, und ein anderer deutscher Fürst , der zugegen war , raunte dem Markgrafen zu : » Mit nichten ; eines deutschen Herzogs Blutsverwandte gehört nicht an die Seite eines wendischen Hundes . « Mistewoi hatte gehört , was der Nebenstehende halblaut vor sich hin gesprochen hatte , und verließ die Halle . Bernhard , der das nun Bevorstehende ahnen mochte , schickte dem tödlich verletzten Wendenfürsten Boten nach , aber dieser ließ nur antworten : » Der Tag kommt , wo die Hunde beißen . « Er ging nun nach Rethra , wo der Haupttempel aller wendischen Stämme stand , und rief – die Obotriten standen selbstverständlich zu ihm – auch alle liutizischen Fürsten zusammen und erzählte ihnen die erlittene Schmach . Dann tat er sein Christentum von sich und bekannte sich vor dem Bilde Radegasts aufs neue zu den alten Göttern . Gleich darauf ließ er dem Sachsengrafen sagen : » Nun hab acht , Mistewoi der Hund kommt , um zu bellen und wird bellen , daß ganz Sachsenland erschrecken soll . « Der Markgraf aber antwortete : » Ich fürchte nicht das Brummen eines Bären , geschweige das Bellen eines Hundes . « Am Tangerfluß kam es zur Schlacht , und die Sachsen wurden geschlagen . Das hatte Mistewoi der Hund getan . Die Unterwerfung , die 924 begonnen hatte , hatte 983 wieder ein Ende . Der Dom zu Brandenburg wurde zerstört , und auf dem Harlunger Berge erhob sich das Bild des Triglaw . Von dort aus sah es noch wieder einhundertfünfzig Jahre lang in wendische Lande hinein . Die Liutizen waren frei . Drei Generationen hindurch hielt sich , nach diesem großen Siege , die Macht der Wenden unerschüttert ; Kämpfe fanden statt , sie rüttelten an der wiedererstandenen Wendenmacht , aber sie brachen sie nicht . Erst mit dem Eintritt des zwölften Jahrhunderts gingen die Dinge einer Wandlung entgegen ; die Wendenstämme , untereinander in Eifersüchteleien sich aufreibend , zum Teil auch uneins durch die rastlos weiter wirkende Macht des Christentums , waren endlich wie ein unterhöhlter Bau , der bei dem ersten ernsteren Sturme fallen mußte . Die Spree- und Havellandschaften waren , so scheint es , die letzten Zufluchtsstätten des alten Wendentums ; Brennabor , nachdem rund umher immer weiteres Terrain verlorengegangen war , war mehr und mehr der Punkt geworden , an dessen Besitz sich die Frage knüpfte , wer Herrscher sein solle im Lande , Sachse oder Wende , Christentum oder Heidentum . Das Jahr 1157 , wie eingangs schon bemerkt , entschied über diese Frage . Albrecht der Bär erstürmte Brennabor , die letzten Aufstände der Brizaner und Stodoraner wurden niedergeworfen , und mit der Unterwerfung des Spree- und Havellandes empfing das Wendenland zwischen Elbe und Oder überhaupt den Todesstoß . ( Rethra war schon vorher gefallen , wenigstens seiner höchsten Macht entkleidet worden . Nur der Swantewittempel auf Arkona hielt sich um zwanzig Jahre länger , bis der Dänenkönig » Waldemar der Sieger « auch diesen zerstörte . ) So viel in kurzen Zügen von der Geschichte des Wendenlandes zwischen Elbe und Oder . Wir wenden uns jetzt einer mehr kulturhistorischen Untersuchung zu und stellen zusammen , was wir über Charakter , über Sitte , Recht und Kultur des alten Wendentums wissen . 2. Lebensweise . Sitten . Tracht 2. Lebensweise . Sitten . Tracht Sie spinnen . Haben Linnen , Sie regeln Den Fluß und das Wehr , Und mit Schiffen und Segeln Sind sie zu Hause auf offnem Meer . Die Frage ist oft aufgeworfen worden , ob die Wenden wirklich auf einer viel niedrigeren Stufe als die vordringenden Deutschen gestanden hätten , und diese Frage ist nicht immer mit einem bestimmten » Ja « beantwortet worden . Sehr wahrscheinlich war die Superiorität der Deutschen , die man schließlich wird zugeben müssen , weniger groß , als deutscherseits vielfach behauptet worden ist . Die Wenden , um mit ihrer Wohnung zu beginnen , hausten keineswegs , wie ein mir vorliegender Stich sie darstellt , in verpalisadierten Erdhöhlen , um sich gleichzeitig gegen Wetter und Wölfe zu schützen ; sie hatten vielmehr Bauten mannigfacher Art , die durchaus wirklichen Häusern entsprachen . Daß von ihren Gebäuden , öffentlichen und privaten , kein einziges bestimmt nachweisbar auf uns gekommen ist , könnte dafür sprechen , daß diese Bauten von einer inferioren Beschaffenheit gewesen wären ; wir dürfen aber nicht vergessen , daß die siegreichen Deutschen natürlich alle hervorragenden Gebäude , die sämtlich Tempel oder Festen waren , sei es aus Rache oder sei es zu eigner Sicherheit , zerstörten , während die schlichten Häuser und Hütten im Laufe der Jahrhunderte sich natürlich ebensowenig erhalten konnten , wie deutsche Häuser und Hütten aus jener Zeit . Die Wenden , so viel steht fest , hatten verhältnismäßig wohleingerichtete Häuser , und die Frage bleibt zunächst nur , wie waren diese Häuser . Wahrscheinlich sehr verschiedener Art. Wie wir noch jetzt , oft bunt durcheinander , noch häufiger nach Distrikten geschieden , Lehmkaten , Fachwerk- , Feldstein- und Backsteinhäuser finden , der Stroh- , Schilf- , Schindel-und Ziegeldächer ganz zu geschweigen , so war es auch in alten Wendenzeiten , nur noch wechselnder , nur noch abhängiger von dem Material , das gerade zur Hand war . In den Fischerdörfern an der Spree und Havel hin , in den Sumpfgegenden , die kein anderes Material kannten als Elsen und Eichen , waren die Dörfer mutmaßlich Blockhäuser , wie man ihnen bis diesen Tag in den Spreewaldgegenden begegnet ; auf dem feldsteinübersäten Barnimplateau richteten sich , wie noch jetzt vielfach in den dortigen Dörfern geschieht , die Wohnungen höchstwahrscheinlich aus Feldstein auf ; in fruchtbaren Gegenden aber , wo der Lehm zutage lag , wuchs das Lehm- und das Ziegelhaus auf , denn die Wenden verstanden sich sehr wohl auf die Nutzung des Lehms und sehr wahrscheinlich auch auf das Ziegelbrennen . Daß sie unter ihrem Gerät nachweisbar auch den Mauerhammer hatten , deutet wenigstens darauf hin . Einzelne dieser