Komm , Aenne , wir nehmen den Umweg an der Waldstraße entlang , “ bat er . Sie fügte sich , stumm gingen sie nebeneinander , er auf der Fahrstraße , sie auf dem schmalen Trottoir . Als die letzten Häuser hinter ihnen lagen und der Waldpfad begann , der auf dieser Seite längs des Städtchens bis zum Schloß hinauflief , machte er eine unbeholfene Bewegung , als wollte er ihren Arm in den seinen ziehen , aber sie wich mit gesenkten Augen zur Seite . „ Aenne “ , sagte er endlich , und trotz der großen Stille , die sie umgab , klang es undeutlich , wie von tiefer Erregung gedämpft , „ Aenne , freust du dich nicht auch ein wenig ? – – Hast noch immer Angst vor mir ? Bin ich dir noch immer so fremd ? – Ja sieh , unser Brautstand , der – der war nicht , wie er sein sollte ; ich hatt ’ so wenig Zeit und hab ’ auch immer gedacht , ich wollt ’ dich nicht quälen , nicht erschrecken oder – hab ’ ich ’ s gethan , Aenne ? “ „ Nein ! “ murmelte sie , „ aber – – “ „ Aber ? “ Es klang wie ein Schrecken aus dieser Wiederholung der Frage . „ Ich hab ’ dir etwas zu sagen “ – stieß sie hervor und blieb stehen . Es war just unter einer riesigen Eiche , die ihre knorrigen beschneiten Aeste in die Luft streckte wie drohend erhobene Hände , wie verzweifelte Menschenarme . „ Noch etwas zu sagen ? Jetzt noch ? “ fragte er langsam . Durch ihre junge schlanke Gestalt ging ein Wanken . Er streckte den Arm aus und zog sie an sich , daß sie fest an seiner Brust lehnte . „ Nun sprich , “ sagte er . „ Nicht so ! Nicht so ! “ stammelte sie und ein heftiges Schluchzen machte die Worte fast unverständlich . – „ Lasse mich , lass ’ mich ! Ich kann nicht mehr lügen , ich kann nicht ! “ „ Lügen – du – Aenne ? “ Sie hatte sich frei gemacht und stand vor ihm , das Haupt gesenkt , die Hände fest ineinander gefaltet . „ Verzeih ’ mir , “ sagte sie hart , „ ich dachte , es würde gehen , aber es geht nicht , ich fühle es , ich fühlte es schon lange , aber – ich – – “ „ Was geht nicht ? Daß du mich heiratest , daß du – “ [ 107 ] Sie nickte hastig ein paarmal mit dem blassen verzerrten Gesicht . „ Ja ! “ „ Aenne , und du fühltest das schon lange ? “ Er war zurückgetreten , unwillkürlich hatte er den Hut vom Kopfe gerissen und fuhr sich mit der Hand über die Stirn . „ Schon immer , ja , “ sprach sie weiter , „ ja , gleich von vornherein . – Aber ich wollte doch – weil – das ist ja gleich . Nun will ich nicht mehr , und wenn du darauf bestehst , dann – ja – aber was danach kommt , das trage du auch ! Du kannst ’ s durchsetzen , ja , aber thu ’ s nicht – thu ’ s nicht – ich bitte dich , es wird schrecklich , es – – “ Sie sank plötzlich in die Knie ; mit ihrer Kraft war es vorbei . Er bückte sich und hob sie empor . „ Warum drohst du mir ? “ fragte er leise , „ was denkst du von mir ? Hast du vergessen , was ich dir einst sagte ? “ Nicht weit von der Eiche , auf einem schmalen Weg , der in den Wald führte , stand eine Bank , er trug sie dorthin , sie war ihrer zitternden Glieder kaum Herr . Und wie schon einmal hob er sie auf seinen Schoß und hielt ihren Kopf an seiner Brust . „ Nun sage mir alles “ , bat er , „ du kannst mir vertrauen . Ich habe dich ja groß werden sehen und bin dir ja sonst nicht fremd . “ „ Sei nicht so gut zu mir ! “ schrie sie auf , „ ich kann es doch nicht , was du willst – gieb mich frei – lass ’ mich – ! “ „ Du bist frei , Aenne , “ sagte er und ließ den Arm sinken , „ und wenn du mir dein Vertrauen nicht schenken kannst , dann will ich ohne Fragen mein Geschick hinnehmen . Komm , steh auf ! “ Aber sie vermochte nicht , sich zu erheben , unter den schmerzdurchzitterten Worten des Mannes war sie in ein wildes Schluchzen ausgebrochen . „ Verzeih ! Verzeih ! Verzeih ! “ wiederholte sie in diesem Paroxysmus von Verzweiflung und Reue – „ frage mich nicht , ich bin so schlecht , so schlecht ! “ „ Nein , Aenne , du bist nicht schlecht , du liebst mich nur nicht ! Hast es vielleicht geglaubt , mich zu lieben – damals , als du , Ja ! ’ sagtest auf meine Bitte , und hast dich geirrt . Du bist noch so jung , und ich muß mir Vorwürfe machen , daß ich die Hand nach dir ausstreckte . Weine nicht , armes Kind , du bist nicht schlecht ! “ Sie hörte auf zu schluchzen . Ihr Kopf lag an seiner Schulter und er streichelte ihr Haar und etwas wie süße wohlige Erschlaffung überkam sie nach all dem Jammer . Ein grenzenloses Vertrauen zu diesem guten selbstlosen Menschen mit dem edlen schlichten Wesen , den sie so unerhört gekränkt hatte , schmolz ihren Trotz , schmolz ihre Kälte , ihre Verschlossenheit , sie fühlte den Drang , ihm alles zu gestehen , ihr ganzes Herz zu entlasten . „ Ich will es dir sagen