den leuchtenden Garten des Paradieses , bald in das weite , krystallen schimmernde Meer mit seinen unterseeischen Nixenschlössern . Leiser und leiser ward ihr Schluchzen und endlich spielte ein Lächeln um ihre Lippen , als sie die Geschichte der Dryade „ Fliedermütterchen “ fand.6 „ Nun weiß ich doch , was eine Dryade ist , “ — sagte sie . „ Das freut mich — das freut mich sehr ! “ „ Was denn , was freut Dich so ? “ „ Daß eine Dryade nichts Schlechtes ist ; denn — weißt Du ? — er hat mich so genannt , ich dachte , es sei ein Spottname und das tat mir weh — nun ist es aber keiner ! “ „ Er ? Wer denn ? “ „ Ich weiß nicht , wie er heißt , — Dein Bruder , der mir das Buch gab ! “ „ Johannes “ — lachte Angelika . „ Kannst Du ihn leiden ? “ „ Ja , o ja — er ist so schön und gut — gerade wie der Prinz in der kleinen Seejungfrau . “ Bei diesen Worten verklärte sich das blasse Gesicht und die dunkeln Augen des Kindes bekamen wieder Glanz . „ Ich würde auch lieber in Schaum vergehen , als ihm was zu Leide tun , wenn ich die Seejungfrau wäre . “ „ Das ist schön , das ist prächtig , “ jubelte Angelika , „ da haben wir ihn beide gern ! Er ist ein so lieber Bruder . Schade , daß er fort ging , er müßte sonst zu Dir kommen und mit Dir spielen . Ach , er kann so schön spielen ! “ „ Ging er fort ? “ fragte Ernestine traurig . „ Ja , er ist nach Paris gereist , um mir eine Wachspuppe zu holen . — Denke Dir , — eine , die schreien und Papa und Mama sagen kann ! “ — „ Ach solche Puppen gibt es ja nicht ! “ sagte Ernestine mit trübem Blick . „ Freilich gibt es solche und wenn ich sie habe , dann will ich Dir sie zeigen . Denke doch nur an die Puppe in Ole Luköje , die konnte auch reden und machte sogar Hochzeit . “ 7 „ Das ist aber keine wahre Geschichte , “ bemerkte Ernestine altklug und griff sich an den Kopf , der sie heftiger zu schmerzen begann . „ Ach höre , — Hochzeit machen , ist etwas Reizen ­ des , “ fuhr Angelika fort : „ Ich bin einmal bei einer wirklichen Hochzeit gewesen , da ging es fast noch schöner her als im Mährchen — was meinst Du , wie gut es solch eine Braut hat ? Denke Dir nur , die darf in der Mitte des Tisches sitzen und vor ihr steht ein großer Baumkuchen mit einem Häuschen oben drauf , in dem ein Männchen steht — ein ganz kleines Männchen mit einem Köcher und Pfeilen , aber sonst hat es weiter nichts an . Von dem Kuchen bekommt sie das beste Stück und das Figürchen stellt man ihr auf den Teller und sie darf von Allem zuerst nehmen . Ich ärgerte mich recht über meine Cousine , daß sie von den schönen Sachen so wenig aß . Und denke Dir nur , zuletzt kamen Tauben von Eis , die lagen in einem Zuckerneste und hatten Marzipan-Eier unter den Flügeln . Sie sahen so natürlich aus , daß mir ’ s ordentlich leid tat , als meine Cousine einer davon den Kopf abschnitt . Ich hätte fast geweint und wollte nichts davon essen , als es aber an mich kam , da sah man schon nicht mehr , daß es Tauben waren und man konnte es auch nicht mehr schneiden , nur mit dem Löffel herausschöpfen , denn es war zerflossen und da schmeckte mir ’ s recht gut . Und Schaumwein gab ’ s auch in Menge und alle Herren hielten lange Reden an die Braut hin , wobei man ganz stille sitzen mußte und nicht mit den Löffeln klappern durfte , — wenn sie aber fertig waren , dann konnte man schreien , so viel man wollte , und die Gläser aneinander stoßen und je ärger man klirrte und schrie , desto besser war es und Alles küßte sich um den Tisch herum , aber meine Cousine war so dumm und weinte ! Ich würde nicht weinen , wenn es mir so gut ginge . Und weißt Du was ? Wenn mein Bruder zurückkommt , muß er Dir auch eine Puppe mitbringen , einen Jungen mit Mütze und Weste , den lassen wir meine Schreipuppe heiraten . In sechs Monaten kommt er , und bis dahin muß es lange sein , denn Mama weinte beim Abschiede . Bis dahin sind wir vielleicht groß und können unsern Puppen die Kleider selbst nähen . Das wäre hübsch ! “ „ In sechs Monaten sind wir aber noch nicht erwachsen , “ belehrte sie Ernestine , „ Da muß es erst Winter werden und wieder Sommer und noch einmal Winter und noch einmal Sommer — dann erst sind wir groß ! “ „ Das ist ja schrecklich lange , “ rief Angelika , „ das kann man kaum erwarten . “ „ Und wenn wir einmal erwachsen sind , spielen wir nicht mehr mit den Puppen , — dann kaufe ich mir ein Fernrohr , wie Onkel Leuthold eines hat , und schaue immerfort in den Mond , das ist mir lieber als Alles ! “ „ In den Mond ? Hast Du schon einmal hineingesehen ? “ fragte Angelika verwundert . „ Ja , das hab ich ! “ „ Wie sieht es denn darin aus ? “ „ Ach schön — wunderschön . Es leuchtet und glänzt so silbern und ist so still und ruhig und Berge und Täler sind dort wie bei uns , aber sie sind nicht farbig wie die unsern , sie sind wie