» Ich habe keine bestimmte Idee , « sagte er , » daß dies so kommen könnte , aber wie die Verhältnisse nun einmal liegen , sollst du als Verliebter die Sache nicht so leicht nehmen , sondern alle Schrauben anziehen , um baldigst zu einem Ziele zu gelangen . - Mich hat , « fuhr der Major nach einer Pause fort , während der Graf Fohrbach nachdenkend zum Fenster hinausgeblickt , » die Wette , welche dir der Herzog neulich proponirt , verletzt , ja erschreckt . Mach ' mir keine Einreden in Betreff Eugeniens . Ich kenne die große und auch feste Seele dieses Mädchens ; aber sie steht auf glattem Boden . Ja , ich sage es offen , nur ein Narr proponirt dergleichen Wetten ohne irgend welche Aussicht auf Erfolg . Und ein Narr ist der Herzog gerade nicht . « » Nun , diese Aussichten sind gering , « versetzte nach einem tiefen Athemzuge lächelnd der Graf . » Da lies dies Billet ; ich erhielt es gestern von Eugenien . « Der Major nahm das dargereichte zierliche Briefchen , entfaltete es und las : » Wie leid thut es mir , daß ich deinen Wunsch so ohne alle Schwierigkeiten erfüllen kann ! Ich bin für den Maskenball zu einer der Ecuyèren Ihrer Majestät ernannt , und da ich mit den beiden andern Damen Achselbänder in einer der Farben des angenommenen Wappens tragen soll , weiß , grün und Gold , so ward es mir leicht , die erste Farbe für mich zu wählen . O , wie sie mir lieb ist , da ich weiß , daß du sie gerne siehst ! « - » Ja , das ist recht schön und es freut mich , « sprach der Major , nachdem er gelesen . » Und das ist noch nicht Alles , « entgegnete der Graf , indem er sich dem Freunde näherte und die Stimme dämpfte , als fürchte er unsichtbare Ohren in dem leeren Zimmer . » Eugenie will mit der Frau Herzogin sprechen , und , im Falle diese uns gnädig gesinnt ist , ebenfalls an ihrem Hute eine weiße Schleife tragen . « » Nun , Gott gebe seinen Segen dazu , « sagte der Major . Dann zog er seine Uhr hervor und fuhr fort : » Nimm mir nicht übel , Eugen , ich habe einen Fremden anzumelden . Wenn du noch ein bischen verziehen willst , so setz ' dich nieder und nimm ein Buch , es dauert nicht lange . « Der Graf hatte sein Billet sorgfältig wieder eingesteckt und erwiderte lachend : » Ich danke dir herzlich ; nur die Lust , mit dir ein paar Worte zu sprechen , hielt mich hier zurück . Ohnedies habe ich ja morgen wieder die Ehre , ein Sklave dieser Räume zu sein . Deßhalb will ich mich heute meiner Freiheit freuen . Leb ' wohl ! « » Heute Abend sehen wir dich ? « fragte der Major . » Natürlich , deine Frage veranlaßt mich , das Schloß schleunigst , zu verlassen . Gott der Gerechte ! Man könnte mich am Ende wieder zu einer Whistpartie da behalten wollen ! « Mit diesen Worten ging er fort , der Major blieb allein zurück , nahm eine sehr wichtige Miene an , rückte Schärpe und Säbelkuppel zurecht , und erwartete auf-und abschreitend die lispelnde Meldung des Kammerdieners . Als der Graf das Schloß verlassen hatte und über den Hof dahin schritt , ging er sehr langsam und schaute lange rückwärts zu einem Fenster hinauf , an welchem sich Blumen befanden . Dort war leider heute nichts sichtbar als eben nur diese , und das hartnäckige Hinaufschauen hätte den Grafen beinahe in Schaden gebracht , denn da er nicht auf seinen Weg blickte , gerieth er fast zwischen die Pferde einer Equipage , die ziemlich rasch um die Ecke des Schlosses herumkam . Erst auf das Hoje ! des Kutschers prallte er auf die Seite , und erblickte das Coupé des Polizeipräsidenten , der ihm lächelnd mit dem Finger drohte und zurief : » Welches Unglück , Graf Fohrbach , wenn ich Sie überfahren hätte ! « » Ein Unglück für uns Beide , « erwiderte lustig der Graf , » denn wie hätten das Euer Excellenz , verantwortlich für die Sicherheit der Einwohner , rechtfertigen können ! « Damit ging er seiner Wege , und der kleine Wagen des Andern beschrieb einen Bogen auf dem weichen Sande des hintern Schloßhofes und hielt vor der Thüre des General-Adjutanten Baron v. W. Da nun wir , geneigter Leser , Flaneurs vergleichbar sind , die sich nur da aufhalten und beobachten , wo sie etwas Interessantes zu entdecken glauben , und es so unsere Art ist , Diesen zu verlassen und Jenem nachzugehen , so wollen wir den Grafen Fohrbach ruhig seiner Wohnung zuschreiten lassen und der Equipage Seiner Excellenz folgen . Der Polizeipräsident schien in dem Hause , in welches er eintrat , erwartet worden zu sein . Ein alter Bedienter in einer maulbeerfarbenen Livrée öffnete nach einer tiefen Verbeugung den Schlag , und zog dann eine Glocke , die im ersten Stock klingelte , sobald der Präsident die Treppen hinanstieg . Oben öffnete ihm ein schwarzgekleideter Kammerdiener die Glasthüre und führte ihn durch mehrere Zimmer in das Kabinet des Generals , rollte einen Fauteuil vor das lodernde Kaminfeuer und bat ihn , einige Sekunden zu verziehen , indem Seine Excellenz gleich erscheinen würde . Der Präsident ließ sich nieder , rieb sich die Hände vor dem Feuer , befühlte darauf tastend seine Nase und blickte schmunzelnd in die lodernden Flammen . Alle Kammern seines Gehirns waren mit Räubern und Mördern angefüllt , und sein Geist beschäftigte sich seit mehreren Tagen nur noch mit dem uns bekannten Einbruch , den er hin und her beleuchtete , um Fäden zu finden , durch deren Hilfe er in allerlei schauerliche Schlupfwinkel dringen könne und mit denen er die gefürchtete Räuberbande