mache , klang sehr wahrscheinlich , er zweifelte nicht daran . Diese Reise und seine Ankunft gaben hinreichenden Stoff zu dem kurzen Gespräch , mit dem man der äußeren Form Rechnung trug , dann bat Frau von Maiendorf den Major , die neuen Wagenpferde zu besichtigen , die sie kürzlich gekauft hatte , sie wünschte ein sachverständiges Urteil darüber . Er ging mit vollem Eifer darauf ein und bemerkte es kaum , daß sein Freund zurückblieb . Der gute Arnold hatte viel zu sehr seine eigenen Angelegenheiten im Kopfe , um ein scharfer Beobachter zu sein . Edith und Raimar waren allein . Er hatte die anderen beiden bis zur Thür begleitet und kehrte nun zurück , aber ohne seinen Platz wieder einzunehmen . Er blieb stehen , der jungen Dame gegenüber , deren Augen wie mit einer finsteren Frage auf seinen Zügen ruhten . Sie sah es freilich , daß er ein anderer geworden war in den letzten Monaten . Was sich bei der Ankunft Hartmuts nur erst andeutungsweise verriet , das prägte sich heute scharf und unverkennbar aus – das Freiwerden einer lang gefesselten Natur . Jetzt waren die Fesseln abgeworfen , Ernst wußte es freilich , daß er auch hier in einen Kampf ging , und hatte sich gewaffnet . Er war nicht im Zweifel über das , was zur Sprache kommen sollte bei dieser seltsamen Einladung . » Sie haben befohlen , gnädiges Fräulein , « begann er . » Ich erhielt Ihren Brief und beeilte mich , Ihrem Wunsche nachzukommen . « » Ich möchte eine Frage an Sie richten , « sagte Edith , die jede Einleitung für überflüssig zu halten schien . » Vielleicht können Sie mir die Antwort geben , vielleicht auch nicht . In jedem Falle bitte ich um ein offenes Ja oder Nein . « Er verneigte sich schweigend . » Sie kennen vermutlich die Flugschrift , die vor etwa acht Tagen erschienen ist und jetzt das Tagesgespräch bildet – › Hexengold ‹ ? « » Ja , gnädiges Fräulein . « » Und Sie kennen auch den Verfasser ? « » Ja ! « Edith fuhr auf , ein so unumwundenes Zugeständnis hatte sie doch nicht erwartet . » Nun , ich kenne ihn auch ! In der Stunde , wo ich die Schrift las , erriet ich auch den Verfasser – er heißt Ernst Raimar ! « » Ganz recht , « erwiderte Raimar kalt . » Ich bekenne mich dazu ; aber nun gestatten auch Sie mir eine Frage . Meine Schrift richtet sich gegen Herrn Ronald , gegen ihn allein , und Sie stellen mich zur Rede darüber ? « Edith zögerte , nur eine Sekunde lang , es war , als raube ihr etwas den Atem , dann aber kam die Antwort klar und fest von ihren Lippen : » Ich bin die Braut Felix Ronalds . « Ernst gab kein Zeichen von Ueberraschung , er hatte ja das auch längst erraten , in der Stunde erraten , wo Ronald hier in Gernsbach erschien ; nur etwas bleicher wurde er , als er die Bestätigung hörte . » Dann bin ich also auch in Ihren Augen gerichtet , « sagte er mit völlig beherrschter Stimme . » Ich sprach es Ihnen ja bereits aus , gnädiges Fräulein , wir sind nun einmal vom Schicksal dazu bestimmt , uns feindlich zu begegnen , und ich hätte es mit dieser Ueberzeugung sicher nicht gewagt , Ihnen wieder zu nahen . Sie waren es , die mich herrief . « » Ich wollte Gewißheit , « erklärte Edith , die sich jetzt auch erhob . » Für mich gab es freilich kaum noch einen Zweifel . Sie haben Wort gehalten , Herr Raimar . Sie wußten den Mann zu treffen , als dessen Feind Sie sich vor mir bekannten , und Sie führen Ihre Waffen meisterhaft . « » Im Kampfe braucht man eben die Waffen , « versetzte Ernst , ohne den verächtlichen Ton merken zu wollen , den sie auf jenes Wort legte . » Und Herr Ronald wird den Kampf wohl aufnehmen . « » Gegen wen ? « rief Edith mit flammenden Augen . » Gegen einen namenlosen Feind , der sich feig im Dunkel birgt und von dort aus seine Angriffe , seine Beschimpfungen auf einen Mann schleudert , der allen sichtbar dasteht ? So kämpft kein ehrlicher Gegner ! Ronald hat recht , der Angriff ist durch sich selbst gerichtet ! « Sie schienen die Rollen getauscht zu haben , heut war sie es , die sich von ihrer Erregung fortreißen ließ , während er ihr völlig unbewegt gegenüber stand , selbst die Beleidigung glitt ab an dieser eisigen Ruhe . » Sie sind im Irrtum , gnädiges Fräulein , « antwortete er , » Ich habe mich bereits genannt ! Ich hatte schwerwiegende Gründe , die Schrift ohne meinen Namen hinauszusenden ; anonym zu bleiben , war nie meine Absicht . Ich wollte nur die öffentliche Antwort abwarten . Diese ist gestern erfolgt , und die heutigen Abendzeitungen in Berlin bringen bereits meine Erklärung , in der ich mich zu der Autorschaft bekenne . Herr Ronald hat ja seine eigenen Quellen und erfährt das jedenfalls früher als das Publikum . Er weiß vermutlich schon in dieser Stunde , wer sein Gegner ist . « Der Angriff war abgeschlagen , Edith stand wortlos da , aber sie atmete tief und erleichtert auf , als er sich von jenem Vorwurf der Feigheit reinigte , als sei ihr damit eine Last von der Brust genommen . » Das konnte ich in der That nicht ahnen , « entgegnete sie endlich . » Dann allerdings war diese Unterredung überflüssig – ich bedaure , Sie bemüht zu haben . « Raimar neigte nur leicht das Haupt . » Vielleicht lassen Sie mir nun persönlich Gerechtigkeit widerfahren , mehr darf ich ja nicht fordern – leben Sie wohl ! « Er ging , wollte wenigstens gehen ,