, wenn Hans nicht mehr am Sonnabend nach Hause käme , da streichelte sie ihm mit ihrer rauhen Hand seine Backe , und die Hand zitterte ; dem Hans aber stieg das Wasser auch in die Augen , wiewohl er sich schämte und unwillig war ; und so brummte er etwas , schlug seinen eisernen Hund wieder ins Papier und stolperte die Treppe hinunter . Den Koffer nahm ein Holzfuhrmann mit nach der Stadt und gab ihn bei der Eisenbahn ab , indessen Hans selbst den Weg zur Bahnstation zu Fuß machen wollte ; so verabschiedete er sich von der Mutter und von Dorrel , und der Vater warf die Büchse über die Schulter und sagte , er wolle ihn eine Strecke begleiten . So gingen die beiden . Sie sprachen über die neue Art von Tannen , die der Graf hatte kommen lassen , welche ein sehr schnelles Wachstum haben sollten , und der Förster zweifelte , ob das Holz so wertvoll sein werde , wie die gegenwärtigen Arten , das zu Fußbodendielen zersägt wurde , weil es besonders fest war durch das langsame Wachsen der Bäume auf dem felsigen Boden . Hans wunderte sich , daß sein Vater so mit ihm sprach . An einem Seitenwege machte der Vater Halt , weil er zu seinen Arbeitern mußte , gab dem Jungen die Hand und sagte : » Sei fleißig und schreibe bald . Wenn dein Geld nicht reicht , so mußt du schreiben . « Dann wendete er sich zur Seite , und Hans ging weiter . Aber der Hund , den der Förster an der Leine führte , hatte aus allen früheren Anstalten gemerkt , daß etwas Besonderes geschehe und Hans auf länger fortging wie sonst ; so legte er sich auf den Boden , stemmte sich mit aller Kraft fest und begann zu winseln . Der Förster zog ihm das Ende der Leine über , aber der Hund winselte nur mehr und ließ sich nicht von der Stelle ziehen . Da wendete sich der Vater zurück und rief hinter Hans her : » Der Hund will Abschied nehmen . « Da tanzte der Hund bellend und winselnd auf den Hinterbeinen , und wie Hans zurückkam , leckte er dem ungestüm die Hände , heulte und bellte . Hans liebkoste ihm den Kopf und mußte sich zusammennehmen , daß er nicht weinte . Am Ende sprach der Vater : » Nun gehe , du versäumst den Zug « , und da wendete sich Hans und ging ; der Hund aber wich auch jetzt nicht von der Stelle , bis Hans durch eine Biegung des Weges unsichtbar wurde , dann beschnupperte er noch einmal seine Fußspur , und dann erst folgte er seinem Herrn auf den Nebenweg und war traurig und niedergeschlagen . So schritt nun Hans seine Straße fürbaß . Das war die alte Straße , die er so manchen Sonnabend heimwärts gegangen war frohen Mutes und in Trauer stadtwärts Montags früh , wenn die Vögel ihr Morgenlied sangen . Eine gute , feste Chaussee war es ; zu den Seiten standen Ahornbäume , deren Laub färbte sich schon herbstlich , und Quitschen mit roten Beeren ; im Winter fressen die Drosseln diese Beeren und bekommen davon ein angenehm schmeckendes Fleisch . Und auf der Chaussee fuhren Holzwagen ; an einem sehr großen Stamm kam Hans vorbei , den zogen zwei schwere Pferde mit Mühe und war wohl bestimmt zu einem Mastbaum ; der sollte auch in die weite Welt hinaus . Der Fuhrknecht in manchesternen Kniehosen und blauem Kittel grüßte . Nicht weit von der Straße war die Elsgrube , Hans bog ab und ging dahin . Die kleinen , schiefgeschnittenen Äcker waren abgemäht , und die Stoppeln sollten noch umgepflügt werden ; der Kartoffelacker war umgewühlt , und in der Mitte war ein runder Aschenfleck , wo das Kartoffelfeuer gebrannt hatte . Merkwürdig trostlos sah das alles aus . Das stille , kreisrunde Wasser glänzte grün inmitten des kahlen Wesens ; einige geknickte Binsen hielten sich am Rande . Hans dachte , wie gern er als Kind nahe gegangen wäre an das Wasser , um vielleicht in der Tiefe den Turm der versunkenen Burg zu sehen ; jetzt hätte ihm niemand verboten , so nahe an den Rand zu treten , wie er wollte , aber er hatte keine Sehnsucht mehr nach dem Turm in der Tiefe . In kindischem Tiefsinn dachte er : » ja , das ist ein Symbol unsres Strebens « ; und er meinte , das sei wahrhaftig seine Ansicht . Aber seine wirklichen Gedanken waren ganz anders . Die waren wie die Tannen , die sich den steilen Bergabhang in die Höhe strecken gleich einem Heer , das eine feindliche Befestigung stürmt ; mannhaft stehen sie in Reih und Glied , klammern sich mit ihren Wurzeln über Felsen und Steine . Nach oben streben sie , nach Sonne , Freiheit und Licht ; ihre unteren Zweige lassen sie trocken werden , denn sie mögen nichts mehr zu tun haben mit dem Dunkel , wo Ameisen geschäftig laufen . Eilfertig plätschert ein kleines Wässerlein den Berg hinab , aufblitzend in einem verlorenen Sonnenstrahl ; das muß ihre Wurzeln tränken . Aber tiefer dringen ihre Wurzeln , sind nicht zufrieden mit des muntern Bächleins klarem Wasser ; sie gehen bis zu der Tiefe , von wo die Bergquelle in die Höhe steigt . Die schaut aus der Erde zwischen Moos und Tannennadeln , wie ein dunkles Auge , und kleine Sandkörnchen tanzen in dem quellenden , kristallklaren Dunkel . Rührend ist es , wie diese Sandkörnchen da tanzen , unermüdet . Wenn man ruhig harrt und hört das leise Rauschen und Plätschern , so spürt man , wie der Wald wächst , im Herzen spürt man es , und man weiß , daß man zusammengehört mit dem Wald und aus einem herauswächst mit ihm , und alles ist eins und gehört zu einem , die leise wankenden Tannenwipfel und das dunkle Auge