oder ihre Haltung ermüdeter geworden wäre . Endlich ertheilte der König selber mit einer auffordernden Frage ihr die Erlaubniß , sich ihm zu nahen , und auf ein leises Zeichen schob der dienstthuende Edelmann ihr das Tabouret herbei , das am Hofe der Bourbonen zu allen Zeiten der Ehrgeiz und das Vorrecht der Herzoginnen gewesen war . Würdevoll , wie es ihrem Range , wie es ihrem Alter ziemte , und doch mit einer Leichtigkeit , welche es kund gab , daß es hier nicht auf ein langes Verweilen abgesehen sei , hatte die Herzogin das ihr zustehende Tabouret eingenommen . Der König fragte gnädig nach ihrem Ergehen , aber noch ehe sie ihm darauf die Antwort geben können , nannte er jene Frage selber eine müßige . Man braucht Sie nur zu sehen , sagte er , um sich zu überzeugen , wie sehr Sie Sich getreu geblieben sind . Immer noch unwiderstehlich in Ihrer Liebenswürdigkeit , wissen Sie der Zeit zu widerstehen , wie Sie einst den Huldigungen der Männer widerstanden haben . Die Unwiderstehlichkeit ist erblich unter den Frauen Ihres Hauses , das thut uns Ihre schöne Nichte dar . Die Herzogin nahm die Gnade des Königs , wie es sich gebührte , auf , und sie war selbst zu sehr eine Künstlerin in der Unterhaltung , um nicht wirklich eine Freude an der epigrammatischen Form zu haben , in welcher der König sich ausgedrückt hatte . Aber während sie sich in warmen Dankesbezeigungen erging , vergaß sie es nicht , seufzend hinzuzufügen , daß es Familien-Eigenthümlichkeiten gebe , die man nicht wünschen dürfe , fortgeerbt zu sehen . Ich hoffe , daß Sie zu diesen Gaben nicht die Schönheit , nicht die ewig jugendliche Anmuth des Geistes zählen , warnte sie der König . Bedenken Sie , daß es nicht süßer ist , die Schönheit zu besiegen , als sich von ihrer Macht besiegt zu fühlen ! Wie schön ! rief die Herzogin , indem sie beistimmend ihr Haupt neigte . Man muß , wie Eure Majestät , die klassische Bildung mit französischem Geiste einen , um diese Wendungen zu finden ! Aber , fügte sie seufzend hinzu , wenn Schönheit ohne Gnade ist , so hört sie auf , ein Gegenstand der Liebe , der Verehrung zu sein , und sie wird furchtbar ! Oh , rief der König , den diese Weise der Unterhaltung , wie sie in den Tagen seiner Jugend Mode gewesen war , immer noch erheiterte , weil er sich in ihr jung erschien und sich seiner mannigfachen geselligen Vorzüge angenehm bewußt ward , eine solche Schönheit ohne Gnade würde auch vor unseren Augen keine Gnade finden ! Aber ich fürchte , es ist mehr als ein allgemeiner Satz , den Sie hier ausgesprochen haben , und ich errathe , wer die schöne Unerbittliche ist , an die Sie dabei dachten . Niemand als der König konnte die Antwort der Herzogin vernehmen , Niemand hörte , was er ihr entgegnete ; aber Aller Augen waren auf sie gerichtet , denn die Unterredung währte noch eine Weile fort , und keinem von allen seinen Gästen hatte der König ein so langes Zwiegespräch gegönnt . Wovon konnten sie sprechen ? Weßhalb lächelte der König so anmuthig ? Woher glänzten die Augen der Herzogin in einem Feuer , das ihrer Jahre spottete , als sie sich endlich von ihrem Sitze erhob und dem Könige mit tiefer Verbeugung , welche kunstreich zu machen Niemand besser als sie verstand , ihren heißen Dank aussprach ? - Der König ließ sich langsam durch den Saal fahren , um jedem der Anwesenden , die jetzt , wie es sich gebührte , wieder im Kreise umherstanden , ein Wort zu sagen . Als die Reihe an die Herzogin kam , lächelte er wieder eben so freundlich , als vorhin , und so laut , daß es Keinem entgehen konnte , sprach er : Verlassen Sie Sich auf mich ! Ich mache Ihre Sache zu der meinigen ; verlassen Sie Sich auf mich ! Dann trat der Ober-Ceremonien-Meister vor , der König winkte den Anwesenden mit einer Neigung des Hauptes und der Hand seinen Abschiedsgruß zu , und langsam den Rollsessel fortbewegend , fuhren die Kammerdiener den Monarchen durch die lange Reihe der Gemächer nach seinen Wohnzimmern , während die besondere Gnade , deren die Herzogin genoß , und die geheimnißvollen Worte , welche er ihr zugerufen hatte und die auf ein völliges Einverständniß schließen ließen , die Hofleute sammt und sonders in Aufregung und Verwirrung setzten . Die wundersamsten Vermuthungen wurden ausgesprochen und fanden Glauben . Daß die Herzogin durch die Gnade des Königs , ohne all ihr Zuthun , wieder in den Besitz von Vaudricourt gekommen war , und daß der König ihr zugesagt hatte , sobald er im Stande sein werde , die Reise durch die Provinzen anzutreten , in Vaudricourt bei ihr zu rasten , das hatte schon lange festgestanden ; aber man hatte kein sonderliches Gewicht darauf gelegt , da man wußte , daß der König zwar von Reisen sprach , daß er aber ihre Unbequemlichkeit scheute . Was also hatte er ihr verheißen ? Was hatte sie begehren können ? Was konnte ihr so sehr am Herzen liegen , daß sie Seine Majestät damit zu behelligen wagte ? Persönlicher Ehrgeiz konnte die hochbetagte Frau nicht antreiben , dem Könige beschwerlich zu fallen ; wo jedoch Viele sich zu gleichem Zwecke vereinen , braucht man an dem Erfolge nicht zu verzweifeln , und noch hatten die letzten Gäste des Königs das Schloß der Tuilerieen nicht verlassen , als der dienstthuende Kammerherr sich erinnerte , wie Seine Majestät zu Anfang jener Unterredung von einer unbesieglichen Schönheit gesprochen habe ; und man kannte den unternehmenden Geist der Herzogin genugsam , um ihr ein Wagniß zuzutrauen , wenn sie nur durch ein solches an ihr Ziel gelangen konnte . Von Mund zu Mund sprach sich die Ueberzeugung aus , daß der König es der Herzogin zugesagt habe ,