jetzt war diese zu Ende . Ein vernichtender Schmerz überflutete ihre Seele , denn so hoch es sie beglückte , daß er den Willen hatte , das Verhängnis abzuwenden , so beschlich sie doch der grausame Zweifel , ob er die Kraft haben würde , zu widerstehen , wenn die Herzogin , wie sie vermutete , nicht ablassen würde von ihrem Sinn . Sie achtete der feuchten Nachtluft nicht , die durch die leichte Kleidung erkältend auf sie eindrang , sie hatte den Ort vergessen , wo sie sich befand , und die Zeit , die verstrich ; die Dunkelheit und die Einsamkeit , die sie umfingen , waren ihr willkommen ; in ihrem Leben war es auch dunkel geworden und eine ewige Nacht schien sich über die Welt gebreitet zu haben . Plötzlich fuhr sie empor , denn es schlugen Stimmen an ihr Ohr und dicht vor ihr , nur durch das Lorbeergebüsch getrennt , hielten zwei Personen , wie sie nach den Stimmen vermuten mußte , still . Sie vernahm Waldemars Namen und das machte sie aufhorchen , und bald war der Inhalt des Gespräches , das zwar halblaut geführt wurde , ihr aber ganz vernehmlich war , derart , daß sie den Atem anhielt und keine Bewegung machte , um ihre Gegenwart nicht zu verraten . » Ist ' s möglich , so weit war es gekommen , sie wollte mit ihm fliehen ? « sagte die eine Stimme , in der Rosa die des Kardinals erkannte ; » aber sind Sie auch recht berichtet , Herzog ? Und wie erfuhren Sie es ? « » Ich hatte längst die wachsende Leidenschaft Giulias für den jungen Prinzen bemerkt , die ja auch Ihnen , Eminentissimo , nicht ganz entgangen war , wie Sie mir mitteilten , « versetzte der Herzog ; » natürlich beobachtete ich in der Stille , führte sie nach Perugia , weil ich dachte , die Entfernung werde helfen ; aber sie verließ Perugia vor mir , wohl in der Hoffnung , hier mit dem Prinzen allein zu sein . Ich folgte ihr auf dem Fuß und fand abends bei meiner Ankunft , daß der junge Mann bei ihr war und lange blieb . Nachher ging ich zu ihr und an ihrer Aufregung , der Entrüstung , mit der sie mich behandelte und mich verließ , sah ich , daß ich zu energischen Mitteln greifen müsse , um das Äußerste zu verhüten . Ich wußte , daß sie völliges Vertrauen in ihr Kammermädchen setzte , daß diese aber ein leichtfertiges Kind sei und bestechlich , auch daß sie einen Liebhaber habe und gern heiraten möchte . Nun , die gewann ich , obwohl sie erst nichts davon wissen wollte , ihrer Herrin untreu zu werden . Als ich ihr aber eine reichliche Aussteuer und ihrem Geliebten eine gute Anstellung auf meinen Gütern verhieß , ging sie zu mir über und berichtete mir treulich , was vorging . So erfuhr ich , daß Briefe gewechselt wurden , und endlich , daß eine Zusammenkunft stattfand am frühen Morgen in einer einsamen Kirche , wo die Möglichkeit einer gemeinsamen Flucht verabredet wurde ; jetzt durfte ich nicht länger zögern ; ich bereitete alles zur Reise nach Sizilien vor und ging , ihr dies in schonender Weise , ihre Gesundheit als Vorwand nehmend , anzukündigen . Sie protestierte anfangs , schien aber dann einzuwilligen . Doch erhielt ich Nachricht durch die Zofe , daß ein Brief eilig an den Prinzen abgeschickt sei und daß der Fluchtplan diese Nacht zur Ausführung kommen solle . Natürlich habe ich rasch meine Maßregeln getroffen . Wenn die Herzogin zur bestimmten Stunde den Palast verlassen will , hoffend , dies unbemerkt durch eine Hintertür aus ihren Gemächern und eine Seitentreppe , die in die enge Gasse neben dem Palast führt , tun zu können , so findet sie jeden Ausgang verschlossen und zwar so , daß keine Möglichkeit ist , zu öffnen . Hilfe herbeizurufen , wird sie kaum wagen , da dies die Sache öffentlich machen würde ; doch sollte sie es versuchen , so ist auch dafür gesorgt . Morgen in der Früh komme ich , sie in den Wagen zu führen , der uns fortbringt nach Neapel und von da geht ' s aufs Schiff . Ich weiß , welche Ausbrüche der Leidenschaft , ja des Hasses mich erwarten ; ich muß das über mich ergehen lassen ; aber ich kenne Giulia ; sie ist eine heftige , leidenschaftliche , aber auch eine stolze Natur und wenn sie erst unter dem Einfluß der Schwester und der Freunde eine Zeitlang lebt , wird sie es mir danken , ihren Ruf vor der Welt gewahrt zu haben , und daß sie als Herzogin von Santomara wieder ein erster Stern der Gesellschaft sein kann , anstatt als Mätresse eines jungen Prinzen , bald von diesem verlassen und von der Welt ausgestoßen zu sein . « » Schön , schön , « sagte der Kardinal , » das ist schon alles gut eingerichtet , aber was machen Sie mit dem Prinzen ? « » Nun , eine kleine Lektion kann dem jungen Herrn nichts schaden , « erwiderte der Herzog mit einem kurzen , spöttischen Auflachen ; » wenn er mit dem Wagen kommt , wie ihm befohlen ist , so findet er niemanden und kann eine kleine Nachtwache im Wagen halten ; sollte er aber irgendeinen gewaltsamen Versuch machen , so sind ein paar handfeste Leute in der Nähe , die , ohne zu wissen , wer er ist , ihm ein kleines Gedenkzeichen geben werden , natürlich leicht heilbar , so daß das Muttersöhnchen in Frieden zu seinem deutschen Hof zurückkehren kann , mit dem Vorsatz , künftig unsere schönen Frauen in Ruhe zu lassen . « » Hm ! Das Ganze kann dann als ein nächtliches Straßenabenteuer angesehen werden , für das niemand verantwortlich ist , « sagte der Kardinal . » Natürlich , und die deutschen Herren werden die ersten