aussehen ? Was wird sie heute vorhaben und unternehmen ? Wenn er in die Gemächer der Herzogin trat , suchte sein Auge Eleonoren , und es kam ihm vor , als beginne sein eigentliches Tagewerk mit der Minute , in welcher er ihrer ansichtig ward , in welcher seine Blicke sich auf der vollendeten Schönheit ihrer Gestalt und ihres Antlitzes ergingen . Sein militärischer Dienst ward ihm jetzt lästig . Der Umgang mit seinen männlichen Altersgenossen , alles , was ihn bei dem ersten Eintritte in Paris und in diese Gesellschaft gefesselt hatte , dünkte ihm nicht mehr wichtig , nicht mehr reizend , wenn es ihn von Hause fern hielt . Eleonore zu betrachten , zu sehen , wie die verschiedenen Gemüthsbewegungen sich in ihrem Angesichte malten , zu errathen , was sie denke , sich vorzustellen , was sie sagen werde , sich zu freuen , wenn seine Voraussicht ihn nicht betrogen hatte und er sich also rühmen durfte , daß er sich in Uebereinstimmung mit ihr befunden habe , das waren ihm Genüsse und Freuden , gegen welche alles Andere für ihn verblaßte . Er merkte es nicht , daß wieder ein Sommer entschwunden war , daß wieder ein Herbst vorüberging und der Winter seine Herrschaft geltend machte . Er lebte wie in einer besonderen Welt , wie unter dem Einflusse eines Zaubers ; und so groß war die Gewalt desselben , daß er sich über den Zustand gar nicht wunderte , in welchem er sich befand , sondern , daß er ihm als der natürliche , als der einzig mögliche erschien . Er war heiter und es war ihm wohl . Das war alles , was er fühlte , was er dachte , wenn nicht Briefe aus der Heimath ihn in seinem Frieden stören kamen . Eleonorens Herbigkeit hörte allmählich auf , ihn zu verletzen . Er war es gewohnt worden , daß sie ihrer Tante kalt begegnete . Der Stolz , die Herbigkeit paßten so vollkommen zu ihrer eigenartigen Schönheit , und er selber hatte ja seit der Stunde ihres ersten Begegnens sich niemals über sie beklagen dürfen . Wie ihm ihre Weise , so war auch der Gräfin seine Gesellschaft mit der Zeit lieb und vertraut geworden . Sie fragte ihn um die Stunden , welche sein Dienst beanspruchte , sie ließ sich von ihm berichten , was er erlebt hatte , wenn er außer dem Hause gewesen war ; er konnte darauf rechnen , daß sie ihn immer , auch in der bewegtesten Gesellschaft , mit Vergnügen in ihre Nähe kommen sah , und wie eine Fürstin gestand sie sich das Recht zu , stets über ihn zu verfügen , sei es , daß sie ihn aufforderte , sie zu Pferde bei ihren Spazierritten zu begleiten , oder daß sie sich ihm im voraus für die Tänze zusagte , für welche sie ihn bei einem bevorstehenden Feste zu ihrem Partner zu haben wünschte . Selbst über seine Anhänglichkeit an ihre Tante rechtete sie nicht mehr mit ihm , weil seine Aufmerksamkeit für die Greisin sie mancher Verpflichtungen und jener kindlichen Dienstleistungen enthob , denen sie sich immer nur widerstrebend unterzogen hatte . Aber nicht allein Eleonore hatte dem deutschen Edelmanne ihre Gunst zugewendet , der Abbé war ihr darin zuvorgekommen , und es hatte sich zwischen diesen drei , einander durch ihre Lebenslage so unähnlichen Personen eine Freundschaft herausgebildet , welche Niemandem entging und welche die ungeduldige Aufregung der Herzogin veranlaßte . Denn diese Freundschaft konnte ihr , darüber täuschte sie sich nicht , so gefährlich als nützlich werden , konnte ihren Planen dienen oder sie durchkreuzen , und die Fäden , durch welche diese drei Menschen zusammenhingen , waren so eigenthümlich verschlungen , berührten die Wünsche der Herzogin so mannigfach , daß sie Anstand nahm , Hand daran zu legen , während sie es für nöthig hielt , beständig ihr Auge auf dieselben gerichtet zu halten . Seit ihre Nichte herangewachsen , war die Verbindung derselben mit dem Prinzen Polydor der vorherrschende Gedanke der Herzogin gewesen , und seit man nach Frankreich zurückgekehrt , hatte sie selber den Abbè mit der gegen diesen offen ausgesprochenen Absicht in ihr Haus gezogen , daß er die Bekehrung Eleonorens , welche ohnehin dem strenggläubigen und äußerst kirchlichen Hofe ein wohlgefälliges Ereigniß sein mußte , unternehmen möge . Sie hatte sich dabei sorgfältig gehütet , es dem Abbé zu vertrauen , welche Hoffnungen sie auf Eleonorens Uebertritt zur katholischen Kirche baue , und der gewandte Weltmann hatte zu viel Umsicht und zu viel gute Erziehung besessen , um errathen zu lassen , daß ihm klar sei , was man ihm zu verbergen noch für angemessen fand . Nur von Eleonorens Seelenheil war zwischen ihm und der Herzogin die Rede gewesen , nur im Hinblick auf dieses hatte die Herzogin die Besorgniß ausgesprochen , daß ihr und des Abbé ' s Einfluß auf Eleonore sich nothwendig jetzt verringern dürfte , da Eleonore mit ihrem letzten Geburtststage ihre gesetzliche Volljährigkeit erreicht habe , nach welcher es allein von ihrem Ermessen abhing , ob sie noch in Frankreich , ob sie in dem Hause ihrer Tante bleiben , oder dasselbe verlassen wolle , um ihren Wohnsitz in ihrem englischen Stammschlosse oder wo sonst immer aufzuschlagen . Indeß der Tag ihrer Volljährigkeit war zu Ende des Jahres achtzehnhundert und siebzehn vorübergegangen , und die Gräfin , welche diesen Tag sonst so lebhaft herbeigesehnt hatte , verweilte noch in Frankreich , verweilte noch im Palast Duras . Sie schien jetzt den Aufenthalt in demselben nicht mehr so drückend zu finden , als sonst . Aber wie sehr die Herzogin auch gewünscht hätte , vermochte sie dennoch nicht , diese Sinnesänderung auf ihre Rechnung zu schreiben oder als eine ihren Absichten günstige zu deuten . Selbst ein weniger scharfes Auge und eine Frau , die weniger herzenskundig gewesen wäre , als sie , konnte sich nicht darüber täuschen , was Eleonore in ihrem Hause festhielt , und doch konnte sie trotz der