Heveller , den er durch Versprechen auf seine Seite zu ziehen gewußt hatte , ließ er nach Brennabor zurückkehren , wo er Haß gegen die Deutschen heucheln und dadurch die alte Gunst seines Stammes sich wieder erobern mußte . Aber kaum im Besitz dieser Gunst , tötete Tugumir seinen Neffen , der in wirklicher Treue und Aufrichtigkeit an der Sache der Wenden hing , und öffnete dann dem Gero die Tore , dessen bloßes Werkzeug er gewesen war . Das waren die Taten , mit denen die Deutschen – freilich oft unter Hilfe und Zutun der Wenden selbst – voranschritten . Weder die Deutschen noch ihre Chronisten , zum Teil hochkirchliche Männer , ließen sich diese Verfahrungsweise anfechten , klagten aber mal auf mal über die » Falschheit der götzendienerischen Wenden « . Die Wenden waren tapfer und gastfrei und , wie wir uns überzeugt halten , um kein Haar falscher und untreuer als ihre Besieger , die Deutschen ; aber in einem waren sie ihnen allerdings unebenbürtig , in jener gestaltenden , große Ziele von Generation zu Generation unerschütterlich im Auge behaltenden Kraft , die zu allen Zeiten der Grundzug der germanischen Rasse gewesen und noch jetzt die Bürgschaft ihres Lebens ist . Die Wenden von damals waren wie die Polen von heute . Ausgerüstet mit liebenswürdigen und blendenden Eigenschaften , an Ritterlichkeit ihren Gegnern mindestens gleich , an Leidenschaft , an Opfermut ihnen vielleicht überlegen , gingen sie dennoch zugrunde , weil sie jener gestaltenden Kraft entbehrten . Immer voll Neigung , ihre Kräfte nach außen hin schweifen zu lassen , statt sie im Zentrum zu einen , fehlte ihnen das Konzentrische , während sie exzentrisch waren in jedem Sinne . Dazu die individuelle Freiheit höher achtend als die staatliche Festigung – wer erkennte in diesem allen nicht polnisch-nationale Züge ? Wir sprechen zuletzt von dem Kultus der Wenden . Weil die religiöse Seite der zu bekehrenden Heiden unsere christlichen Missionare selbstverständlich am meisten interessieren mußte , so ist es begreiflich , daß wir über diesen Punkt unserer liutizischen Vorbewohner am besten unterrichtet sind . Die Nachrichten , die uns geworden , beziehen sich in ihren Details zwar überwiegend auf jene zwei Haupttempelstätten des Wendenlandes , die nicht innerhalb der Mark , sondern die eine ( Rethra ) hart an unserer Grenze , die andere ( Arkona ) auf Rügen gelegen waren ; aber wir dürfen fast mit Bestimmtheit annehmen , daß alle diese Beschreibungen auch auf die Tempelstätten unserer märkischen Wenden passen , wenngleich dieselben , selbst Brennabor nicht ausgeschlossen , nur zweiten Ranges waren . Die wendische Religion kannte drei Arten der Anbetung : Naturanbetung ( Stein , Quelle , Baum , Hain ) . Waffenanbetung ( Fahne , Schild , Lanze ) . Bilderanbetung ( eigentlicher Götzendienst ) . Die Natur war der Boden , aus dem der wendische Kultus aufwuchs ; die spätere Bilderanbetung war nur Naturanbetung in anderer Gestalt . Statt Stein , Quelle , Sonne usw. , die ursprünglich Gegenstand der Anbetung gewesen waren , wurden nunmehr Gestalten angebetet , die Stein , Quelle , Sonne usw. bildlich darstellten . Die Wenden hatten in ihrer Religion einen Dualismus schwarzer und weißer Götter , einer lichten Welt auf der Erde und eines unterirdischen Reiches der Finsternis . Die Einheit lag im Jenseits , im Himmel . An und in sich selbst unterschied der Wende Leib und Seele , doch scheint ihm die Menschenseele der Tierseele verwandt erschienen zu sein . Wenigstens glaubte er nicht an persönliche Unsterblichkeit . Die Seele saß im Blut , aber war doch wieder getrennt davon . Strömte das Blut des Sterbenden zu Boden , so flog die Seele aus dem Munde und flatterte zum Schrecken aller Vögel , nur nicht der Eule , so lange von Baum zu Baum , bis die Leiche verbrannt oder begraben war . Die alten Chronisten haben uns die Namen von vierzehn wendischen Göttern überliefert . Unter diesen waren die folgenden fünf wohl die berühmtesten : Siwa ( das Leben ) ; Gerowit ( der Frühlingssieger ) ; Swantewit ( der heilige oder helle Sieger ) ; Radegast ( die Vernunft , die geistige Kraft ) ; Triglaw ( der Dreiköpfige . Ohne bestimmte Bedeutung ) . Vom Siwa haben wir keine Beschreibung . Gerowit , der Frühlingssieger , war mit kriegerischen Attributen geschmückt , mit Lanzen und Fahnen , auch mit einem großen , kunstvollen mit Goldblech beschlagenen Schild . Radegast war reich vergoldet und hatte ein mit Purpur verziertes Bett . Noch im fünfzehnten Jahrhundert hing in einem Fenster der Kirche zu Gadebusch eine aus Erz gegossene Krone , die angeblich von einem Bilde dieses Gottes herstammte . Swantewit hatte vier Köpfe , zwei nach vorn , zwei nach rückwärts gewandt , die wieder abwechselnd nach rechts und links blickten . Bart und Haupthaar war nach Landessitte geschoren . In der rechten Hand hielt der Götze ein Horn , das mit verschiedenen Arten Metall verziert war und jährlich einmal mit Getränk angefüllt wurde ; der linke Arm war bogenförmig in die Seite gesetzt ; die Kleidung ein Rock , der bis an die Schienbeine reichte . Diese waren von anderem Holz als die übrige Figur und so künstlich mit den Knien verbunden , daß man nur bei genauer Betrachtung die Fugen wahrnehmen konnte . Die Füße standen auf der Erde und hatten unter dem Boden ihr Fußgestell . Das Ganze war riesenhaft , weit über menschliche Größe hinaus . Endlich Triglaw hatte drei Köpfe , die versilbert waren , Ein goldener Bund verhüllte ihm Augen und Lippen . Diese Götter hatten überall im Lande ihre Tempel ; nicht nur in Städten und Dörfern , sondern auch in unbewohnten Festen , sogenannten » Burgwällen « , und zwar auf Hügeln und Klippen , in Seen und Wäldern . Wahrscheinlich hatte jeder » Gau « , deren es im Lande zwischen Elbe und Oder etwa fünfundvierzig gab , einen Haupttempel , ähnlich wie es in späterer christlicher Zeit in jedem größeren Distrikt eine