist . Es entstand eine Pause ; der Erzbischof befand sich in einer