in runder Zahl von 1815 bis 1840 , war er nun als Baumeister im großen Stile tätig , und in eben diesem Zeitraume gelang es ihm , » Berlin – wie seine Verehrer sagen – in eine Stadt der Schönheit umzugestalten « , jedenfalls aber unserer Residenz im wesentlichen den Stempel aufzudrücken , den sie bis diese Stunde trägt . Denn auch das , was nach ihm gebaut worden ist , ist zu gutem Teile Geist von seinem Geist . Wenige Städte ( wenn überhaupt ) zeigen etwas Gleiches . In Hamburg , München , Petersburg liegen die Dinge doch anders , und selbst die London-City , die in gewissem Sinne als eine Schöpfung Christopher Wrens betrachtet werden darf , bietet nur ähnliches . Es verlohnt sich zu zeigen , worin der Unterschied liegt . Wenn man in London auf der Blackfriarsbrücke steht und neben der Kuppel von St. Paul die zweiundfünfzig Türme überblickt , die , bis an den Tower hin und darüber hinaus , das Häusermeer der City überragen , so darf man sagen , dies in Nebel und Sonne zauberhaft daliegende Stück London ist das Werk Christopher Wrens , – alles war niedergebrannt und auf dem Trümmerschutt des alten London fiel ihm die Aufgabe zu , ein neues London aufzurichten . Aber dennoch , wie schon angedeutet , stellt sich auch hier eine sehr wesentliche Verschiedenheit heraus . Was Wren für die London-City tat , war unendlich mehr und unendlich weniger . Wren hat der City nach außen hin eine bestimmte Physiognomie gegeben , was sich von Schinkel in bezug auf Berlin nicht sagen läßt . Eingetreten in beide Städte jedoch erkennen wir , daß Wren , den die großen Aufgaben des Kirchenbaues beschäftigten , ohne jeden bemerkenswerten Einfluß auf die Straßen und Häuser , auf die Details der Stadt geblieben ist , während dasselbe Berlin , das nach außen hin kaum einen einzigen Schinkelschen Zug verrät , in seinem Innern den Stempel Schinkels trägt . Inwieweit dies der Fall ist , das wird am ehesten erhellen , wenn ich einfach aufzähle , welche Häuser und Paläste , welche Brücken und Plätze wir der fünfundzwanzigjährigen baukünstlerischen Tätigkeit unseres Schinkels verdanken . Es sind : die Königswache , die Domkirche ( Restauration ) , das Kreuzbergmonument , das Monument für den General von Scharnhorst auf dem Invalidenkirchhof , das Schauspielhaus , das Potsdamer Tor und die Wachthäuser rechts und links neben demselben , das alte Museum samt Lustgarten und Springbrunnen , die Schloßbrücke samt ihren Statuen , die Friedrich-Werdersche Kirche , die vier Kirchen einerseits in Wedding und Moabit , andrerseits vor dem Rosentaler Tor und auf dem Gesundbrunnen , die Palais der Prinzen Karl und Albrecht , die neuen Packhofsgebäude , das Graf Redernsche Palais , die Einfahrt in die Neue Wilhelmstraße , die Sternwarte am Enckeplatz , die Bauschule . Bedeutsam wie diese Bauten sind – vorzüglich für den , der die Geschichte derselben verfolgt und die Schwierigkeiten in Anschlag bringt , die sich der Ausführung entgegenstellten – , so geben sie doch zum kleinsten Teile nur eine Vorstellung von der umfassenden und geradezu Staunen erregenden Tätigkeit , die Schinkel zunächst innerhalb der Hauptstadt und ihrer Umgebung 25 und im weiteren im Lande Preußens überhaupt entfaltete . Wenn wir uns annähernd ein richtiges Bild davon entwerfen wollen , welcher Art und welchen Umfanges sein Schaffen war , so müssen wir nicht allein das im Auge haben , was er widerstrebenden Gewalten gegenüber aus Berlin wirklich machte , sondern vor allem auch das , was er daraus machen wollte ; wir müssen in den Kreis seiner schöpferischen Tätigkeit alles das mit hineinziehen , was in hundert ausgeführten Blättern auf dem Papiere lebt , aber an der Ungunst der Zeiten scheiterte . An der Stelle , wo jetzt das Potsdamer Tor steht , sollte sich beispielsweise die große Friedenskathedrale zur Erinnerung an die Freiheitskriege erheben . Die Linden entlang gedachte er in Statuen und Denkmälern eine monumentale Siegesstraße zu ziehen , und an Stelle des alten Domes sollte ein wirklicher Dom hoch in die Luft steigen , glänzend genug , um sich den anderen Prachtbauten jenes Platzes würdig anzureihen . So waren die Pläne , aber nur die Mappen Schinkels geben Auskunft darüber , was damals alles gedacht , entworfen , erstrebt wurde . Das wenigste trat ins Leben . » Er diente einem sparsamen König in einer geldarmen Zeit . « Diese Mappen , die eigentlichste Hinterlassenschaft Schinkels , sind es , die uns ein Bild der Gesamttätigkeit des Meisters erschließen , einer Tätigkeit , die fast alle Gebiete des künstlerischen Lebens umfaßte . Gab es eine neue Spontinische Oper , wer anders als Schinkel konnte die Dekorationen , gab es ein fürstliches Begräbnis , wer anders als Schinkel konnte die Zeichnung zu Monument oder Grabstein entwerfen ? Das ganze Kunsthandwerk – dieser wichtige Zweig modernen Lebens – ging unter seinem Einfluß einer Reform , einem mächtigen Aufschwung entgegen . Die Tischler und Holzschneider schnitzten nach Schinkelschen Mustern , Fayence und Porzellan wurden Schinkelsch geformt , Tücher und Teppiche wurden Schinkelsch gewebt . Das Kleinste und das Größte nahm edlere Formen an : der altväterische Ofen , bis dahin ein Ungeheuer , wurde zu einem Ornament , die Eisengitter hörten auf , eine bloße Anzahl von Stangen und Stäben zu sein , man trank aus Schinkelschen Gläsern und Pokalen , man ließ seine Bilder in Schinkelsche Rahmen fassen und die Grabkreuze der Toten waren Schinkelschen Mustern entlehnt . In dieser Welt Schinkelscher Formen leben wir noch 26 , die wenigsten unter uns wissen es , aber dies Nichtwissen ändert nichts an der Tatsache . Seine Schule blüht und durchdringt unser Leben . Seiner Umfassendheit entsprach seine Rastlosigkeit . Selbst am Teetische , dem Gange der Unterhaltung folgend , zeichnete er mit Feder und Bleistift vor sich hin . Nur Reisen , immer ersehnt und immer willkommen , unterbrachen von Zeit zu Zeit den Gang der Geschäfte , das Gleichmaß des Schaffens . Freilich auch diese Reisen waren