Alles Schweigen , nur leises Flüstern in den Reihen , die Offiziere auf die Degen gestützt , die Soldaten das Gewehr im Arm - die Sappeure vorn mit Faschinen , Aexten und Leitern . Plötzlich - mit dem Minutenzeiger auf Eilf schoß der feurige Strahl der Rakete vom Fort in die Höhe . Also Wahrheit - die Botschaft des jungen Spions hatte nicht gelogen , und manches Herz , das noch immer gezweifelt , wappnete sich fester bei der Gewißheit der nun bevorstehenden blutigen Stunde , jedes Ohr lauschte gespannt - Todtenstille ringsum - Der Oberst Kostanda hatte sich auf den Boden geworfen , um besser zu hören - zehn Minuten darauf ließ sich undeutlich in der weiten Entfernung der Schall einer Gewehrsalve vernehmen . » Sie sind an einander , Excellenz - Gott lasse die Unsern bereit sein ! « » Pascholl ! Bei Todesstrafe kein Schuß ohne Befehl ! « Schweigend - ein gespenstiges Ungeheuer , Tod und Verderben in seinen Ringen - drängten die Reihen vorwärts . - Um den Horizont zuckte das Wetterleuchten und mit den dunklen Menschenwolken zusammen zogen die Wolken des Himmels gigantisch gegen einander zur Feuerschlacht der Elemente . Jetzt waren die Tirailleurs bis auf 200 Schritt an die äußere Circumvallation heran , die hinter einem - bei der höheren Lage des Forts nach dem Bergplateau zu - trotz des hohen Wasserstandes der Donau kaum drei Fuß tief mit Wasser gefüllten Graben lag . Keine Ahnung noch schien die Moslems vor der drohenden Gefahr zu warnen . Der grelle Schein des Blitzes enthüllte jetzt plötzlich die Bataillone der Russen . » Mashallah , die Moskows ! Zu den Waffen ! zu den Waffen ! « » Sturmschritt ! - Vorwärts ! « Die russischen Trommeln schlugen den kurzen Appell und ehe die Bataillone heran kamen , waren die Glacis vor dem Graben durch die Bajonnette der Tirailleurs von den türkischen Wachen geräumt und die Colonnen , die Sappeurs voran an der Brücke und dem Graben , und ihr Hurrah donnerte herausfordernd durch die Lüfte . Die Faschinen flogen in das Wasser , die Leute sprangen und stürzten die Böschungen hinunter und begannen mit der den russischen Soldaten eigenen Halsstarrigkeit und Gleichgültigkeit gegen den Tod bis steilen Wände des Walles emporzuklimmen . Das Heckenfeuer der Jäger bestrich kräftig die Wälle , und der Zuruf , die Todesverachtung der Offiziere ermunterte die Leute zu riesenhaften Anstrengungen . Aber der Angriff scheiterte an der Wachsamkeit der Artillerie und dem Umstande , daß Mussa-Pascha es für räthlich gehalten hatte , gleich in einer Ahnung des Kommenden und in der Absicht , während des Ausfalls die Kräfte des linken russischen Flügels durch eine Eröffnung des Feuers zu beschäftigen , die , seine Südseite und die Straße nach Schumla deckenden Forts , Arab-Tabia und Yania , mit einer starken Besatzung zu versehen , und daß sich - eben jener Demonstration wegen - die fremden Offiziere , die nicht am Ausfall Theil genommen , in den Forts befanden . Der Pascha , nachdem er das Zeichen zum Ausfall gegeben , war mit seiner Umgebung noch in der Nähe der Batterieen , welche die neue Citadelle , Abdul-Medjid , mit Silistria verbinden , als der Angriff des General-Lieutenants Selwan begann , und umsichtig und entschlossen warf er alle disponiblen Kräfte dahin , während die Citadelle ein Flankenfeuer gegen den russischen Angriff eröffnete . In diesem Augenblick war es , als das Gewitter mit Sturm und Regen in seiner vollen Heftigkeit ausbrach . Ein Flammengürtel schien plötzlich rings um den Wall der Arab-Tabia sich zu öffnen und sprühte seinen Kartätschenhagel gegen die Stürmenden . Der Donner des Geschützes rollte mit dem des Himmels , mit der Fluth der Wolken goß sich der eiserne Strom über die Feinde . Der französische Colonel , - Capitain Depuis - auch der Baronet Maubridge , der sich der Begleitung des Pascha ' s angeschlossen , - befanden sich unter den türkischen Offizieren auf dem Fort und warfen sich in den Kampf . Die Tabor ' s1 der in der Stadt gebildeten Freischaaren , die unberittenen ägyptischen Baschi-Bozuks hielten standhaft die Wälle . Dennoch gelang es dem samoszkischen Jäger-Bataillon wirklich , auf dem großen Wall Fuß zu fassen und es entspann sich hier ein wüthender Kampf . Mann gegen Mann , - die Jäger ihre Hirschfänger auf die Büchsen gesteckt , die Bozuks und Freiwilligen mit Säbel , Pistole und Handjar oder den Flintenkolben . In der Nahe dieses Getümmels kämpfte am Wall auch der englische Baronet mit seinem Diener gegen das Andrängen der Stürmenden . Der Diener des Briten , den er erst in Schumla angenommen , eine wilde , breitschultrige , verwogene Gestalt in Arnautentracht , lud und schoß kaltblütig seine Pistolen auf die heraufklimmenden Russen ab . In seiner Nachbarschaft , durch den Kampf dahin gedrängt , focht Jussuf , der schwarze Courier , schon vor einer Stunde abgelöst von seinem Posten . In diesem Moment gelang es dem Obersten Grafen Orloff , auch hier mit einer Abtheilung der alexopolskischen Infanteristen den Wall zu erklimmen und er griff mit dem Säbel in der Hand die Verteidiger an . Ein Pistolenschuß des vorhin erwähnten Dieners fuhr ihm von der Seite quer über das Gesicht und ein grober Schrootkorn durchbohrte sein Auge , dennoch kämpfte der Tapfere weiter . Aber auch der Arnaut hatte keine Zeit mehr , die lange Pistole am Riemen über den Rücken zu werfen und sich der blanken Waffe zu bedienen , denn zwei Infanteristen stürzten über ihn her und der Kolbenschlag des Einen warf ihn blutend zu Boden , und schon sprang der Zweite gegen ihn und hob das Bajonnet zum Todesstoß . » Sukiensyn2 ! Geh ' zu Deinem falschen Propheten ! « Ein kräftiger Yataganhieb traf Waffe und Arm des Russen , daß beide machtlos niederfielen , ein zweiter spaltete ihm das Gesicht bis tief in den Hals hinein , und über dem zu Boden Gestreckten stand der Mohr , den Kameraden gegen den anderen Feind kräftig verteidigend und