die Abtei selbst , die einem königlichen Schlosse keine Schande gemacht hätte . Es gab überhaupt nur wenige Schlösser im Lande , die sich mit ihr messen konnten , und es lag auch etwas von beinahe königlichem Bewußtsein in der Haltung des Prälaten . Der ehemalige Graf Rhaneck hatte wahrlich keine Erniedrigung gewählt , als er sein Leben der Kirche weihte ; selbst die Ehren und Güter seines Bruders , des jetzigen Majoratsherrn , reichten nicht an die Machtvollkommenheit und an das souveraine Bewußtsein des Abtes , der sich als unumschränkter Herr und Herrscher fühlte auf dem Boden , wo er stand . Nicht Jeder ist empfänglich für Eindrücke , wie sie der Prälat in diesem Moment augenscheinlich empfand . Zum mindesten schien es Benedict nicht zu sein , obgleich man gerade ihm die Macht und den Glanz einer solchen Stellung von jeher als Zielpunkt seiner Laufbahn gezeigt hatte . War vielleicht die Zeit schon vorüber , wo Ehrgeiz und Schwärmerei ihm dies Ziel begehrenswerth erscheinen ließen – er blickte so kalt und unbewegt auf die stolze Umgebung und auf seinen Abt , wie am heutigen Morgen auf die Menge , die knieend vor ihm niedersank , um seinen Segen zu erbitten . Der Prälat schien heute sehr gnädig ; er winkte den jungen , in ehrfurchtsvoller Haltung vor ihm stehenden Mönch an seine Seite und setzte langsam den Weg mit ihm fort . „ Sie haben eine Unterredung mit mir gewünscht , Pater Benedict . Betrifft es irgend ein Anliegen ? Ich bin bereit , Sie zu hören ! “ „ Ich habe eine Bitte an Sie , Hochwürdigster ! “ Der Prälat sah mit einer leichten Befremdung auf ; es war das erste Mal , daß eine Bitte aus diesem Munde kam , der sich stets nur zu den nothwendigsten Antworten öffnete und sonst immer in stummem Gehorchen schwieg . „ Nun , so reden Sie ! “ „ Der Herr Pfarrer Clemens war vor einigen Wochen hier , um eine zeitweilige Unterstützung in seiner Seelsorge zu erbitten , die er bei zunehmendem Alter und Kränklichkeit nicht mehr allein verwalten kann . Noch ist nichts darüber bestimmt , wer die bereits bewilligte Aushülfe zu leisten hat – “ „ Nein ! Ich habe mir die Entscheidung noch vorbehalten . “ „ So bitte ich , mir dies Amt zu übertragen . “ Der Prälat blieb plötzlich stehen : „ Ihnen ? Weshalb ? Aus welchem Grunde ? “ Benedict sah zu Boden ; er konnte es nicht hindern , daß ihm unter den forschenden Blicken die helle Flamme in ’ s Antlitz schlug . „ Ich – ich sehne mich nach Thätigkeit . Das Leben im Stifte bietet mir wenig Gelegenheit dazu , da ich als der Jüngste meist von den priesterlichen Verrichtungen ausgeschlossen werde , und die Klosterregel läßt mir so viel Zeit übrig – “ „ Die Sie doch gerade am besten auszufüllen wissen ! “ unterbrach ihn der Prälat . „ Das Studium beschäftigt Sie ja Tag und Nacht . Haben Sie auf einmal den Geschmack daran verloren ? “ Benedict gab keine Antwort , aber die Flamme loderte noch immer auf seiner Stirn . Er konnte und durfte ja den Grund nicht sagen , der ihn das Stift und seine Umgebung fliehen hieß ; er fühlte nur , daß er fort mußte , fort um jeden Preis . „ Es ist die elendeste von all ’ unseren Stiftspfarren , “ fuhr der Prälat fort . „ Sie sind dort hoch oben im Gebirge , abgeschnitten von Welt und Menschheit , nur auf den Verkehr mit einem armseligen Dorfe angewiesen , und müssen auf jeden Umgang , auf jede Bequemlichkeit verzichten , an die Sie hier im Stifte gewöhnt sind , Pfarrer Clemens ist gering dotirt , er wird Ihnen kaum das Nothwendigste gewähren können . “ „ Ich bin jung und nicht verweichlicht , auch handelt es sich vorläufig nur um die Aushülfe während einiger Monate , zumal beim Eintritt der rauheren Jahreszeit , “ sagte der junge Priester leise . „ Seltsam ! “ Der Blick des Prälaten forschte noch immer in seinen Zügen . „ Ich beabsichtigte das Amt vorkommenden Falles als eine Art von Strafe zu dictiren , und dachte wahrlich nicht , daß einer meiner Geistlichen sich dazu drängen würde . Ich werde die Sache in Ueberlegung ziehen ! “ Benedict verneigte sich stumm ; da er kein Zeichen der Entlassung erhielt , so blieb er an der Seite des Prälaten und schweigend setzten Beide ihren Weg einige Minuten lang fort . Doch der junge Mönch schien noch etwas auf dem Herzen zu haben , er kämpfte augenscheinlich mit sich selber , endlich begann er doch . „ Hochwürdigster ! “ „ Wünschen Sie noch etwas ? “ „ Die Frau des Ignaz Lank war heute Morgen bei mir . Ihr Mann ist auf den Tod erkrankt und sehnt sich nach Spendung der heiligen Sacramente , das arme Weib bat und flehte in Todesangst , nur diesmal eine Ausnahme zu machen . “ „ Sie haben sie doch mit vollster Strenge zurückgewiesen ? “ fragte der Prälat kalt . „ Sie wissen , der Mann ist ein Abtrünniger , er hat sich als einer der Ersten der Bewegung angeschlossen , die gegen uns gerichtet ist . “ „ Ignaz Lank ist der bravste Bauer weithin in der Runde , “ es bebte eine unterdrückte Bewegung in dem Ton des Sprechenden , „ er hat dem Stift stets Ehrfurcht bewiesen und noch kürzlich dem Pater Eusebius das Leben gerettet , als dieser in Gefahr des Ertrinkens kam . “ „ Hat er sich bekehrt ? “ „ Nein ! “ „ So versagen Sie ihm die Sacramente , und wenn er sterben sollte , verweigern Sie ihm auch den Segen und das Geleit zum Grabe . “ „ Hochwürdigster ! “ „ Pater Benedict , Sie gehorchen und schweigen ! “ Benedict schwieg in der That , aber seine Hand ballte