So gab es eine Mischehe . Und die Greuel derselben wurden vermehrt , als ein Kind zur Welt kam , welches nach dem unbeugsamen Entschlusse der Mutter der evangelischen Kirche zufiel . Damit waren alle Beziehungen Schüchels , seines Verlages und seiner Zeitung zu der katholischen Geistlichkeit gelöst . Die Zeiten waren vorüber , in denen man Beschreibungen frommer Wallfahrten im Nußbacher Wochenblatte lesen konnte ; Heiligenbilder und Sterbeandenken kamen nicht mehr in die Akzidenzmaschine , und die Kirchenzettel blieben aus . Schüchel war nicht gleichgültig gegen diese Unfälle ; wenn es nur auf ihn angekommen wäre , hätte er sich gewiß gebeugt vor einer Gewalt , die geben und nehmen kann . Aber an dem Willen seiner Frau scheiterte jeder Versuch , den er zum Einlenken machte . So blieb ihm vorerst nur der Trost , daß die Nußbacher Leserwelt auf seine Zeitung angewiesen war . Bald wurde er aus seiner Sicherheit aufgeschreckt . Ein unternehmender Schwabe , Simon Hefele aus Ravensburg , gründete eine neue Zeitung , den » Nußbacher Anzeiger « . » Auf daß die katholische Bevölkerung des Distriktes eine Presse besitze , welche ihrer wahren Meinung Ausdruck verleiht , und nicht länger die im katholischen Gewande einherschleichende Irrlehre ihre giftigen Dünste verbreiten lasse , « hieß es im Begrüßungsartikel , welcher vermutlich nicht von dem ehemaligen Bäckergehilfen Hefele , sondern von dem Verfasser der Wallfahrt nach Loreto geschrieben war . Der Krieg war erklärt , und die Aussichten waren für Schüchel nicht günstig . Hinter ihm standen keine Truppen , und er selbst durfte nicht mit offenem Visiere kämpfen . Er mußte die Geistlichkeit schonen und seine Schläge so zielen , daß sie den wahren Feind nicht trafen . Das nahm ihm die halbe Kraft . Wie anders Simon Hefele . Der ließ sein Panier lustig im Winde flattern , und mit ihm stritt der Herr mit seinen Scharen . Drei Jahre dauerte der ungleiche Kampf , einer gegen viele . Schüchel wollte fast verzagen . Er konnte sich der Hiebe kaum noch erwehren , die auf ihn niederprasselten . Die ungeheuerliche Grobheit des Bäckergehilfen vereinigte sich mit der kunstfertigen Spitzfindigkeit geistlicher Hintermänner , um ihn zu verderben . Da kam der Bauernbund und mit ihm die Rettung . Jetzt hatte Schüchel ein Programm , eine Partei und Mitarbeiter . Unter den Bürgern , welche sich sogleich der neuen Bewegung anschlossen , war mancher , der etwas zu sagen hatte , und der sich freute , wenn er unerkannt Feuerbrände umherschleudern durfte . Artikel erschienen jetzt im Wochenblatte , Artikel von so ungehobelter Derbheit , daß die Betroffenen am Zeitgeiste verzweifelten . Ja , daß der schwäbische Bäckergehilfe nach furchtbaren Gegenanstrengungen erklären mußte , es verbiete ihm der Anstand , im gleichen Tone zu erwidern . Es half jedoch dem Nußbacher Anzeiger nichts , daß er seine Spalten jetzt nur solchen Darstellungen einräumen wollte , welche vornehme Gesinnung atmeten . Seine klobigen Feinde zwangen ihn zum wenigsten jede Woche einmal , mit einem zornigen Aufschrei ihnen auf das Gebiet politischer Gemeinheit zu folgen . Der Stadtprediger Roth wandte historische Kenntnisse und alle Künste scharfer Dialektik auf , um die Gegner zu erdrücken . Er versicherte von einem zum anderen Male , daß ihm die krampfhaften Anstrengungen derselben unendlich viel Vergnügen bereiteten , und daß er ein herzliches Lachen nicht unterdrücken könne , ob des unbeholfenen Stiles , in welchen die verworrenen Gedanken eingekleidet seien . Aber wenn Hefele auch noch so oft hinzufügte , daß sich der bewußte Artikelschreiber im Wochenblatte von dem vernichtenden Schlage kaum mehr erholen dürfte , so war er trotzdem bald darauf gezwungen , angesichts neuer Gemeinheiten zu fragen , ob katholische Hausvorstände es mit ihrem Gewissen vereinigen könnten , das Nußbacher Wochenblatt zu halten . Und im weiteren Verlaufe trat gegen den gelehrten Alban Roth ein Mann auf , dem er nicht gewachsen war ; der bürgerliche Schuhmachermeister Jakob Prantl . Ursprünglich für den geistlichen Beruf bestimmt , studierte er sechs Jahre lang am humanistischen Gymnasium zu Freising . Er kam nicht über die vierte Lateinklasse hinaus und zeigte keinerlei Neigung für gelehrte Dinge . Erst später entwickelte sich sein Geist , als er zum ehrsamen Handwerk überging und wie sein Vater die Stiefel der Nußbacher Menschheit schäftete , sohlte und englisierte . Wenn er so auf seinem Schemel saß und mit dem Pechdraht Oberleder und Rahmen zusammennähte , oder die Sohle mit Hammerschlägen rundete , schweiften seine Gedanken zurück in die Zeit , da er noch lateinische Sätze bildete und die seltsamen Schriftzeichen der griechischen Sprache lernte . Jetzt erwachte in ihm die Liebe zur Wissenchaft , und er bewahrte sorgsam die kümmerlichen Reste , welche ihm geblieben waren . In dem Notizbuche , worin er die Maße der Fußlängen und Risthöhen seiner Kunden schrieb , stand auf der ersten Seite sein Name mit griechischen Buchstaben : Iakobos Prantl , sxoyster . Allmählich verwischte sich in seinem Gedächtnisse die Erinnerung daran , daß er selbst die Fortsetzung seiner Studien aufgegeben hatte , und er bestärkte sich immer mehr in dem Glauben , daß harte Schicksale oder feindliche Einflüsse seiner Laufbahn hinderlich geworden waren . Er zerfiel mit der Menschheit , deren Füße er bekleidete , und wurde ein strenger Richter über Welt und Dinge . Seine Gehilfen und Lehrlinge bekamen manches bedeutende Wort zu hören über Staat und Kirche und jegliche Obrigkeit . Eine tiefe Verachtung der anerkannten Autorität sprach aus ihm , wenn er nahe und ferne Ereignisse in den Kreis seiner Betrachtungen zog , und er war mit Bitterkeit erfüllt . Seine Gedanken wurden ätzender , weil er sie meist für sich behalten mußte . Darum ging er mit lebhafter Freude , mit Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit an die Arbeit , als sich endlich Gelegenheit für ihn bot , im Nußbacher Wochenblatte seine Meinung zu sagen . Er schrieb einen seltsamen Stil . Als er in die Schule ging , hielt man noch etwas auf die Kunst , eine Periode in die Länge zu ziehen ; man