mein blutiger Ernst . Sehen Sie , Präsident , damals hätten wir Beide nicht so weit von einander stehen sollen . Ich weiß , daß Sie es immer gut mit mir meinten ; Sie wären aufrichtig gewesen und hätten mir gesagt : Mon vieux , crois-mois , laß das Heirathen bleiben . Nun , man hat mir wohl dergleichen unter die Nase gerieben , aber Mademoiselle war sehr schön , ich ein verblendeter alter Narr - enfin ! Darüber läßt sich nichts mehr sagen , ich habe meinen Willen durchgesetzt , voilà tout . « Der Präsident wußte nicht , was er bei dieser Erklärung für eine Miene machen sollte . Er fühlte wohl , daß der General in manchen Dingen Recht habe , aber wenn Jemand sich selbst Grobheiten sagt , so kann man ihm doch unmöglich darin beistehen . Der Chef der Polizei fühlte ein Jucken oben an seiner Nase , und um diesen Kitzel zu befriedigen , senkte er sie tief herab , - das Beste , was er thun konnte , denn dies gab ihm ein Aussehen von Nachdenken , von gerührter Theilnahme , weßhalb ihm denn auch der General die Hand auf den Arm legte und fortfuhr : » Lassen Sie sich das gar nicht anfechten , theuerster Freund . Wie gesagt : Wir sind darüber hinaus . Nichts von Leidenschaften , nichts von Klagen , nur eine ruhige Besprechung . « » So sei es , « entgegnete der Präsident , und dabei streckte er dem General mit einer ziemlich wehmüthigen Geberde seine Hand entgegen . » Also eine Besprechung . « » Zum Freunde , aber auch zum Chef der Polizei . « » Beide hören . « » Sie kennen meine Frau , - eine schöne Frau , vraiment , die Welt sagt auch , eine geistreiche , liebenswürdige , charmante Frau , kurz , die Welt , die sonst gern Böses spricht , macht mit meiner Gemahlin eine seltene Ausnahme . « » Und diesmal , glaube ich , hat die Welt Recht , « wagte der Präsident zu sagen . Ein bitteres Lächeln flog über die Züge des Generals ; nichtsdestoweniger aber fuhr er ruhig fort : » Da aber von eben dieser bösen Welt eine Familie , ein Haus nie ungerupft davon kommt , so ist auch in dem meinigen ein böses Prinzip , ein finsterer Geist , Schatten neben Licht - und dieser Schatten bin ich . « » Wie kann man nur so etwas denken ! « sprach scheinbar entrüstet der Präsident , und knipste dann seine Nase , so daß sich dieselbe wie erschrocken abwandte . » Nur nicht dergleichen Grillen , lieber Freund ! Die Welt kennt Sie , achtet und liebt Sie . « » Amen ! « sagte hämisch der General . » Das ist mir auch von der Welt sehr gleichgiltig . Doch gehen wir weiter . Meine Frau also , dieser Engel der Sanftmuth , Aufrichtigkeit , Ehrbarkeit und was man Alles will , hat mir von jeher Veranlassung zu - nun , wie soll ich sagen ? - zu Mißtrauen gegeben . Anfänglich kämpfte ich es nieder : Ich schämte mich vor mir selber . Was mir Alles verdächtig erschien , kann ich nicht sagen - ein Blick , ein Wort , ein Brief , eine seltsame Bekanntschaft , Vieles war vielleicht folie et pure imagination de ma part , mais - mir ward immer klarer , in dem Leben meiner Frau sei etwas Ungehöriges , sie sei sich einer Schuld gegen mich bewußt , sie habe mir etwas zu verbergen . « » Aber lieber Freund , « entgegnete der Polizei-Präsident mit sanfter Stimme , » nehmen Sie mir nicht übel : Da ist freilich viel Phantasie im Spiel . Das Leben der Baronin hier in diesem Hause liegt so klar und offen da , ihr ganzes Betragen ist durchsichtig wie Kristall . Alle Wetter ! « fuhr er mit einem scheinbaren Anfluge von Humor fort , » wir von der Polizei wissen mehr , als man glaubt . Wir sehen in viele Intriguen hinein . Uns sollte ein Ehemann fragen , wenn er seiner Frau mißtraut . « » In diesem Fall , « erwiderte spöttisch der General , » würde er viel erfahren ! Wir sind ja unter uns , mon cher . Gehen Sie mir mit der Allwissenheit Ihrer Polizei . Ihr seht nur das , was auf der Oberfläche schwimmt ; tief hinein wagt ihr eure Nase nicht zu stecken . - Au nom de Dieu , je vous prie , was Sie vom jetzigen Leben meiner Frau sagen , mag sehr wahr sein , aber ich denke ja an die Vergangenheit ! Von da her zieht sich durch ihr Wesen ein finsterer Ton , ein schwarzer Faden , den sie nicht abbrechen kann , den sie beständig mit Geist und Liebenswürdigkeit zuzudecken sucht , dem ich aber auf die Spur gekommen bin . « » Sie erschrecken mich . « » Ich habe meine Frau eigentlich nie daran gehindert , auszugehen , auszufahren , kurz , zu thun , was ihr beliebt . Wohl ist es wahr , daß ich ein auffallendes Umhertreiben nie leiden konnte , und mich deßhalb zuweilen veranlaßt sah , der beständigen Lust meiner Frau , Besuche zu machen , einen Zügel anzulegen . Ich gestehe es , ich bestand zuweilen , namentlich nach kleinen Scenen unter uns , darauf , daß sie das Haus nicht verlasse , und daß sie gerade dann oft ausfuhr , machte mich aufmerksam . Je l ' épiais . « » Das war sehr gefährlich , bester General . « » So besuchte sie eines Tags eins unserer großen Magazine , ließ ihren Wagen draußen halten , ging zur vorderen Thüre hinein , zur hinteren aber wieder hinaus , so daß meine Leute glauben mußten , sie sei stundenlang mit ihren Einkäufen beschäftigt . « » Und das war sie nicht ? « »