Besorgnisse , welche sie erfüllten , gar nichts thun , dieselben zu vermindern . Sie hatte sich selbst die Hände gebunden und sich mit gebundenen Händen an eine Kraft und an eine Energie überantwortet , welche die ihrige um ein Großes übertrafen . Wenn die Herzogin ihre Nichte darauf aufmerksam zu machen versuchte , daß deren Gesinnungen in Bezug auf die katholische Kirche und ihr Mißtrauen gegen den katholischen Klerus sich wesentlich geändert hätten , so entgegnete Eleonore ihr , daß sie mit ganzem Herzen an ihrem alten Bekenntnisse festhalte . Sie versicherte , daß zwischen ihr und dem Abbé von religiösen oder gar von kirchlichen Fragen äußerst selten die Rede sei und daß sie keinen Anlaß habe , von dem Klerus , dessen Thun und Treiben ihr verdächtig und unheilvoll erscheine , eine bessere Meinung zu fassen , weil ihr das seltene Glück zu Theil geworden sei , unter demselben einem Manne zu begegnen , dessen tiefe Bildung und Gelehrsamkeit sie fördere , und dessen weiter , freier Blick sich über die engen Schranken zu erheben wisse , in welche der Beruf , den er vielleicht zu frühzeitig und ohne genaue Kenntniß seiner eigenen Begabung und Natur erwählt habe , ihn zu bannen strebe . Rühmte man in Eleonorens Beisein , wie man es überhaupt zu thun gewohnt war , die strengen Gesinnungen und den kirchlichen Eifer des Abbé , so schien seine junge Anhängerin dies nicht zu hören , und die Herzogin , der nichts entging , hatte es bei den mannigfachsten Anlässen wahrgenommen , wie der schnelle und leuchtende Blick ihrer Nichte dann das Auge des Geistlichen suchte und von ihm mit einem verständnißvollen Lächeln begrüßt und aufgenommen wurde . Eleonore hatte es auch durchaus kein Hehl , wie sie den Abbé hochschätze und verehre . Sie rühmte es von ihm und auch von sich , daß die völlige Verschiedenheit ihrer religiösen Ueberzeugungen , daß die Ungleichheit ihres Alters und ihrer Lebensverhältnisse sie nicht gehindert habe , Freunde zu werden , weil sie beide selbstgewisse und ein Ziel verfolgende Charaktere seien ; und wenn die Herzogin ihr warnend zu überlegen gab , wie eine solche Freundschaft ihre Gefahren für beide Theile habe , so antwortete die Gräfin mit der Entschiedenheit , welche ihr angeboren und in den letzten Jahren unter der Leitung ihres neuen Freundes noch sehr gewachsen war : sie zweifle nicht , daß eine solche Erinnerung für die meisten Fälle sehr berechtigt wäre ; sie aber kenne den Abbé , und dieser kenne sie . Man möge sie gewähren lassen , wenn man sie nicht zwingen wolle , sich durch eine Uebersiedelung in ihre Heimath jeder lästigen Beeinflussung für immer zu entziehen und ihre Freunde , denn auch Herr von Arten sei ihr ein werther Freund geworden , in der ihr wünschenswerthen Unabhängigkeit und Freiheit in Haughton Castle zu empfangen . Je länger diese Verhältnisse bestanden , um so beunruhigender wurden sie für die Herzogin . Sie mußte sich sagen , daß ihre Nichte nur deshalb noch in ihrem Hause lebe , weil sie voraussehe , daß der Abbé sich nicht leicht entschließen würde , den Hof zu verlassen und auf die Vortheile zu verzichten , welche die stets wachsende Gunst des Königs ihn und durch ihn seine Kirche hoffen ließ . Wollte die Herzogin ihre alten Plane noch zur Ausführung bringen , so mußte sie jetzt mehr als jemals darauf denken , den Abbé selber zu ihrem Werkzeuge zu machen . Dieses zu ermöglichen , gab es aber nur noch Einen Weg , und sie beschloß , ihn einzuschlagen . Neuntes Capitel Das Leben am Hofe hatte seit der Rückkehr der Bourbonen eine völlige Umwandlung erlitten . Die körperliche Unbehülflichkeit des Königs und die mannigfachen Beschwerden , welche ihn im Winter heimzusuchen pflegten , hatten ihn einer spät dauernden Geselligkeit abhold und die großen Feste in seiner persönlichen Hofhaltung allmählich seltener gemacht . Wir sind eine Gesellschaft alt gewordener junger Leute , welche versäumte Freuden nachzuholen haben ! konnte man den König , wenn er sich leidlich wohl und in guter Stimmung befand , bisweilen gegen seine Zeitgenossen und Günstlinge äußern hören ; aber es schienen vorzüglich die Freuden der Tafel zu sein , welche der König damit meinte , und wer Gelegenheit hatte , ihn bei denselben zu beobachten , konnte sich versucht fühlen , seine Behauptung wahr zu finden , obschon es fast lauter Greise und Matronen waren , welche die Tafelrunde des alten Königs bildeten . Eines Abends , als man sich im kleinen Speisesaale von der Mahlzeit erhoben und sich in das angrenzende Gemach begeben hatte , in welchem man den Kaffee einzunehmen pflegte , schien der König , der eben in der letzten Zeit viel von der Gicht zu leiden gehabt hatte , sich schmerzensfrei zu fühlen und deßhalb besonders gut gestimmt zu sein . Die Lakaien , welche ihn in seinem Rollsessel aus dem Speisesaale an den Kamin des Nebenzimmers gefahren hatten , waren zurückgetreten und die dienstthuenden Kammerherren hielten sich in seiner Nähe , um diejenigen Personen , denen der König die Gnade seiner Unterhaltung angedeihen lassen wollte , sofort herbeizurufen . Schon hatte der König Diesen und Jenen zu sich entboten , und noch immer stand die Herzogin , der Anstrengung solches Dienstes von frühe her gewohnt , fest und aufrecht da , als ob die Last der Jahre sie nicht beugen , als ob keine körperliche Schwäche sie anfechten könne , wenn die Gnadensonne der Majestät sie anstrahle und erwärme . Sie kannte die Weise des Königs , sich zuerst diejenigen Personen vorführen zu lassen , welche er mit wenig Worten abzufertigen gedachte , um sich dann in behaglichem Geplauder mit den bevorzugteren Gästen und mit seinen Günstlingen zu ergehen . Einen nach dem Andern sah die Herzogin vortreten und entlassen , ohne daß ihr feines Lächeln von ihren schmalen Lippen wich , ohne daß ihre welke Hand den Fächer auch nur in einem Augenblicke lebhafter bewegte , als die schöne Form es erheischte ,