an seine Brust . Es waren nur die fürchterlichsten Momente , wo er Kraft bedurfte , und er konnte sie in sich nicht finden . Wer sah den Angstschweiß auf seiner Stirn , wer , wie die Kniee wankten , wie er sich an das Treppengeländer hielt , als er herunter stieg . Es war ein saurer Gang . Warum ? das wusste er sich nicht zu sagen . Er hatte schon viele Gänge der Art gemacht . Aber draußen sah man ihm nichts davon an . Wie der Hahn , um die Witterung anzukrähen , schlürfte er sie ein . Die Luft war grau , regenhaltig , eine bange Stimmung , wie sie einem großen Unglück vorangeht . Der Tausendkünstler hatte schnell die Physiognomie sich angeeignet . Wo fand er nicht auf der Straße Bekannte ! Wo sah man sich nicht ängstlich an , hatte sich trübe Nachrichten , bange Ahnungen mitzutheilen . Schon wandelten Frauengestalten in Trauer , die frühe Nachwirkung des Gefechtes von Saalfeld . Der Baron Eitelbach ging zur Börse . Er ward unterwegs von Mehreren angesprochen . Man kondolirte ihm . » Wie nahm sie ' s auf ? « - » Ich kann wohl sagen , sie deployirt eine große Seelenstärke . « - » Ist ' s denn auch ganz gewiß ? « - » Na , warum denn nicht ? Sein Neveu , der Wolfskehl , hat ihn selbst vom Pferde hauen sehen ; er hat ' s hergeschrieben . « Der Legationsrath trat in dem Augenblick an die Gruppe , und es war der vollste Ausdruck inniger Theilnahme , mit der er dem Baron die Hand drückte : » Sie sind ein Mann . « Er zog ihn etwas bei Seite . » Und sie ist eine Frau , die durch Leiden geadelt wird . Ich bin überzeugt , daß dies Unglück den wahren Bund Ihrer Seelen nur fester schlingen wird . Es ist schön , es ist edel - ich sage nicht groß von Ihnen , daß Sie ihre Empfindungen durch solche Theilnahme ehren . « - Als noch Jemand an die Gruppe getreten , war der Legationsrath plötzlich fortgesprungen . Fuchsius sah ihm verwundert nach , aber noch verwundeter sah er dem zu , was Wandel begann . Er unterhandelte mit einer Obsthökerin . Er zog die Börse und schien eine ahnsehnliche Summe ihr in die Hand zu drücken . Dann nahm er plötzlich die Körbe mit Birnen und Pflaumen , den ganzen Vorrath der Händlerin , und warf ihn in einen der tiefen Rinnsteine , die den ganzen schwimmenden Vorrath alsbald in ein Abzugsloch trieben . Die Straßenjugend jubelte , Andere jubelten nicht , sie schimpften auf den vornehmen Herren , der so mit Gottes Gabe umgehe ; statt armen Leuten sie zu schenken , verderbe er sie . Es gab einen kleinen Auflauf , aus welchem Wandel sich nur mit einiger Mühe losmachte . Die Herren in der Gruppe hatten zwar mit Verwunderung zugesehen , doch ahnten sie die Aufklärung . Wahrscheinlich war das Obst unreif , oder der Legationsrath hielt es dafür . Er hatte schon an mehreren Orten von der unverzeihlichen Nachlässigkeit der Polizei gesprochen , daß sie solchen Verkauf zulasse , wo die Ruhr in der Stadt grassire , man wisse ja nicht , was noch daraus entstehe . » Ihre Intention in Ehren . « sagte Jemand zu dem Zurückkehrenden , » in dieser allgemeinen Kalamität ist es aber nicht recht , Anlaß zum Skandal zu geben . Das Volk ist ohnedem aufsässig . « - » Und was helfen zwei Körbe weniger ! « - » Sie haben vollkommen Recht , meine Herren , « sagte Wandel , » doch wer ist Herr über seine Impulse ! Zudem sehe ich ein Gespenst , welches mir fürchterlicher dünkt als alle Kriegskalamitäten , die uns noch drohen mögen . Noch ist es nicht hier , aber es wogt aus dem fernen Asien herüber , eine Pest , gegen die der schwarze Tod , das gelbe Fieber , und was sonst den Namen führte , unbedeutend erscheinen werden . Eine Krankheit , die ganze Ortschaften , Landstriche hinrafft , entwickelt sich in dem britischen Indien . Die englischen Aerzte geben entsetzliche Schilderungen und behaupten , daß sie ihren Siegerzug durch die ganze Welt halten werde . Sie nennen sie Cholera morbus , und was das Schrecklichste , es ist kein ärztliches Mittel dagegen zu entdecken . Sie fängt mit Vomiren an , heftiger Dyssenterie , dies steigert sich in wenigen Stunden bis zum Tode . Der geringste Diätfehler , namentlich der Genuß von unreifem , ja , selbst von reifem Obst ruft sie hervor . Ich kann Ihnen meine Besorgniß nicht verhehlen , ich hörte durch Selle vorhin von Fällen , die mich fürchten machen , daß sie schon in den Ringmauern von Berlin ist . - Ich bitte , lassen Sie sich nicht ängstlich machen , meine Herren , aber hüten Sie sich ja vor jeder Erkältung , vor Obstgenuß . Ja , ja , meine Herren , wir wissen alle nicht , was uns bevorsteht , und welche neue Wendung das Schicksal nimmt . Wo diese Krankheit grassirt , hört der Krieg von selbst auf . - Sie fühlen sich doch nicht unwohl , liebster Baron , Sie fassen sich an den Magen ? « Der Baron hatte Melonen gegessen . Die Gesichter einiger Andern verriethen die Nachwirkung einer zu lebhaften Schilderung . Da erst erblickte Wandel den Rath Fuchsius . Er ergriff seine Hand : » Ach , mein werthester Freund ! Vorsicht , Vorsicht , meine Herren , weiter nichts ! A propos , was macht denn unser Freund Bovillard ? Ich sah ihn seit vorgestern nicht . « Der Rath zuckte die Achseln : » Durch seine Selbstkur - « » Thut er Buße , « fiel der Baron ein , für die Gänseleberpasteten und Trüffelwürste , um die er seine Nebenmenschen übervortheilt hat . » Es hat Einer ausgerechnet