Zimmer strahlte im hellsten Glanze der Kronleuchter und Lampen , und draußen rollte , trotz Sturm und Regen , ein Wagen nach dem andern vor . Die Säle füllten sich . Mit verbindlichstem Lächeln ging Frau v. Bendeleben den Gästen entgegen und versicherte , wie sie es doppelt hoch aufnehme , daß man bei diesem Unwetter das sichere Heim verlassen habe , um ihr ein paar Stunden zu schenken . » Es war aber wirklich eine tolle Fahrt , die wir gemacht haben , meine Gnädige « , sagte ein kleiner , dicker Herr im dunkelblauen Frack mit Goldknöpfen . » Ich versichere Sie , die Pferde konnten kaum weiter , als wir die Hälfte des Weges hatten . Ich beruhigte aber meine Frau und schrie dem Kutscher zu : › Hau drauf ! Hin müssen wir , bis morgen früh wird sich der Sturm gelegt haben ! ‹ Bei Wieblitz mußten wir aber erst eine Zeit halten und Leute holen , weil uns eine umgestürzte Pappel den Weg versperrte . « » Um so glücklicher bin ich , Sie unversehrt hier zu sehen , Herr v. Nordheim « , entgegnete Frau v. Bendeleben und winkte dem Diener mit dem Präsentierteller voll heißer Getränke . Sie sagte den jungen Damen Komplimente über ihr frisches Aussehen und stellte Bergen als Schwiegersohn vor . Die G ... er Offiziere , der Oberst v. Rosenberg und seine Frau sowie der dicke Hauptmann und der morose Oberleutnant unter ihnen , waren ebenfalls eingetroffen , und Eberhardt stellte mir die Herren vor . Ich fing an , mich wieder behaglicher zu fühlen . In dieser Fülle von Licht und dem heiteren , bunten Treiben wichen die trüben Gedanken . Ich konnte scherzen und lachen und hatte sogar ein freundliches Wort für Pastor Renner , der nun auch zu mir trat , um mich zu begrüßen . Ich unterstützte nach Möglichkeit die Frau v. Bendeleben bei den anstrengenden Pflichten der Wirtin . Sie hatte mich darum gebeten , da Hanna nach ihrer Meinung doch nicht dazu zu gebrauchen sei . Und sie hatte recht . Hanna ließ keinen Augenblick Bergens Arm los , und mir blieb die Aufgabe , die jungen Damen ins Nebenzimmer zu führen , zu erzählen , daß getanzt würde , und die Artigkeiten der jüngeren und älteren Herren anzuhören . Beim Souper hatte ich glücklicherweise meinen Platz neben Eberhard , allerdings saß auf der andern Seite Pastor Renner , der gar seltsam gegen die ausgelassene lustige Jugend abstach . Um den ernsten , feinen Mund zuckte selbst bei dem gelungensten Scherz kein Lächeln , er sprach wenig und schien sich nicht gerade wohl zu befinden an seinem Platze , den er Frau v. Bendeleben verdankte . Man saß lange bei Tische , die Stimmung wurde immer angeregter , und zuletzt flogen Neckereien und Wortspiele wie Raketen durch die Luft . Es wurden Toaste ausgebracht und Gesundheiten getrunken . Ein alter Edelmann der Nachbarschaft , der die Jugend und den Scherz liebte , klopfte an sein Glas und sprach , als alles schwieg : » Wo sprühende Augen und rosige Wangen , Wo Jugendkraft , Mut und feurig Verlangen , Wo in den Kehlen glüht purpurner Wein , Dort an der Seite der schönsten Frauen Laßt uns der Freude Tempel erbauen . Vive la joie ! stimmt alle mit ein : Vive la joie ! und nimmer soll schweigen In diesem Hause der Freude Reigen ! « » Hoch ! Es lebe die Freude ! « klang es von allen Lippen , und die Freude legte ihre berauschende Fessel um Alter und Jugend , sie legte sich als glückliche Erinnerung auf die Stirne der Alten und glänzte aus den Augen der Jungen , flüsterte ihre wunderbaren Rätsel in das Ohr der hübschen Mädchen und der stattlichen Männer , sie perlte im Champagner und strich mit leiser Hand alle trüben Gedanken aus dem Herzen . Vive la joie ! – › Und nun zum Tanze ! Wer tanzte nicht gern mit achtzehn Jahren ? Die ernsten Augen des Geistlichen sahen mich an , als ich so lebhaft meine Freude äußerte . Was kümmerte es mich , ich sollte ja mit ihm tanzen ! Wir wollten in den Saal gehen . Die alte Gotthardten , die , ihre Tänze spielend , von Ort zu Ort zog , stimmte bereits ihre Harfe , und der lahme Werner , ihr steter Begleiter , strich den Bogen mit Kolophonium – da fiel mir ein , ich hatte meinen Fächer oben im Turmstübchen liegen lassen , den ich für unentbehrlich hielt . So nahm ich ein leichtes Tuch um , lief hinauf , fand ihn glücklich im Dunkeln und kam , ein Liedchen vor mich hinsummend , die hellerleuchtete Treppe wieder hinabgesprungen . Mir glühten die Wangen vor Aufregung und Lust . Rasch wollte ich durch die Halle eilen , schon klangen die ersten Töne der Musik mir entgegen – oh , wie schön ist doch das Leben ! – da war es mir , als hörte ich einen Wagen auf dem Steinpflaster vor das Portal rollen und anhalten . Erstaunt blieb ich stehen – wer konnte noch in so später Stunde kommen ? Ich glaubte , ich hätte mich getäuscht . Von den Dienern sah ich keinen , sie waren alle in den Zimmern beschäftigt . Eben wollte ich weiterschreiten , da flog die schwere eichene Tür auf , ein Windstoß fuhr herein , daß die Hängelampen des Hausflurs an ihren Ketten schwankten – eine schwarze Frauengestalt trat in die Halle . Der Wind hob den Schleier von ihrem Gesicht , ein Paar großer , dunkler Augen schauten mich an . Ein namenloser Schreck durchfuhr mich , und mit dem Aufschrei » Ruth ! « blieb ich regungslos stehen und starrte sie an . Ich glaubte bestimmt , ich sähe eine Erscheinung , und war keines klaren Gedankens fähig , da fiel die Tür dröhnend hinter ihr ins Schloß . Sie schritt wankend auf mich zu , ihre