meine Gnädige ? “ lachte der Oberst auf . „ Allerdings nicht übel ausgedacht ! Finanztalent läßt sich Ihnen wohl kaum absprechen – daß Sie Unglück hatten mit Ihren Speculationen – wer kann dafür ? “ „ Sie sind noch ebenso unverbesserlich malitiös , wie früher , Herr Oberst , wo ich das Glück hatte , Sie einige Male hier zu sehen , in diesem Falle aber treffen Ihre Anschuldigungen nicht , denn es war wirklich Unglück , das uns verfolgte . “ „ Unverschuldetes Unglück ! “ betonte ironisch der Oberst . „ Onkel , bitte , brechen wir ab ! Es regt Mama auf , “ bat Army . „ Und , mein Junge , “ fuhr Jener unbeirrt und nachdrucksvoll fort , „ eben um noch einmal unverschuldetes Unglück zu verhüten , deshalb hauptsächlich wünscht die Gräfin Stontheim , daß Du nicht hier – wohl verstanden : gerade nicht hier – die ersten Jahre Deiner Ehe verlebst . Pardon , daß ich so deutlich werden mußte ! Ich hätte es gern vermieden – “ „ Ich verstehe , “ sagte die alte Dame kalt , „ Gräfin Stontheim hat noch immer die unglückliche Idee , daß ich an dem Ruine der ganzen Familie schuld sei ; sie hat mir diesen Vorwurf ja damals schon derb und unumwunden in ’ s Gesicht geschleudert , als Kummer und Noth über uns hereinbrachen ; Jemand muß ja auch schuld sein , “ fuhr sie bitter auflachend fort , „ und da man mich von Anfang an als Eindringling behandelte und die Fremde , die Italienerin , nie leiden konnte , so war es ja so leicht , ihr auch diese Schuld zuzuwälzen . Va bene ! Sie sagen mir nichts Neues , Herr Oberst . – Ich bedaure nur , daß Jemand so – so – “ sie brach ab , offenbar hatte sie eine sehr harte Aeußerung auf der Zunge . Der Oberst antwortete nicht . „ Onkel , “ fragte Army hastig , „ was soll dies bedeuten ? Tante kann doch unmöglich behaupten , daß Großmama – “ „ Schweig ! “ rief die alte Dame , und zugleich hörte man das Rollen eines Sessels aus dem Parquet . Lieschen und Nelly aber saßen athemlos neben einander und hielten sich an den Händen . Als jene den Namen ihres Vaters aussprechen hörte , da war sie aufgesprungen und hatte sich wie hülflos in dem Raume umgesehen , aber es war kein anderer Ausweg vorhanden , als der durch dasselbe Zimmer , in dem man eben so gehässig ihren guten Namen beschmutzte . Die schlanke Gestalt des jungen Mädchens preßte sich wie in jäher Angst gegen eine verschlossene hohe Flügelthür , hinter welcher eine Flucht leerer Gemächer war . „ Wo soll ich hin ? “ flüsterte sie angstvoll der Freundin zu . „ Bleib hier , Lieschen ! “ bat Nelly und zog sie zu sich , „ sie können es nicht wissen , daß wir Alles so deutlich hören ; ach , weine doch nicht ! “ flehte sie . „ O , wenn ich nur gesund wäre und ein Junge , wie der Army , ich wollte ihnen schon Bescheid sagen , wenn sie auf Euch schelten ! “ Sie ballte ingrimmig die kleinen Hände . Drinnen hörte man die alte Dame auf- und abschreiten , und jedesmal , wenn sich ihre Schritte der Thür näherten , fuhr Lieschen auf und blickte mit ängstlichen Augen in dem Zimmer umher , als suche sie einen Versteck , um sich vor ihr zu verbergen . Auf einmal tönte Blanka ’ s Stimme herüber ; so schmeichelnd , fo süß wie Musik klangen die weichen Töne jetzt . „ Großmamachen , “ bat sie , „ ich habe eine Bitte an Dich ; ich hatte den Army damit beauftragt , aber er scheint es vergessen zu haben , der Böse . Ja wohl , mach ’ nur nicht ein so verwundertes Gesicht , Du ! “ fuhr sie schalkhaft fort , „ nicht wahr , Großmama , das ist Dir nicht passirt von Deinem Bräutigam , der hat Dir gewiß immer die Wünsche von Deinen schönen Augen abgelesen . “ Die letzten Worte klangen deutlicher herüber , als der Anfang der Bitten offenbar stand die schöne Braut jetzt dicht neben der alten Dame an der Thür . „ Jetzt schlingt sie die Arme um Großmamas Hals , wie so ein Kätzchen , “ flüsterte Nelly , „ o , wie kann sie bitten und schmeicheln , Lieschen , Du glaubst es nicht . “ „ Nun ? “ ertönte die Stimme der alten Dame . „ Ich hatte Army beanftragt , Großmama zu bitten , daß sie mir erlaubt in dem Thurmstübchen zu wohnen , welches an mein Zimmer stößt ; o bitte , bitte , Großmamachen , amatissima mia ! “ „ Es war sehr vernünftig von Army , daß er mich nicht bat , [ 743 ] ich hatte es ihm schon einmal abgeschlagen und kann auch Dir leider den Wunsch nicht gewähren . “ „ Warum nicht ? “ fragte Blanka veränderten Tones . „ Du erlaubst wohl , daß ich die Gründe für mich behalte . “ „ Quäle nicht , Blanka , hörst Du ? “ klang die Stimme des Obersten , „ alte Schlösser haben ihre Geheimnisse , und darunter manche , die man gern ruhen läßt . “ In diesem Moment wurde die Thür aufgerissen , und die alte Tante stand plötzlich im Zimmer , den beiden Mädchen gegenüber . Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Lumpenmüllers Lieschen aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 46 , S. 753 – 756 Fortsetzungsroman – Teil 7 [ 753 ] Lieschen war aufgesprungen , versuchte aber nicht mehr zu fliehen , sondern blieb regungslos stehen . Das Abendroth verglühte eben am Himmel , seinen purpurnen Schein durch das