? waren sie sich nicht in irgend einer Art verwandt ? war da nicht eine seltsame , verwirrende , entzückende Ähnlichkeit ? Ist die arme Erde so reich ? Woher kommt dies neue beseligende Licht ? Wunder über Wunder ! » Mein Kind ! « hauchte sie , » meine süße Überraschung , meine neue Blume ! Was entfaltet sich vor mir ? War ich blind ? « Und das Kind fühlte die Zärtlichkeit der Mutter wie warme Wellen über sich rinnen , und es bebte und schauerte vor Glück ... » Was werden die Schmetterlinge zu ihr sagen , wenn sie sie sehen , Mama ? « Josefine seufzte , plötzlich erschreckend . » Kein Schmetterling wird sie besuchen , mein Kind . « » Aber die Bienen ? was werden die Bienen sagen ? « » Es ist Winter , mein Rösli , die Bienen schlafen ja alle . « » Aber die Sonne , Mama ? « » Die Sonne , mein Kind ? Nein , die Sonne darf diese Blume nicht sehen . « » O - wie schade ! Mama , wie schade ! Warum darf die Blume die Sonne nicht sehen ? « » Wenn die Sonne sie trifft , dann wird die Blume sterben und verdorren . « Rösli hielt eilig die Händchen über die Blume . » Sterben und verdorren ? Nein ! Ich will ein Häuschen machen mit den Händen . Sie soll nicht sterben ! nicht sterben ! « Schon zitterte Trauer in des Kindes Stimme . » Mama ? « Die Mutter - aber sie war sehr jung in diesem Augenblick - streichelte des Kindes Haar . » Der Mond wird sie bescheinen , und sie wird leuchten , schöner als alle Blumen , « sagte sie träumend . » Leuchten in überirdischer Schönheit , und ihresgleichen wird nicht sein unter den Blumen des Waldes , des Gartens und der Wiese ! « Entzückt küßte die Kleine ihrer Mutter Kleid . » Ja ! ja ! ja ! « flüsterte sie wie berauscht . » Mehr , Mama ! mehr , mehr ! « » In Dunkel und Vergessenheit , im schmutzigen , traurigen , lichtlosen Loche ist sie aufgeblüht , « träumte die Frau dem horchenden Kinde ins Ohr , » und ihre Schönheit ist nicht die Schönheit dieser Welt ; sie ist zarter , feiner , ätherischer als die Blume der Sonne , und fleckenlos steht sie inmitten des Schmutzes und strahlt nur umso heller und duftet nur um so berauschender ... « Die Kleine hob die Arme empor . » Ist das Märchen aus ? Du weißt so schöne Märchen , Mamme ! Aber - ist es nicht traurig ? « Das Stimmchen hallte wie ein Schluchzen aus . » Vielleicht auch traurig , « sagte Josefine vor sich hin . » Und bleibt hier ganz allein ? « » Wir kommen alle Tage . « » Arme Blume ! gelt , Mama ? « » Arme Blume . « » Ganz allein , Mama ! « » Ganz allein - « Josefine hatte immer wesentlich in Männergesellschaft gelebt . Schicksal oder eigene Neigung oder beides abwechselnd hatte sie mehr den Frauen entfernt , den Männern genähert . Früh verlor sie die Mutter , früh wendeten sich die Schwestern von ihr ab . Ein kluger , guter Vater , der sich treu bemühte , ihre Gaben zu entwickeln , ein strebsamer Bruder , der mit ihr lernte , gaben ihr Ersatz für die Verlorenen . Als der Bruder in jungen Jahren auf Java verunglückte , wohin eine Studienreise ihn geführt , schloß sie sich mit schwesterlicher Neigung an einen Freund des Verstorbenen , dachte , fühlte mit ihm . Der Freund war es , durch den sie Georges Geyer kennen lernte , den einzigen Mann , der sie weder durch seine Gespräche noch durch seinen Interessenkreis angezogen hatte , sondern den sie mit elementarer Leidenschaft liebgewonnen , ohne sich je über ihre Liebe Rechenschaft geben zu können . Zwei gleich heftige Temperamente waren von einer Flamme entzündet worden . Die Flamme erlosch bald bei dem Manne , um eine unselige , verdeckte , glimmernde Gier zu hinterlassen , die sein Leben verdarb und das seiner Frau und Kinder . Die Liebe der Gattin nährte sich von Erinnerung und Hoffnung und von einem zornigen , eifernden Mitleid für den Ausgestoßenen . In allem Elend fühlte sie sich ihm gegenüber als die Starke , die Stützende , die Schützende . Längst hatte sie aufgehört , für sich von ihm das Geringste zu fordern , ja nur zu erwarten . Von ihm oder von irgend einem anderen Manne , außer von dem Vater . Geben ! geben ! nur immer geben ! Meine Arbeit , meine Gedanken , meine Seele , mein Blut ! Es ist gut , daß ich etwas zu geben habe . Es tut wohl , dem Sturm die Brust zu bieten . Und lächelnd gedachte sie ihrer Kindheit und der Begeisterung , mit der sie einmal als kleines Mädchen einen schweren Pack für ihren Vater getragen . Es waren Bücher , und der Vater war auf der Versuchsstation , draußen vor der Stadt , hatte aber längst diese Bücher erwartet . Der Sturm blies sie vom Wege ab , als sie , ihr Bündel fest an die Brust gedrückt , die steile , frischbeschotterte Straße hinaufkletterte . Der Sturm entriß ihr den Hut und entführte ihn weit über die Matten , und sie mußte ihm mit dem schweren Pack nachspringen , und das Herz klopfte ihr vor Entzücken , daß der Pack so schwer und daß die Straße so steil war . Mit der Brust gegen die Winde , das hatte schon das kleine Mädchen gefühlt . Und als sie endlich beim Vater angekommen , da hatte er sie ausgelacht und gesagt : » Wohl ! wohl ! trag sie nur heim . Hier zwischen den Samenbeeten ist ' s nichts mit dem Lesen .