« Der Knecht gab keine Antwort . Aber Marimpfel , der noch immer die gefangene Kuh am Stricke hielt , guckte auf , schmunzelte wie bei einem lustigen Einfall , sprang aus dem Sattel und sagte zu seinem Gesellen : » Heb die Kuh und den Gaul ein lützel ! « Er machte flinke Sprünge gegen das Gehölz , und bei jedem Sprunge rasselte sein Eisenzeug . Als Jula ihn kommen sah , umklammerte sie einen dürren Ast , der auf der Erde lag , und wich in das Gehölz zurück . Lustig , mit Lauten , wie man die jungen Gänse lockt , sprang Marimpfel der Hirtin nach . Da klang , weit über den Bruchboden her , der heisere , kaum vernehmliche Schrei einer Männerstimme . Ein grauer Reiter kam aus dem Paßwalde herausgejagt und machte nach aufwärts hin den Umweg um die Sümpfe . Immer schrie er . Doch das Schellengerassel und Gebrüll der Ochsen , das Rauschen der Brandstätte , das Keuchen und die Hufschläge des eignen Gaules verschlangen die heiseren Schreie . Lampert hetzte den vor Müdigkeit stolpernden Pongauer mit Faustschlägen , mit stoßenden Beinen . Und weil ihm der Umweg zu lange währte , suchte er einen kürzeren Weg zur Brandstätte , geriet in eine Zunge des Sumpfes , mußte aus dem Sattel springen , mußte waten und den Moorle zerren . Hinter dem Feuer sah er einen Spießknecht über den Hang hinunterspringen , sah eine Kuh , einen Reiter und einen hopsenden Knecht da drunten im Wald verschwinden - und suchte mit verstörtem Blick und schrie immer wieder : » Jula , Jula , Jula - « Beim Brunnen - so nah dem Feuer , daß die quälende Hitze zu spüren war - lag der Heiner vor dem Trog auf den Knien , schöpfte Wasser mit beiden Händen und goß es über den gebeugten Kopf . Wo das Wasser aus dem Haar des Buben heraussickerte , war es rot . Lampert schrie : » Die Hirtin ? Wo ist die Hirtin ? « » Ich weiß nit ! « sagte der Bub wie einer , der im Rausche taumelt . Und während Lampert die Zügel über den Stock des Brunnens warf und hinübersprang zur Feuerstätte , tauchte Heiner die beiden Hände wieder in den Brunnentrog , aus dem der Pongauer mit gierigen Zügen das rosafarbene Wasser zu schlürfen begann . Immer den Namen der Hirtin schreiend , irrte Lampert um die brennende Hütte - barköpfig , denn er hatte die Mardermütze verloren - die verstaubte , goldgelbe Schärpe hing ihm von der Brust herunter bis über das Knie . Da war ihm plötzlich , als hätte er dort oben in dem Waldstreifen einen gellenden Laut vernommen . » Jula ? « Wie Freude war ' s in seinem heiseren Schrei . Und Lampert sprang über das Gehäng hinauf , hörte eine Stimme , in der sich Zärtlichkeit mit Jammer mischte , und warf sich durch die dicken Stauden , daß die Seide seines festlichen , von Staub und Sumpfkot überkrusteten Kleides in Fetzen ging . Er kam zu dem Viehsteig , sah auf dem Boden ein kurzes , gebogenes Messer liegen und sah die Splitter eines aus Holz geschnitzten Vogels , den ein grober Fuß zertreten hatte . Ein paar Schritte noch . Und nun saß vor ihm die Hirtin auf der Erde , mit niedergerissenem Haar , mit dem Gesicht einer Irrsinnigen . Sie hatte den Jakob über dem Schoß liegen , hielt das aschgraue Gesicht des zwerghaften Krüppels zwischen den Händen , rüttelte immer den leblosen Kopf und bettelte in Jammer : » Tu die Augen auf ! Tu doch die Augen auf ! « Daß einer gekommen war , das sah sie nicht . Sie merkte erst seine Nähe , als er neben ihr kniete und ihre Hand fassen , den Arm um ihre Schulter legen wollte . Sie blickte auf , wie aus grauenvollen Träumen erwachend . Und als sie den erkannte , der helfen wollte , verzerrte sich ihr Gesicht . Sie machte mit den Armen eine ringende Bewegung , verstört von Zorn und Jammer , schrie mit erwürgter Stimme ein böses Schimpfwort und stieß dem jungen Someiner die Fäuste vor die Brust , daß er taumelte . Den Bruder umklammernd , wollte sie sich aufrichten , fiel zurück auf die Erde und wurde von einem tränenlosen Schreikrampf befallen , der ihren Körper zucken machte . Lampert wollte sprechen und brachte keinen Laut aus der Kehle . Sein Gesicht war entstellt . Nun beugte er sich zu Jakob nieder , hob diese kleine , entstellte Mißform des Lebens auf seine Arme und konnte mit der heiseren , zerrissenen Stimme nur sagen : » Komm ! Ich bring ihn heim . « Während er mit der leblosen Last hinunterstieg zum Feuer , hörte er immer hinter sich die schluckenden Schreie der Hirtin . Die Ochsen brüllten nicht mehr . Sie hatten sich an den Anblick der rauchlos gewordenen Flamme gewöhnt . Und manche von ihnen lagen ruhig schon wieder im sonnigen Gras , wiederkäuend , und scheuchten mit der Schwanzquaste die frechen Bremsen fort . Lampert mußte denken : » Ob Gott auch so ruhig in der Sonne liegt , wenn Menschen morden ? « Beim Brunnen sagte er zu Heiner , der sich einen Fetzen seines Hemdes um den Kopf gebunden hatte und noch immer ein bißchen duselte : » Du mußt mir helfen ! « Sie hoben den Toten in den Sattel , banden ihn mit Riemen und mit Lamperts Schärpe fest , und während jeder von den beiden mit einer Hand den müd schleichenden Pongauer am Zügel führte , stützte er mit der andern Hand den stummen , immer nickenden Reiter , der eine schlechte Haltung hatte . Jula , mit hängendem Haar und geballten Fäusten , ging hinter dem Pferde her , schluckend im erwürgten Schreikrampf - wie damals vor achtzehn Jahren , als sie mit der Mutter heimgekommen war vom Erdbeerpflücken im Tal des