Dinge sind nicht geradezu zu beweisen , aber sie müssen so gewesen sein nach einem Naturgesetz , das fortwirkt bis auf diesen Tag . Armes oder unkultiviertes Volk baut sich seine Wohnungen aus dem , was es zunächst hat : am Vesuv aus Lava , in Irland aus Torf , am Nil aus Nilschlamm , an den Pyramiden aus Trümmern vergangener Herrlichkeit . So war es immer , wird es immer sein . Und so war es auch bei den Wenden . Die Wenden aber hatten nicht nur Häuser , sie wohnten auch in Städten und Dörfern , die sich zu vielen Hunderten durch das Land zogen . Die wendischen Namen unserer Ortschaften beweisen dies zur Genüge . Manche Gegenden haben nur wendische Namen . Um ein Beispiel statt vieler zu geben , die Dörfer um Ruppin herum heißen : Karwe , Gnewikow , Garz , Wustrau , Bechlin , Stöffin , Kränzlin , Metzeltin , Dabergotz , Ganzer , Lenzke , Manker usw. , lauter wendische Namen . Ähnlich ist es überall in der Mark , in Lausitz und Pommern . Selbst viele deutsch klingende Namen , wie Wustrau , Wusterhausen usw. , sind nur ein germanisiertes Wendisch . Wie die Dörfer waren , ob groß oder klein , ob stark bevölkert oder schwach , kann , da jegliche bestimmte Angabe darüber fehlt , nur mittelbar herausgerechnet , nur hypothetisch festgestellt werden . Die große Zahl der Totenurnen , die man findet , außerdem die Mitteilungen Thietmars u.a. , daß bei Lunkini 100000 Wenden gefallen seien , scheinen darauf hinzudeuten , daß das Land allerdings stark bevölkert war . Unsicher , wie wir über Art und Größe der wendischen Dörfer sind , sind wir es auch über die Städte . Einzelne galten für bedeutend genug , um mit den Schilderungen ihres Glanzes und ihres Unterganges die Welt zu füllen , und wie geneigt wir sein mögen , der poetischen Darstellung an diesem Weltruhme das beste Teil zuzuschreiben , so kann doch das Geschilderte nicht ganz Fiktion gewesen sein , sondern muß in irgend etwas Vorhandenem seine reale Anlehnung gehabt haben . Besonderes Ansehen hatten die Handelsstädte am Baltischen Meere . Unter diesen war Jumne , wahrscheinlich am Ausfluß der Swine gelegen , eine der gefeiertsten . Adam von Bremen erzählt von ihr : sie sei eine sehr angesehene Stadt und der größte Ort , den das heidnische Europa aufzuweisen habe . » In ihr – so fährt er fort – wohnen Slawen und andere Nationen , Griechen und Barbaren . Und auch den dort ankommenden Sachsen ist , unter gleichem Rechte mit den Übrigen , zusammenzuwohnen verstattet , freilich nur , solange sie ihr Christentum nicht öffentlich kundgeben . Übrigens wird , was Sitte und Gastlichkeit anlangt , kein Volk zu finden sein , das sich ehrenwerter und dienstfertiger bewiese . Jene Stadt besitzt auch alle möglichen Annehmlichkeiten und Seltenheiten . Dort findet sich der Vulkanstopf , den die Eingeborenen das » griechische Feuer « nennen ; dort zeigt sich auch Neptun in dreifacher Art , denn von drei Meeren wird jene Insel bespült , deren eines von ganz grünem Aussehen sein soll , das zweite aber von weißlichem ; das dritte ist durch ununterbrochene Stürme beständig in wutvoll brausender Bewegung . « Diese Beschreibungen zeitgenössischer Schriftsteller , wie auch die Beschreibung von Vineta oder Julin ( die beide dasselbe sind ) beziehen sich auf wendische Handels- und Küstenstädte . Es ist indessen wahrscheinlich , daß die Binnenstädte wenig davon verschieden waren , wenn auch vielleicht etwas geringer . An Handel waren sie gewiß unbedeutender , aber dafür standen sie dem deutschen Leben und seinem Einfluß näher . Wenden wir uns nunmehr der Frage zu , wie lebten die Wenden in ihren Dörfern und Städten , wie kleideten , wie beschäftigen sie sich , so wird das Wenige , was wir bis hierher sagen konnten , auch ein gewisses Licht auf diese Dinge werfen . Wie beschäftigten sie sich ? Neben der Führung der Waffen , die Sache jedes Freien war , gab es ein mannigfach gegliedertes Leben . Die Ausschmückung der Tempel – Ausschmückungen , wie man ihnen noch jetzt in altrussischen Kirchen begegnet und wie sie in den alten Schriftstellern der Wendenzeit vielfach beschrieben werden – lassen keinen Zweifel darüber , daß die Wenden eine Art von Kunst , wenigstens von Kunsthandwerk , kannten und übten . Sie schnitzten ihre Götzenbilder in Holz oder fertigten sie aus Erz und Gold , sie bemalten ihre Tempel und färbten das Schnitzwerk , das als groteskes Ornament die Tempel zierte . Den Schiffbau kannten sie , wie die kühnen Seeräuberzüge der Ranen zur Genüge beweisen , und ihr Haus- und Kriegsgerät war mannigfacher Art. Sie kannten den Haken zur Beackerung und die Sichel , um das Korn zu schneiden . Die feineren Wollenzeuge , so berichten die Chronisten , kamen aus Sachsen ; aber eben aus dieser speziellen Anführung geht hervor , daß die minder feinen im Lande selber bereitet wurden . Einheimische Arbeit war auch die Leinewand , in welche die Nation sich kleidete und wovon sie zu Segeln und Zelten große Mengen gebrauchte . Es ist also wohl nicht zu bezweifeln , daß der Webstuhl im Wendenlande bekannt war wie im ganzen Norden bis nach Island und daß die Hände , welche den Flachs und den Hanf dem Erdboden abgewannen , ihn auch zu verarbeiten verstanden . Die Hauptbeschäftigungen blieben freilich Jagd und Fischerei , daneben die Bienenzucht . Das Land wies darauf hin . Noch jetzt , in den slawischen Flachlanden Osteuropas , auf den Strecken zwischen Wolga und Ural , wo weite Heiden mir Lindenwäldern wechseln , begegnen wir denselben Erscheinungen , derselben Beschäftigung . Die Honigerträge waren reich und wichtig , weil aus ihnen der Met gewonnen wurde . Bier wurde aus Gerste gebraut . Die Fische wurden frisch oder eingesalzen gegessen , denn man benutzte die Solquellen und wußte das Salz aus ihnen zu gewinnen . Vieles spricht dafür , daß sie selbst Bergbau