machen sich entschließe , von dessen weitgreifender Thätigkeit , von dessen energischer Handlungsweise er vielfach durch sie selber habe sprechen hören , so leiste dieses alles dafür Bürgschaft , daß Renatus von der gegenwärtigen Zeit und von dem , was ihm selber Noth thue , mehr , weit mehr begriffen habe , als Paul anzunehmen scheine . Sie wiederholte darauf ihre Bitte mit dem Zusatze , daß Paul nach ihrem Empfinden ein entschiedenes Unrecht thun würde , einen Rath- und Beistandsuchenden , der , Paul möge sagen , was er wolle , doch immer seines Vaters Sohn , sein Halbbruder sei , ohne alle bestimmten Gründe von sich zu stoßen ; und als hätte sie in des jungen Edelmannes Seele gelesen , bemerkte sie , wie es vielleicht gerade diese Zusammengehörigkeit , wie es wohl das Zutrauen zu dem Sohne seines Vaters sein möge , welches Renatus zu Paul hingeführt habe und ihn seine Hoffnung auf denselben setzen lasse . Aber gerade diese letzte Muthmaßung fand vor dem Verstande Paul ' s nicht Gnade . Ich begehre eines solchen ererbten und auf keine vernünftigen Gründe zurückzuleitenden Vertrauens nicht , am wenigsten , wo ich ' s nicht theile ! versetzte er kurz . Als dann aber auch Davide in ihn drang , den Bitten der Cousine nachzugeben , als sie ihm versicherte , daß es sie glücklich machen und daß sie stolz darauf sein würde , wenn er der Arten ' schen Familie mit großmüthiger Freiheit des Sinnes beistehen wolle , wenn sie ihn auch bei diesem wie bei jedem anderen Anlasse um seiner hülfreichen Selbstlosigkeit willen verehren dürfe , sagte er : Alle Eure Vorstellungen beweisen mir nur , daß auch in Euch die in Europa leider noch so verbreitete Voreingenommenheit für die alten Familien und die alten Namen tiefer wurzelt , als ich nach meinen und Euren Erfahrungen zu vermuthen Ursache hatte . Aber sei es drum ; vielleicht erhaltet Ihr einen neuen Beitrag zur Menschenkenntniß und zur Kenntniß des Adels , der Euch aufklärt ! Ihr sollt Euren Willen haben ! Und es wird nicht an mir liegen , wenn sich Dein Begehren , liebe Seba , daß ich dem Sohne Deiner Freundin nützlich werden möchte , nicht erfüllt , wie Du es wünschest ! Ohne ihre Antwort abzuwarten , verließ er sie . Aber noch in derselben Stunde schrieb er dem jungen Freiherrn , daß er bereit sei , sich der Oberaufsicht über seine Angelegenheiten und , wenn die gerichtlichen Schritte deshalb gethan sein würden , auch der Vormundschaft über den Knaben Valerio bis zu Renatus ' Rückkehr zu unterziehen . Doch werde es ihm , im Hinblicke auf die eigenen , ihn vollauf in Anspruch nehmenden Geschäfte , sehr erwünscht sein , die Heimkehr des Freiherrn nicht in zu ferne Zeit hinausgeschoben zu sehen . Achtes Capitel Der Herbst , welcher im Norden sich nur selten und nie auf lange Zeit als ein freundlicher Vermittler zwischen dem Sommer und dem Winter zeigt , entlehnt in den glücklicheren Himmelsstrichen dem Sommer seine Wärme , dem Winter seine Klarheit , und niemals hatte er schöner und beständiger auf die Erde und auf das ohnehin so freundliche Paris hinabgeblickt , als in dem warmen , schönen Jahre von achtzehnhundert und siebzehn . Die Blätter waren bereits lange von den Bäumen abgefallen , die Sonne ging schon früh zur Ruhe , aber die Mittage waren noch hell und warm wie in der besten Jahreszeit , und die Herzogin machte noch alltäglich ihre Fahrten in das Freie , obschon eine gewisse Veränderung mit ihr vorgegangen war . Nicht daß ihre Körperkräfte abgenommen hätten . Sie war immer noch um die gewohnten Stunden sichtbar , schrieb Briefe , empfing Besuche , fuhr zu den kleinen Zirkeln des Königs an den Hof ; aber wer wie Renatus Gelegenheit hatte , sie genauer zu beobachten , dem konnte es nicht entgehen , daß sie nicht mehr die volle Herrschaft über sich besaß , daß es ihr oft schwer fiel , den Anschein der gleichmäßigen Ruhe zu behaupten , die sonst nie von ihr gewichen war , und daß irgend etwas sie innerlich aufrege und ungeduldig mache . Trotz der schmeichlerischen Nachgiebigkeit , mit welcher sie Eleonoren begegnete , deren zurückweisende Kälte sich beständig gleich blieb , sah Renatus es , wie unablässig die Herzogin ihre Nichte beobachtete , und so oft die Letztere mit ihm im Besonderen gesprochen hatte , mußte er sich auf irgend welche Erörterungen und Fragen gefaßt halten , die sich stets auf Eleonoren bezogen und denen zu stehen seinem Ehrgefühle allmählich so lästig ward , daß er trotz des Wohlgefallens , welches er an der Gesellschaft der Herzogin hegte , sich oftmals versucht fühlte , auf ihre Gastfreundschaft Verzicht zu leisten . So oft er es jedoch am Abende unerfreulich gefunden hatte , zwischen den beiden einander mißtrauenden Frauenzimmern zu leben , und so oft er es sich vorgenommen hatte , am andern Morgen der Herzogin zu sagen , daß sein Dienst ihn nöthige , ihr Haus zu verlassen und eine Wohnung in der Nähe seines Chefs zu suchen , so fehlte ihm , wenn er das Wort aussprechen sollte , der Muth dazu . Volle zwei Jahre hatte er jetzt im Hause seiner Beschützerin gelebt , und es lag in den äußerlich ruhigen und glatten Lebensgewohnheiten dieses Hauses etwas Verführerisches , etwas , das ihm die Seele einspann und gefangen nahm . Er konnte sich es gar nicht mehr denken , daß er nicht morgen oder übermorgen und heute eben so wie gestern diese breite und gelinde Treppe hinabsteigen , daß er morgen die Herzogin nicht bei guter Zeit in ihrem Zimmer aufsuchen und sie in ihrer anmuthigen Weise die Vorgänge des Tages und die Ereignisse am Hofe besprechen oder sie von den Zeiten erzählen hören werde , in denen man seines Lebens anders und besser froh zu werden verstanden habe , als jetzt . Wenn er erwachte , fragte er sich : Wie wird die Gräfin heute