, lassen Sie mich hier zurück . Ich war seine Braut vor Gott und vor Ihnen , er darf nicht verlassen sterben . Die Pflege ist spät , aber den letzten Dienst kann ich ihm erzeigen . Lassen Sie mich ihm die Augen zudrücken . « Da richtete sich das verwilderte Mädchen etwas auf und starrte die Hinzugekommenen an . Der Traum der Wahrheit schien durch ihre brechenden Augen zu dämmern . Die Gräfin Voß war an die Königin , die zweifelnd dastand , getreten und flüsterte ihr zu : » Wenn Ihro Majestät das zugeben , ist es absolut unmöglich , daß die Demoiselle ferner , in welcher Stellung es sei , in Dero Nähe verweilt . Ja , wenn sie nur getraut wären - « In dem nächsten Augenblick geschah vieles . Der alte Geistliche hatte sich über den Sterbenden gebeugt : » Er athmet noch . « - Das Mädchen zu seinen Füßen rief wie in wahnsinniger Freude : » Louis schlägt die Augen auf . « Der Sonnenschein hatte eine rothe Scheibe getroffen , und ein rosiger Schein breitete sich über die eng zusammengedrängte Gruppe aus . Der Todte lebte noch , er schien zu lächeln , er erkannte die Gegenstände . Die Königin aber hatte im nächsten Augenblicke mit dem Prediger heimlich gesprochen . » Ich übernehme alle Verantwortung . « Der Geistliche erwiderte : » Auf die wage ich es selbst vor dem höchsten Richter , wo ich bald mit ihm erscheine . Aber hat er die Besinnung - und die junge Dame ? « - » Sie wird ihr Ja deutlich sprechen , « hatte die Königin geantwortet und flüsterte Adelheid etwas ins Ohr : » Bleib ' knieen , mein Kind ! « Da wollte es der Zufall , während der Pfarrer in Kürze die liturgischen Formeln der Trauung sprach , daß ein Knabe des Küsters auf der Orgel intonirte . Der Sterbende wollte den Kopf aufrichten , das gelang ihm nicht , aber von seinen Lippen kam es : » Da rufen sie uns ! « Der Prediger sah froh der Königin ins Gesicht , welche Adelheid schnell einen Ring an den Finger gesteckt hatte . Das fremde Mädchen aber hielt den Kopf des Sterbenden , während der Prediger die Ringe wechselte . Als er die entscheidende Frage that , antwortete ein Ja so wunderbar laut , daß es die Orgel übertönte . Es war sein letztes Wort . Kaum daß der Segen gesprochen , sank er röchelnd nieder . Der Brautkuß war der Sterbekuß . Das fremde Mädchen weinte und lachte : » Ich habe doch seinen letzten Händedruck . « - Die Königin sagte : » Ich konnte ihm doch danken . « Der Wagen stand fertig vor der Kirchenthür . » Frau von Bovillard ! sprach feierlich die alte Voß , Ihro Majestät sind bereit . « Die Fürstin sah fragend auf die Trauernde . Ihr Blick schien zu sprechen : » Willst Du mich jetzt verlassen ! « Der Geistliche sagte : » Für die Todten sorgt Gott und die Kirche . Wer noch Pflichten im Leben hat , fliehe von hier . Den Todten ist wohler in der Erde als den Lebendigen , wo die Verwüstung ihr Reich aufschlägt . « Das fremde Mädchen schrie wie im Irrsinn auf : » Er wird nicht allein begraben werden . « Fünfundachtzigstes Kapitel . Ein Frühstück bei Dallach . Es ist in der Luft eine Magie , die unsere Wissenschaft noch nicht erklärt hat ; eine Kommunikation durch unfassbare Organe , welche die Begebenheiten verbinden . Unergründlich nannten unsere Väter eine Tiefe , die sie noch nicht ergründet ; unfassbar hätten sie das Lichtbild genannt , wir lernten es fassen und festigen auf der Platte , und an Drahtseilen fliegt der Gedanke hunderte von Meilen in Sekundenschnelle , und drückt sich auf die Tafel in bunten Buchstaben , für jedes Auge lesbar . Dieses Lichtbild spiegelte sich auch schon vor den Augen unserer Väter , der Gedanke flog auch da mit derselben Schnelle , nur fassten sie ihn nicht , weil ihnen die Verbindungsmittel unbekannt waren ; weil sie die Platten und die Drahtseile nicht sahen , tauften sie es Wunder . Alte Leute entsinnen sich , daß man in der Stille der Nacht nach dem 14. October vor Berlin auf der Erde die Schläge des Kanonendonners von Auerstädt hatte hören können . Von Andern sagt man , daß sie am folgenden Tage schon den Ausgang der Schlacht gewusst . Aufgeklärte meinten , das sei nur die Nachdröhnung gewesen von dem unglücklichen Gefecht von Saalfeld , die als Vorahnung gespukt . Nicht Alle waren es , es waren nur Wenige , darunter zwei , die wir kennen . Der Rath Fuchsius konnte in der Nacht nicht schlafen , seine Beängstigung ward gegen Morgen immer größer . Er horte die Kanonenschläge , sein Bett schien unter ihm zu zittern ; wie fest er auch die Augen zudrückte , er sah immer wieder den hellen Schein , wie ein Nordlicht , das am äußersten Horizont aus der Erde quillt . Er zündete das Licht an und ergriff eine Lekture , es war ein Band des Shakespeare . Die Stelle aus Macbeth , die er aufschlug , war nicht geeignet , seine Träume zu beschwichtigen : Die Nacht war stürmisch ; wo wir schliefen , heul ' es Den Schlott herab ; und wie man sagt , erscholl Ein Wimmern in der Luft , ein Todesstöhnen , Ein Prophezein in fürchterlichem Laut , Von wildem Brand und gräflichen Geschichten , Neu ausgebrütet einer Zeit des Leidens , Der dunkle Vogel schrie die ganze Nacht durch : Man sagt , die Erde bebte fieberkrank . Er sah die Schlacht , die meilenweit sich dehnende , mit ihren wankenden und wogenden Linien , den dampfenden Batterieen , den Kavallerieattaquen , und so gewiß er das Herz unter der Brust pochen hörte , so centnerschwer drückte ihn eine Gewißheit - daß er nichts Frohes