fangen wir hier ordentlich zu frühstücken an . Was wird der Pfarrer denken ! Die Thüren gingen auf . Zwei Bediente sprangen hinzu und deckten . Der alte Wandstabler leitete diese Unternehmung wie eine große Staatsaufgabe . Er wackelte vor Seligkeit , daß nun etwas kam , was an die alten Zeiten erinnerte , setzte die Stühle und warf so schmachtende , thränenverklärte Blicke auf den jungen Fürsten , daß diesem himmelangst wurde über den Umstand wegen eines kleinen Frühstücks ! Das lärmende Bedienen hatte er nie geliebt . Doch blieb er bei guter Laune und sagte zu Heunisch : Der süße Schleicher , der so rasch von Eurem kurzen Empfang urtheilte , soll nun gerade warten und hören , wie hier die Teller und die Messer und Gabeln und Gläser klingen . Ach ! Durchlaucht , entgegnete Heunisch ängstlich und mit bittender Gebehrde . Ne ... ne ! Das nicht ! Lassen Sie den Herrn Pfarrer doch lieber auch gleich hereinkommen . Geheimnisse hab ' ich Ihnen keine zu erzählen und der Herr Pfarrer möchte gar meinen , der Förster Heunisch erlaubte sich etwas Despectirliches , wenn Der hier wie in Abraham ' s Schooß sitzen wollte . Auf Euer Fürwort will ich ihm diese schmeichelhafte Vergleichung ersparen , sagte Egon und rief : He , Wandstabler ! Der Haushofmeister und Vater der drei Huldgöttinnen des Hohenberg ' schen Palais wußte nicht , wie ihm geschah . Angerufen von der jungen Durchlaucht ! Berücksichtigt ! Geduldet ! Wandstabler gerufen aus seinem eigenen gnädigsten Munde ! Kaum noch hatte er sich umgewandt , die starke , schnurrbärtig gewichste Figur auf dünnen beschuhten Beinchen , um die Befehle zu vernehmen , als Egon schon sagte : Vier Couverts ! Vier Couverts ! keuchte der Haushofmeister und schnurrte dabei , wie wenn seine Sprachwerkzeuge an einer innern Rolle abliefen , asthmatisch oder zu einem Kropf disponirt . Vier Couverts ! Mit dieser Losung schwankte Wandstabler aus der Thür und umarmte fast seine lauernde älteste Tochter , die schon in voller Thätigkeit war , sämmtliche Schränke , alle Weißzeugkisten öffnete , Gläser , Messer zählte , doppelt für jeden Gang , und die Bedienten in Galopp brachte ... Wandstabler ! Vier Couverts ! ... Mit dem Vollgewicht dieser ersten errungenen Berücksichtigung mußte sich der Haushofmeister an der großen Treppe über den Strohdecken auf einen der dort befindlichen Wartesessel niedersetzen und seinen glänzendgewichsten Schnurrbart mit einer Thräne anfeuchten , die das in einem ewigen , wie man es in der Volkssprache nannte , » Thran « schwimmende , gedunsene Weinund Liqueurgesicht immer bereit hatte . Egon aber öffnete nun die Thür und ließ den zweiten Besuch auch herein . Er war dabei in seinen nun mit ganzer Macht hereingebrochenen Erinnerungen an Dankmar und in seinem mit Gewalt niedergekämpften Gelüsten nach dem Bilde so ergriffen , daß es ihm war , als spränge ihm der Kopf ... Hätte Louis ahnen können , was Alles jetzt mit wunderbarer Gewalt auf seinen so gütig herablassenden Freund eindrängte , er würde nicht so schüchtern bei Seite getreten sein und wol das gemüthliche , Wichtigeres verdrängende , weitläuftige Frühstück mit den Hohenberger Gästen hintertrieben haben . Er vergaß , daß Egon Reconvalescent war , der Schonung bedurfte , und von Egon selbst galt die Erfahrung : Was muthet sich nicht Alles der Mensch an Kraft zu , wenn sein Herz bewegt ist ! Der höfliche und mit vielen Verbeugungen Eintretende war in der That Guido Stromer , der Pfarrer von Plessen . Guido Stromer mit dem zurückgestrichenen graublond-gelben Haare , der hohen Stirn , dem aufgerissenen Auge , der zwar hervorspringenden doch etwas stumpfen Nase und dem ganzen unruhigen , gespannten , überreizten Wesen , war gewählt gekleidet , trug schwarzen Frack , schwarze Beinkleider , Kamaschen an den Schuhen , eine weiße Piquéeweste und Halsbinde und die feinsten Glacéehandschuhe . Das lange Haar war nicht so sorgfältig gehalten , wie ohne Zweifel zu Zeiten der Fürstin Amanda oder wenn seine Gattin für die Ordnung dieses schon in ' s Graue spielenden blondgelben Wulstes sorgte . Es war nur von der hohen , breiten Stirn mit einer leichten genialen Tournüre zurückgestrichen . Man glaubte einen Dichter , einen Künstler , eine inspirirte Persönlichkeit zu sehen , die sich mit Wohlgefallen in die leichte Form der Mode geworfen hatte , ohne indessen den starken Geist ganz unter ihre strengen Gesetze beugen zu können . Ein kleines weißes Bändchen , das hinten am Halse vorguckte , verrieth , daß dieser jedenfalls vor einem Spiegel gemachten Toilette doch die letzte weibliche Revision fehlte . Es war eine übertünchte Eleganz , in welcher Eitelkeit , Dorftournüre und wirklich geniale Formverachtung zu einem sonderbaren Gemisch zusammenliefen . Zwei Boten aus Hohenberg ! rief Egon dem Eintretenden entgegen , und auf den durch den Pfarrer nun gedrückten Heunisch deutend setzte er hinzu : der Wald und die Kirche grüßen mich ! Und dem Schöpfer , der in Beiden wohnt , fiel Guido Stromer sogleich mit der ihm eigenen Geistesgegenwart und Wortfülle ein , danken wir die Genesung unsres geliebten , jungen , uns doppelt neugeschenkten Fürsten und Herrn . Da sich Louis sehr zurückgezogen hatte , stellte ihn Egon anfangs nicht vor . Nehmen Sie Platz , Herr Pfarrer , sagte Egon . Wir wollten eben den Göttern ein Opfer bringen , eine Libation des Dankes und hoffentlich auch allenfalls einen Hahn , den man jawol im Alterthum opferte , wenn man von einer Krankheit genas ... nicht wahr ? Stromer erwog den Ton , den Vortrag , sozusagen die Tonart , aus der der junge räthselhafte , nun endlich entschleierte Fürst zu ihm sprach und setzte mit seiner leise bedeutsamen Art , in dem Streben , einen Accord zu erzeugen , forschend und fast lauernd ein : Sokrates befahl einen Hahn zu opfern als er den Todesbecher trank . Er verstand darunter eine andere Genesung , deren bittern Kelch die Götter uns erspart haben ; denn Ew . Durchlaucht leben ! Egon schwieg ,