dat de Gildbütel man afkann ! « Diese Rede war aber gar nicht nach Jakobs Gemüt : er dachte an die drei , vier kleinen Aale , die er jede Tide aus den Körben schrapte , und ärgerte sich über den großen Seefischer , der mit Tausenden von Schollen um sich warf , wie der Bajazzo mit den Glaskugeln . » So , so « , knurrte er und stiefelte weiter . Gesa schüttelte den Kopf . » Wat magst du woll so dull prohlen , Klaus Mees , as wenn du unsen Herrgott sien best Jung würst ? « Er sah sie groß an . » Wat meenst du dat ? « fragte er verwundert . » Ik kann mien Leben doch ne anners moken ast is : grot un klor un scheun ! Dor steihst du , dor sitt mien Jung , hier steiht mien Hus , dat sünd mien Linnenbäum , dor buten ligt mien Eber , un hier bün ik sülben , oder is dat all ne wohr ? Lot den Dübel klogen : ik frei mi to dat , wat ik hebb ! Un ik gläuf , uns Herrgott süht ok leber een vergneugten Minschen as een trurigen ! « » Wees ne se troß , Klaus Mees ! Du büst ok bloß een Minsch un wullt wedder no See ! « mahnte sie , er aber schüttelte die Worte ab , wie die Ente das Wasser . Achter Stremel . Es war Ostern auf Finkenwärder . An den Gräben standen die Wicheln mit silbernen Katzen , und die Erlen ließen braune Troddeln im Winde wehen . Die Pappeln leuchteten im Sonnenschein und glommen wie Frühlingsbräute mit hellblonden Scheiteln . Die Elstern bauten ihre Nester im Lande . Über den Wischen gaukelten die Kiebitze zu Hunderten , und über dem hohen Neß schwebten die grauen Reiher . Und die Finkenwärder Fahrensleute feierten Ostern , indem sie um ihr Eiland gingen . Nur Ostern taten sie das , sonst nicht . Wann käme sonst auch wohl ein Fischermann dazu , einen Gang um sein Land zu machen ? Er geht sowieso nicht gern , denn Seebeine sind nicht für Landwege geschaffen . Wintertags , wenn er zu Hause ist , lassen die grundlosen Wege es nicht zu , für die sie früher Stelzen gehabt haben , die aber abgekommen sind . Sommertags hat er zwischen Jütland und Niederland zuviel zu beschicken . Nur Ostern ging es klar . Der Brauch entstammte der alten Zeit , als die Fischerei den ganzen Winter eingestellt war und die große , allgemeine Ausreise erst nach Ostern stattfand . Da lag es nahe , daß der Fischer noch mal seine Insel auf den Kieker nahm , bevor er sich der See für lange Monde anvertraute ! Auch die Konfirmanden , die mit zur See sollten , hatten ein Verlangen , den Deich noch einmal ganz unter den Füßen zu haben , bevor sie an Bord gingen . 1887 war diese uralte Sitte noch allgemein . Wir denken an den Ostergang im Faust , lesende Seele , an den Doktor und seinen Famulus , an Bürger und Soldaten , Scholaren und Handwerksburschen und an all das andre bunte Gewimmel vor dem Tor der bunten , mittelalterlichen Stadt Frankfurt , - aber das muß verblassen vor der großen Deichwanderung der Fischer am Ostersonntag , die nachmittags anfängt und bis zum Abend währt und voll ist von Größe und Gewaltigkeit . Breit und blau grüßt die Elbe , - im Hintergrunde steigen die Blankeneser Berge auf . Dampfer gehen auf und ab . Ihr Rauch weht über den Strom . Deutsche , englische , französische , nordische und holländische Flaggen flattern im Winde , Hunderte von braunen und griesen Segeln beleben das Fahrwasser gleich Riesenvögel , und im Osten steigen die Hamburger Türme aus dem Hafendunst auf , wie Propheten aus dem Volk . Vom Bollwerk aber und von den Schallen grüßen die blanken Ewer und Kutter , die starken , schönen Schiffe , und ihre Flögel lachen im Sonnenschein , als wenn sie wüßten , daß es Ostern ist . Da liegt Schiff bei Schiff in nachbarlicher Eintracht , und jedes spiegelt sein Gesicht geruhig in dem stillen Wasser . Zwischen den Masten hängen die Kurren zum Trocknen , die sich ansehen lassen wie die Panzerhemden eines Hünengeschlechtes , das große Wäsche gehabt hat . Das ist die eine Seite des Deiches : auf der andern stehen die Fischerhäuser mit moosbewachsenen Stroh- oder Pfannendächern , mit grünen Türen , geröteten Steinen und blanken Fenstern , hinter denen Blutstropfen , Schuhbäume , Geranien und andre Blumen blühen . Binnendeichs stehen die großen Hamenanker , die ausgedienten Kurrbäume , die aufgefischten Hummerkästen : dahinter liegen die braunen Äcker , von Gräben durchzogen , die grünen Wischen , die Wurten mit den großen Bauerhäusern , mit hohen Eschen , Linden und Eichen : Inseln inmitten der Insel . Da kommen sie an , die Osterleute . Zuerst die Gören , de mol üm Finkwarder snurren wöt ! In Scharen kommen sie und setzen am Westerdeich einen Feekhaufen nach dem andern in Brand , - denn diesen Tag sind die Ostermoonen frei - , damit die Fahrensleute Leuchtfeuer haben , nach denen sie steuern können . Ihnen folgen die Schlingel , die ihre Kräfte an den morschen Wicheln versuchen , die in die Eschen klettern und in die Heisternester gucken , die über die Gräben jumpen und Enten und Gänse bange machen , die Deerns vom Deich stoßen und die Hunde reizen . Sind die vorüber , dann erscheinen die Konfirmandinnen in langer Reihe , sittsam in den langen Kleidern gehend , mit weißen Tüchern um die Schultern : aber doch summt ihnen schon der erste Schnellwalzer in den Ohren , doch gucken sie sich schon heimlich nach den Konfirmanden um , die nun kommen , etwas schwankenden Ganges , als wenn sie ihr Lebtag auf See gewesen wären . Sie tun , als hätten sie schon