getreten und warf nach so langer Zeit den ersten Blick hinab in den Hof , da kam dieser Tamile aus dem hinteren Winkel herbeigehumpelt , älter als damals , doch ganz dasselbe verdrossene Gesicht und ganz derselbe trockene Husten , den er früher schon hatte . Aber die Geschwulst hatte jetzt das ganze Bein bis herauf an den Leib ergriffen und war so stark geworden , daß man sich keiner Uebertreibung schuldig machte , wenn man sagte , daß dieser arme Teufel ein Menschen- und ein Elefantenbein besitze . Im Zimmer stand derselbe hohe Tisch und dasselbe Bett mit Messinggestell und Fliegennetz , daneben die zwei niedrigen Serviertische , an denen man den Kaffee oder Tee einnimmt . Draußen auf dem Söller gab es noch denselben langen , bequemen , indischen Ausstreckestuhl , welcher vorn zwei verschiebbare Leisten hat , auf denen die Füße hochgehalten werden . Ueber den Söller selbst muß ich aus triftigen Gründen noch eine Bemerkung machen . Er war aus durchbrochenem Holz gebaut und reichte über die ganze hintere Seite des Gebäudes . Dieses enthielt in jedem Stockwerke eine lange Flucht von Zimmern , von denen aus man auf den Söller treten konnte . Um nun zu vermeiden , daß ein Gast den anderen störe , war der Söller teils durch dünne Holzwände , teils auch durch grobe Stoffvorhänge in so viele Teile geschieden , wie Zimmer vorhanden waren . Es konnte also Jedermann auf seinem Balkon oder Söllerteile sitzen , ohne eigentlich von den Nachbarn gesehen zu werden ; aber die Vorhänge hatten mit der Zeit Löcher bekommen und die Zwischenwände waren so schadhaft geworden , daß man oft weit mehr zu sehen bekam , als man eigentlich sehen wollte und auch sehen durfte . Man brauchte sich auch gar nicht anzustrengen , um die trennende Wand so zu beseitigen , daß eine persönliche Ueberraschung des Nachbars möglich war . Auf alle Fälle aber hatte man die Trennung nur für das Auge , nicht aber für das Gehör berechnet , denn da bei der dortigen Hitze es keinem Menschen einfiel , seine Söllertür zu schließen , so konnte man fast jedes Wort verstehen , welches in den beiden Zimmern rechts und links nebenan gesprochen wurde . Dergleichen Situationen sind im Oriente leider allzu häufig . Oft sind nicht nur die Zimmer , sondern auch die Schränke , Kommoden u.s.w. halb öffentlich eingerichtet , weil entweder gar keine Schlüssel oder nur solche von ganz derselben Nummer vorhanden sind , so daß Jedermann mit seinem Schlüssel die Möbel aller Gastzimmer öffnen kann . Um summarisch zu verfahren , will ich hier gleich Einiges über Colombo im allgemeinen erwähnen . Ich beabsichtige dabei nicht etwa eine Beschreibung der Stadt , sondern es soll nur gesagt werden , was zum Verständnisse des später Folgenden notwendig ist . Ihren Namen hat die Stadt von dem hier in die See mündenden Kalani-Ganga erhalten ; sie wurde Kalanbua genannt ; die Portugiesen haben Colombo daraus gemacht . Ihre Lage ist eine durchaus ebene , und so brauchte in den von den Europäern bewohnten Teilen kein Areal gespart zu werden . Die Bungalows18 der Weißen sind von herrlichen Gärten und Parks umgeben , in denen die indische Vegetation zur vollsten , herrlichsten Geltung kommt . Die Dattelpalme kennt man hier nicht ; sie will Sand und Wüstennähe haben . An ihre Stelle ist die Kokospalme getreten , welche ein kräftigeres , saftigeres Grün als die erstere zeigt und den Eindruck eines wohlgenährteren , besser situierten Pflanzenwesens macht . Die von den Eingeborenen bewohnten Stadtteile haben schmale Straßen ; die Häuser und Häuschen stehen eng beisammen . Man sieht Laden an Laden , und wer sich vor gewissen Gerüchen scheut , der tut wohl , sich in eine der stets und überall vorhandenen Rickschahs zu setzen und dahin zu fahren , wo es nicht mehr riecht . Der Name dieser aus Japan eingeführten Fahrzeuge lautet eigentlich Jinrickschah , doch pflegt Jedermann kurz nur Rickschah zu sagen . Man denke sich eine sehr leicht und für die Zugkraft nicht eines Pferdes , sondern eines Menschen gebaute , zweiräderige Kalesche mit vorzuschlagendem Regendach und einer Doppeldeichsel , so weiß man ungefähr , wie eine Rickschah aussieht . Der Singhalese , welcher sie zieht , trägt die leichteste Kleidung , die auf der Straße erlaubt ist , oft nur eine Hose , welche vom Gürtel bis zur Hälfte der Oberschenkel reicht . Aber sein langes , seidenweiches Haar ist wohlfrisiert , zurückgekämmt und hinten in einen Knoten geschlungen , der von einem Kamme zusammengehalten wird . Das gibt dem Manne ein weiches , weibliches Aussehen . Dieser Kamm ist aber ein Zeichen der Männlichkeit ; Frauen tragen ihn nicht , und Knaben erst dann , wenn bei ihnen der Bart zu wachsen beginnt . Also außer mit diesem Kamme und der bescheidenen Hose ist der Rickschahmann vollständig unbekleidet . Warum ? Man steige ein ! Sobald man sitzt und er erfahren hat , wohin man will , beginnt er zu laufen . Die Luft ist schwül ; die Sonne brennt ; er läuft ! Es geht nicht im Schritt , nicht im Trab , nicht im Galopp , sondern er läuft , aber wie ! Es hat den Anschein , als ob er wie ein Torpedobootjäger sechsundzwanzig Knoten in der Stunde machen müsse . Man hat ihn Etwas zu fragen ; er antwortet so kurz wie möglich , und er läuft ! Die nackten Beine werden nicht müde ; die nackte Brust scheint keine Lunge zu bergen ; der Atem geht ruhig und regelmäßig , und doch würde ihn eine Droschke erster Güte nicht einholen , denn - - er läuft ! Da , da - - man schaue hin ! Es beginnt noch Etwas zu laufen ! Nämlich unter dem Zopfe quillt ein kleines , einziges Tröpflein hervor , bleibt , wie verschämt darüber , daß es sich so öffentlich zeigen muß , einige Augenblicke im Schatten des Kammes stehen und bewegt sich dann , erst