ein wenig zu necken . « » Necken « , protestierte die Exzellenz . » Ernste Familienangelegenheiten sind doch kein Gegenstand für Neckereien . Der Verstorbene wußte gewiß , was er dem Namen Werland schuldig war . Wir sind bereit , sehr - large gegen die betreffende Dame zu sein , aber Dumala - Dumala muß rein bleiben . « » Müßte « , sagte der Graf » Muß « , wiederholte die Exzellenz . Man ging zum Essen . Im Speisesaal war eine sehr lange Tafel gedeckt , und aus allen Türen strömten Werlands heran . Oben an der Tafel saß die Baronin Sophie aus Pehwicken . Sie hatte die Fettsucht und nahm die ganze Schmalseite des Tisches ein . Der Leutnant Emmerich von den Basserowschen , der ziemlich ungezogen war , nannte sie : » die Tanten Sophie « , weil sie für eine Tante zuviel sei . Dann kamen die Kinder des Grafen , die Zwillinge der Tante Sophie , fette , sechzehnjährige Mädchen , denen dicke blonde Zöpfe über den Rücken niederhingen , und die zwei Dragonerleutnants und Mademoiselle Pin . Das schwirrte alles heran . Die Kinder stritten sich um die Plätze . Leutnant Emmerich sah sich die Etiketten der Weinflaschen an , wie im Hotel . Die Exzellenz leitete oben am Tisch die Unterhaltung . Sie sprach von der ökonomischen Lage der Gegend . Der Wald mußte besser verwertet werden . » Ich würde den alten Flügel einreißen lassen « , sagte die Baronin Sophie . Die Exzellenz glaubte , gewisse historische Erinnerungen müßten vielleicht respektiert werden . » Gott ! « meinte der Graf , » historische Erinnerungen sind meist kompromittierend . « » Und unpassend « , fügte die Baronin Sophie hinzu . » Ein Werland fiel bei Zorndorf , das ist auch eine historische Erinnerung « , sagte die Exzellenz streng . Als der alte Rheinwein kam , klingelte die Exzellenz an das Glas und machte ein trauriges und feierliches Gesicht . » Ich denke , wir trinken auf das Angedenken unseres verstorbenen Vetters ein stilles Glas . « Unter tiefer Stille nippte ein jeder an seinem Glase - nur eine der Zwillinge mußte mit dem Lachen kämpfen und verschluckte sich dabei . Leutnant Emmerich wollte sie auf den Rücken klopfen , was sie nicht duldete . So gab es Streit . » Ich bitte doch um ein wenig Ruhe « , sagte die Exzellenz traurig . Plötzlich erhob sich unten am Tisch eine Kinderstimme und rief laut in die Gesellschaft hinein : » Meiner - - teuren Karola . « Es war Lola , die einen silbernen Serviettenring in der Hand hielt und triumphierend diesen Satz darauf las . » Quittez la table « , sagte die Gräfin . Die Exzellenz schüttelte den Kopf , warum man auch solche Dinge den Kindern in die Hände gab . Nach dem Essen saß man im Saal beisammen und sprach von den Umbauten , die das Schloß nötig hatte . Nebenan spielte die Jugend Gesellschaftsspiele . Lautes Lachen füllte die Räume von Dumala . Lola steckte einmal den Kopf durch die Tür und meldete : » Eben hat Vetter Emmerich Mademoiselle geküßt . « » Dieses Kind ist unmöglich - « , sagte die Exzellenz . Die Gräfin errötete und meinte , dieses Mal sei wohl nicht das Kind - das Unmögliche . » Warum gehen sie nicht schlafen ? « fragte die Baronin Sophie . » Weil sie sich fürchten , an der Tür vorüberzugehen , hinter der der Verstorbene liegt « , war die Antwort . » Sie werden wohl unseren Verstorbenen sehen wollen , Herr Pastor ? « fragte die Exzellenz . Sie gingen in das Kaminzimmer , wo der Tote aufgebahrt lag . Im Vorzimmer saßen die Zwillinge eng aneinandergedrängt an einem kleinen Tisch und schrieben ihre Tagebücher , um den Eindruck der Lebenslage ganz frisch aufzufangen . Werland lag in seinem Sarge , hell von den hohen Wachskerzen beschienen , schmal und gerade in seinem Gesellschaftsanzuge , eine Gardenia im Knopfloch . Das Gesicht schien kleiner geworden , wie zusammengezogen , um die Augen viele Fältchen , die ihm ein fast schalkhaftes Aussehen verliehen . Die Exzellenz beugte den Kopf im Gebet . » Wie friedlich er ruht « , flüsterte die Gräfin . » Die Blumen haben wir aus Berlin kommen lassen . « Eine Weile standen sie und schauten den Toten an , der sehr korrekt vor ihnen lag und aus der Menge südlicher Frühlingsblumen mit dem kleinen , schadenfrohen Gesicht hervorlugte . Dann gingen sie hinaus . Im Vorzimmer stand Lola und weinte . Um ihr Pfand auszulösen , mußte sie bis zur Tür des Totenzimmers gehen und einen Knicks machen , und nun fürchtete sie sich und wollte nicht . Die Gräfin seufzte : es war schwer mit den Kindern ! Sie waren nicht zu Bett zu bringen . Alle fürchteten sich - wegen des Toten ! Werner verabschiedete sich . Im Flur stieß er auf den Leutnant Emmerich und Mademoiselle Pin , die sehr nahe beieinander gestanden haben mußten und jetzt erschrocken auseinanderstoben . Als Werner in die klare Winternacht hinaustrat , fand er Karl Pichwit vor dem Schlosse stehen . Den Kopf auf die Schulter geneigt , schaute er dem Monde ins Gesicht . » Herr Pastor « , sagte er , » ich habe hier auf Sie gewartet . Jakob sagte mir , daß Sie da seien . Dort zu den Leuten mag ich nicht hinuntergehen . Ich reise morgen ab . Was soll ich hier ? Das Begräbnis - Gott ! Ein Begräbnis hat ja keine Bedeutung . Und sie , wenn sie kommt , das ist doch jetzt alles ganz anders . Es kommt ja überhaupt alles anders , als man denkt . Ich glaubte , es würde etwas geschehen - ich - ich würde vielleicht etwas tun - . Aber nein , ich reise nur ab , - nur das . « Werner legte seine Hand auf Pichwits