und die notwendigsten Onkel , Tanten , Kusinen und Vettern waren geladen , im ganzen etwa achtzig Personen . Dann zog Mimi als junge Herrin auf Rauschenrode ein , auf eine Hochzeitsreise verzichtete man . Für Herrn Theodor Debberitz bedeuteten diese Monate nur eine Reihe großer und kleiner Triumphe . Zwar , der alte Herr machte auch nach seiner Rückkehr aus der Schweiz noch immer einen weiten Bogen um seine gewichtige Person . Aber Frau Marie begriff , daß sie es Debberitz zu danken hatte , wenn ihr Fritz im Lande blieb . Das stimmte sie milder gegen manchen Taktfehler und gegen die Erinnerung an seine mit ärgerlicher Kleptomanie behaftete Frau Mama . Augusts junge Gattin besaß viel zuviel von dem Instinkt des richtigen Weibes , das die Interessen ihres Gatten von dem Moment an , in dem ihr Ja vor dem Traualtar gesprochen wurde , heftiger vertritt als er selbst . Und diese Interessen waren nun eng mit Theodor Debberitz verknüpft . Alles , was auf dem Schloß an Weiblichkeit versammelt war , beeiferte sich , seine kleinen und großen Lieblingsangewohnheiten kennenzulernen , seinen Eitelkeiten in liebenswürdigster Weise zu dienen . Eine aber gab es vor allen , die seinen Wert nach seinem vollen Maß zu schätzen wußte , das war Tante Trinette . Im ernsten Gespräch wandelte sie mit Herrn Debberitz so manches Mal durch den Taxusgang und um die Parkwiesen , im Morgentau sowohl als auch beim Mondenschein , und ließ sich von ihm in die so gefährlichen wie spannenden Geheimnisse der Börsenspekulation einweihen . Sie , die bisher ihre Ersparnisse am liebsten nach Urgroßmutters Weise in einem Strumpf unter dem Strohsack aufgehoben hätte , vertraute jetzt auf den Rat dieses neuen Führers ihr Geld den merkwürdigsten Industrieunternehmungen an . Sie heimste sehr schnell einige nicht unbedeutende Gewinne ein und war davon wie berauscht . Debberitz fand als Dank abends auf dem Tische vor seinem Bett ein Fläschchen mit Kräutersirup , von den aristokratischen Händen des Fräuleins von Kosegarten destilliert und mit einer von eigener Hand geschriebenen Gebrauchsanweisung versehen . Er versicherte ihr bei jeder Gelegenheit , daß dieser Sirup die ungeahntesten Wirkungen auf seinen Organismus ausübe , und damit hatte er den letzten Rest von Tante Trinettens Herzen gewonnen . In seinem eigenen Herzen aber spielte sich zu der gleichen Zeit ein seltsamer Kampf ab . Er war zweimal von der Prinzessin Karoline in Audienz empfangen worden . Ihre munteren Braunaugen , die von den vornehmsten Parfümen umhauchten Üppigkeiten ihrer Gestalt , die wogenden Seiden und Spitzen ihrer Toiletten übten eine heftige Wirkung auf seine Sinne aus . Es geschah ihm wahrhaftig , daß er nicht nur von Zahlen und Gütererwerbungen träumte , sondern sich selbst und die Prinzessin Karoline in verführerischen und zärtlichen Situationen erblickte . Nach solchen Träumen voll entzückender Phantasiegebilde beschloß er allen Ernstes bei sich , um die Gunst der Prinzessin Karoline zu werben . Den seit Jahren in Langenrode umgehenden Gerüchten zufolge war sie nicht allzu schwer zu erwerben . Er , Thete Debberitz , der Liebhaber einer Schwester des regierenden Herzogs von Langenrode-Hirschburg-Nassenstein und seines eigenen Landesvaters ! Schließlich war es sogar schon häufig vorgekommen , daß eine Fürstin einem Bürgerlichen die Hand zum Ehebund gereicht hatte ... War Theodor Debberitz an diesem Schlußakkord seiner Phantasien angelangt , so befiel ihn jedesmal ein eigenes Zagen , eine dunkle Angst des Plebejers vor der allzu nahen Berührung und Vermischung mit jenen glorienumstrahlten Göttern höherer Sphären , als die ihm die Regierenden von jeher erschienen waren . Ehrenvoll mußte es ja freilich sein , der Gemahl einer Prinzessin heißen zu dürfen ... Aber , du lieber Gott ! man lebte nicht von der Ehre allein , man wollte auch seine Behaglichkeit haben . Und so eine Prinzessin ... Donnerschock ! – deren Wünsche und Bedürfnisse waren ihm denn doch zu fremd , als daß sie nicht peinvolle Ängste an seinem Geist erregt hätten . Nein , das Behagen – was man so das richtige Herzensglück nennt – worunter Herr Debberitz das Pflegen , Hüten und Umschmeicheln seiner werten Person verstand , das wäre von anderer Seite eher gesichert . Fräulein Hilde hielt sich in mädchenhafter Scheu und zuweilen sogar in trotziger Abwehr vor ihm zurück , er fand es begreiflich genug : sie wollte nicht , daß man ihr nachsage , sie laufe dem reichen Manne nach . Aber wenn bei reiche Mann sich zu ihr hinabneigte und das blutarme , adlige Fräulein zu seiner Gemahlin erheben würde – dagegen würde sie sich doch nicht wehren – nicht wahr ? – Dagegen würde sich doch keine wehren ! Übrigens blutarm ? ... Dem Anschein nach wohl , indessen , ein überlegsamer Mann , wie er war , sah denn doch weiter . Besaß sie nicht eine Tante mit einem , wie er jetzt wußte , sehr beträchtlichen Vermögen , das nur zum kleinsten Teil auf Rauschenrode stand ? Wer konnte Fräulein Trinette von Kosegarten hindern , mit Umgehung ihrer nähern Verwandten ihr Geld jener geliebten Nichte zu vermachen , wenn diese und ihr Gatte das alternde Fräulein mit Liebe und Aufmerksamkeit umgeben und ihr an ihrem häuslichen Herd eine Heimat bieten würden ? Bei diesen Plänen überkam ihn doch nicht peinliche Angst . Sie konnten doch mit Mitteln , wie er sie bereits lange geübt hatte , gefördert werden . Und erteilte Herr Debberitz Tante Trinette bei ihren Spekulationsgelüsten sehr vorsichtigen und überlegsamen Rat , so geschah das nicht zum mindesten in dem Ausblick auf eine Zukunft , da ihm und seinen Kindern diese Gewinne einmal zugute kommen würden . Hilde fühlte sich von einem stillen Einfluß umgeben , der sich bemühte , zugunsten von Debberitz zu wirken . Daß auch die Tante Marie sich vorzustellen vermochte , sie passe als Gattin zu Theodor Debberitz , kränkte sie unsäglich . War es nicht der Beweis , wie wenig Frau Marie , der sie in all ihren intimsten Sorgen und Nöten zur Seite gestanden hatte , es der Mühe wert gefunden , nun