trieben und das Eisen aus dem Erze zu schmelzen verstanden . Noch ein Wort über die nationale Kleidung der Wenden . Es liegen nur Andeutungen darüber vor . Daß sie so gewesen sei , oder auch nur ähnlich , wie die Wenden sie jetzt noch tragen , ist wohl falsch . Die wendische Tracht entwickelte sich in den wendisch gebliebenen Gegenden unter dem Einfluß wenn nicht der deutschen Mode , so doch des deutschen Stoffs und Materials , und es bedarf wohl keiner Versicherung , daß die alten ursprünglichen Wenden weder Faltenröcke noch Zwickelstrümpfe , weder Manchestermieder noch Überfallkragen gekannt haben . All dies ist ein in spätern Kulturzeiten Gewordenes , an dem die Wendenüberreste nolens volens teilnehmen mußten . Giesebrecht beschreibt ihre Kleidung wie folgt : » Zur nationalen Kleidung gehörte ein kleiner Hut , ein Obergewand , Unterkleider und Schuhe oder Stiefel ; barfuß gehen wurde als ein Zeichen der äußersten Armut betrachtet . Die Unterkleider konnten gewaschen werden ; der Stoff , aus dem sie bestanden , war also vermutlich Leinewand . Das Oberkleid war wollen . « Über Schnitt und Kleidung und die bevorzugten Farben wird nichts gesagt , doch dürfen wir wohl annehmen , daß sich eine Vorliebe für das Bunte darin aussprach . Der kleine Hut und die leinenen Unterkleider : Rock , Weste , Beinkleid , finden sich übrigens noch bis diesen Tag bei den Spreewaldswenden vor . Nur die Frauentrachten weichen völlig davon ab . 3. Charakter . Begabung . Kultus 3. Charakter . Begabung . Kultus In trotzigem Mut , Gastfrei und gut , Haben für ihre Götter und Sitten Sie wie die Märtyrer gelitten . Nachdem wir bis hierher die äußere Erscheinung betont und die Frage zu beantworten gesucht haben : wie sahen die alten Wenden aus ? wie wohnten sie ? wie beschäftigten und wie kleideten sie sich ? wenden wir uns in folgendem mehr ihrem geistigen Leben zu , der Frage : wie war ihr Charakter , ihre geistige Begabung , ihr Rechtssinn , ihre Religiosität ? Die Wenden haben uns leider kein einziges Schriftstück hinterlassen , das uns dazu dienen könnte , die Schilderungen , die uns ihre bittern Feinde , die Deutschen , von ihnen entworfen haben , nötigenfalls zu korrigieren . Wir hören eben nur eine Partei sprechen , dennoch sind auch diese Schilderungen ihrer Gegner nicht dazu angetan , uns mit Abneigung gegen den Charakter der Wenden zu erfüllen . Wir begegnen mehr liebenswürdigen als häßlichen Zügen , und wo wir diese häßlichen Züge treffen , ist es gemeinhin unschwer zu erkennen , woraus sie hervorgingen . Meist waren es Repressalien , Regungen der Menschennatur überhaupt , nicht einer spezifisch bösen Menschennatur . Zwei Tugenden werden den Wenden von allen deutschen Chronikenschreibern jener Epoche : Widukind , Thietmar , Adam von Bremen , zuerkannt : sie waren tapfer und gastfrei . Ihre Tapferkeit spricht aus der ganzen Geschichte jener Epoche , und der Umstand , daß sie , trotz Fehden und steter Zersplitterung ihrer Kräfte , dennoch den Kampf gegen das übermächtige Deutschtum zwei Jahrhunderte lang fortsetzen konnten , läßt ihren Mut in allerglänzendstem Lichte erscheinen . Sie waren ausgezeichnete Krieger , zu deren angeborener Tapferkeit sich noch andere kriegerische Gaben , wie sie den Slawen eigentümlich sind , gesellten : Raschheit , Schlauheit , Zähigkeit . Hierin sind alle deutschen Chronisten einig . Ebenso einig sind sie , wie schon hervorgehoben , in Anerkennung der wendischen Gastfreundschaft . » Um Aufnahme zu bitten , hatte der Fremde in der Regel nicht nötig ; sie wurde ihm wetteifernd angeboten . Jedes Haus hatte seine Gastzimmer und immer offne Tafel . Freigebig wurde vertan , was durch Ackerbau , Fischfang , Jagd und in den größeren Städten auch wohl durch Handel und Gewerbe gewonnen worden war . Je freigebiger der Wende war , für desto vornehmer wurde er gehalten , und für desto vornehmer hielt er sich selbst . Wurde – was übrigens äußerst selten vorkam – von diesem oder jenem ruchbar , daß er das Gastrecht versagt habe , so verfiel er allgemeiner Verachtung , und Haus und Hof durften in Brand gesteckt werden . « Sie waren tapfer und gastfrei , aber sie waren falsch und untreu , so berichten die alten Chronisten weiter . Die alten Chronisten sind indessen ehrlich genug , hinzuzusetzen : » untreu gegen ihre Feinde « . Dieser Zusatz legt einem sofort die Frage nahe : wie waren aber nun diese Feinde ? waren sie , ganz von aller ehrlichen Feindschaft , von offenem Kampfe abgesehen , waren diese Feinde ihrerseits von einer Treue , einem Worthalten , einer Zuverlässigkeit , die den Wenden ein Sporn hätte sein können , Treue mit Treue zu vergelten ? Die Erzählungen der Chronisten machen uns die Antwort auf die Frage leicht ; in rühmlicher Unbefangenheit erzählen sie uns die endlosen Perfidien der Deutschen . Dies erklärt sich daraus , daß sie , von Parteigeist erfüllt und blind im Dienst einer großen Idee , die eigenen Perfidien vorweg als gerechtfertigt ansahen . Dagegen war wendischer Verrat einfach Verrat und stand da , ohne allen Glorienschein , in nackter , alltäglicher Häßlichkeit . Der Wende war ein » Hund « , ehrlos , rechtlos , und wenn er sich unerwartet aufrichtete und seinen Gegner biß , so war er untreu . Ein Hund darf nicht beißen , es geschehe ihm was da wolle . Die Geschichte von Mistewoi haben wir gehört , sie zeigt die schwindelnde Höhe deutschen Undanks und deutscher Überhebung . In noch schlimmerem Lichte erscheint das Deutschtum in der Geschichte von Markgraf Gero . Dieser , wie in Balladen oft erzählt , ließ dreißig wendische Fürsten , also wahrscheinlich die Häupter fast aller Stämme zwischen Elbe und Oder , zu einem Gastmahl laden , machte die Erschienenen trunken und ließ sie dann ermorden . Das war 939 . Nicht genug damit . Im selben Jahre vollführte er einen zweiten List- und Gewaltstreich . Den Tugumir , einen flüchtigen Fürsten der