, daß diese Hexe sich an die Landstraße setzen und dir zuliebe sterben und verderben wird ? Oh , Gerdt , Gerdt , es kann nicht guttun . Ich hätt ' s gedurft , vielleicht gedurft , denn wir waren uns fremd und feind von Anfang an . Aber du ! Du durftest es nicht . Ein Unheil gibt ' s ! Und du selber hast es heraufbeschworen . Um guten Namens willen , sagst du ? Geh ; ich kenn dich besser . Aus Geiz und Habsucht und um Besitz und Goldes willen ! Nichts weiter . « Er sprang auf und wollte heftig antworten , denn so stumpf und gefügig er war , so zornmütig war er , wenn an seinem Besitz gerüttelt wurde . Trud aber , uneingeschüchtert , schnitt ihm das Wort ab und sagte : » Sprich nicht , Gerdt ; ich lese dir das schlechte Gewissen von der Stirn herunter . Deine Mutter hat ' s eingebracht , ich weiß es . Aber als die Spansche , Gott sei ' s geklagt , in unser Haus kam , da hatte sich ' s verdoppelt , und aus eins war zwei geworden . Und so du ' s anders sagst , so lügst du . Sie hat ein Erbe . Sieh nicht so täppisch drein . Ich weiß es , und so sie ' s nicht empfängt , so wollen wir sehen , was von deinem und ihrem übrigbleibt . Lehre mich sie kennen . Ich hab ihr in die schwarzen Augen gesehen , öfter als du . Gezähmt , sagst du ? Nie , nie . « Und sie zog ihren Knaben an sich , der , während sie sprach , ins Zimmer getreten war . » Ihr sprecht von der Frau « , sagte das Kind . » Ich weiß . Sie hat mich bei der Hand nehmen wollen . Drüben . Aber ich habe mich vor ihr gefürchtet und von ihr losgerissen . « 19. Kapitel . Grete vor Peter Guntz Neunzehntes Kapitel Grete vor Peter Guntz Grete war allem Anscheine nach ruhig aus dem Hause getreten ; aber in ihrem Herzen jagte sich ' s wie Sturm , und hundert Pläne schossen in ihr auf und schwanden wieder , alle von dem einen Verlangen eingegeben , ihrem Haß und ihrer Rache genugzutun . Und immer war es Gerdt , den sie vor Augen hatte , nicht Trud ; und auf seinen Schultern stand ein rotes Männlein mit einem roten Hut und einer roten vielgezackten Fahne , das wollt er abschütteln ; aber er konnt es nicht . Und sie lachte vor sich hin , ganz laut , und nur in ihrem Innern klang es leise : » Bin ich irr ? « Unter solchen Bildern und Vorstellungen war sie grad über den Rathausplatz hinaus , als sie plötzlich , wie von einem Lichtscheine geblendet , sich wieder umsah und der halben Mondesscheibe gewahr wurde , die still und friedlich , als regiere sie diese Stunde , über dem Giebelfelde des Rathauses stand . Und sie sah hinauf , und ihr war , als lege sich ihr eine Hand beruhigend auf das Herz . » Es soll mir ein Zeichen sein « , sagte sie . » Vor den Rat will ich es bringen ; der soll mich aufrichten ... Nein , nicht aufrichten . Richten soll er . Ich will nicht Trost und Gnade von Menschen mund und Menschenhand , aber mein Recht will ich , mein Recht gegen ihn , der sich und seiner Seelen Seligkeit dem Teufel verschrieben hat . Denn der Geiz ist der Teufel . « Und sie wiederholte sich ' s und grüßte mit ihrer Hand zu der Mondesscheibe hinauf . Dann aber wandte sie sich wieder und ging auf das Tor und die Vorstadt zu . Draußen angekommen , setzte sie sich zu den Gästen und sprach mit ihnen und bat um etwas Milch . Als ihr diese gebracht worden , verabschiedete sie sich rasch und stieg in die Bodenkammer hinauf , darin ihr die Wirtin ein Bett und eine Wiege gestellt hatte . Und todmüde von den Anstrengungen des Tags , warf sie sich nieder und schlief ein . Bis um Mitternacht , wo das Kind unruhig zu werden anfing . Sie hörte sein Wimmern und nahm es auf , und als sie ' s gestillt und wieder eingewiegt , öffnete sie das Fenster , das den Blick auf die Vorstadtsgärten und dahinter auf weite , weite Stoppelfelder hatte . Der Mond war unter , aber die Sterne glitzerten in beinah winterlicher Pracht , und sie sah hinauf in den goldenen Reigen und streckte beide Hände danach aus . » Gott , erbarme dich mein ! « Und sie kniete nieder und küßte das Kind . Und ihren Kopf auf dem Kissen und ihre rechte Hand über die Wiege gelegt , so fand sie die Wirtin , als sie bei Tagesanbruch eintrat , um sie zu wecken . Der Schlaf hatte sie gestärkt , und noch einmal fiel es wie Licht und Hoffnung in ihr umdunkeltes Gemüt , ja , ein frischer Mut kam ihr , an den sie selber nicht mehr geglaubt hatte . Jeder im Rate kannte sie ja , und der alte Peter Guntz war ihres Vaters Freund gewesen . Und Gerdt ? der hatte keinen Anhang und keine Liebe . Das wußte sie von alten und neuen Zeiten her . Und sie nahm einen Imbiß und spielte mit dem Kind und plauderte mit der Wirtin , und auf Augenblicke war es , als vergäße sie , was sie hergeführt . Aber nun schlug es elf von Sankt Stephan . Das war die Stunde , wo die Ratmannen zusammentraten , und sie brach auf und schritt rasch auf das Tor zu und wie gestern die Lange Straße hinauf . Um das Rathaus her war ein Gedränge . Marktfrauen boten feil , und sie sah dem Treiben zu . Ach , wie