Leute schön finden , und deren alter Adel für seinen von gestern so treffliches Relief abgiebt . Von gestern ? Nun denn : von vor acht Jahren , als Dein Vater die Division bekam . Es hat nicht gehindert , daß er heute a.D. ist . Alte Generäle , besonders , wenn sie nicht reich sind , pflegen wenig Einfluß mehr zu haben . Ich wüßte nicht , was ich Deiner Familie zu verdanken hätte . Es müßte denn sein , daß Du in ihr auf einem Fuß zu leben gelernt hast , der unsere Mittel weit übersteigt . Ich bin Dir ja nie gut genug angezogen . Glaubst Du , daß Gerson mir meine Toiletten um meiner schönen Augen willen liefert ? Jedenfalls werde ich mir erlauben , auf seine Rechnungen und die Deiner andern Lieferanten ein schärferes Auge zu haben als bisher . Das kann dann ja allerliebst werden . Ich möchte Dir einen andern Vorschlag machen . Wir haben jetzt über vier Jahre Zeit gehabt , einzusehen , daß wir schlechterdings nicht zu einander passen . Ich dächte , Du ließest mich meiner Wege gehen und versuchtest es mit einer , die für Deine Liebenswürdigkeiten empfänglicher ist . Die entsprechende Wahl Deinerseits hättest Du wohl bald getroffen . Da würde ja meine Sache sein . Auf deutsch : Du wünschst eine Scheidung ? Ich glaube , mich deutlich genug ausgedrückt zu haben . Und das ist kein schlechter Scherz ? Ich hielte ihn dann mindestens für einen sehr guten . Schlecht , oder gut - ich würde mich unter keinen Umständen auf ihn einlassen . Ich habe keine Lust , meinen Namen , wenn er auch nicht so alt ist , wie der Deine , durch die Gerichte gezerrt zu sehen und mich zum Gespräche der Stadt zu machen . Es könnte Dir in der Carriere schaden ? Deine Schnödeleien lassen mich völlig unberührt . Ich weiß , was ich mir schuldig bin . Und nebenbei unsern Kindern , an die Du gar nicht zu denken scheinst . » Nebenbei « ist ausgezeichnet . Ich denke nebenbei , daß Kinder von Eltern , die ehrlich und mutig genug waren , sich zu trennen , als gegenseitige Abneigung ihnen ein anständiges Zusammenleben unmöglich gemacht hatte , besser daran sind , als von solchen , die sich nicht schämen , die miserable Lüge fortzusetzen . Wenn ich ein Mann wäre , ich brächte es nicht fertig , eine Frau zurückzuhalten , die ihm so deutlich gesagt hat , daß sie von ihm befreit sein will . Als ob die Frauen immer wüßten , was sie in ihrer Heftigkeit so herausreden ! Ich bin durchaus nicht heftig , im Gegenteil vollkommen kühl . Ich habe es sogar empfindlich kalt und muß dringend bitten , dieser lieblichen Unterredung ein Ende zu machen . Du wirst morgen ganz anders denken und reden . Das werden wir ja sehen . Sie war von dem kleinen Sofa , auf welchem sie gesessen hatte , aufgestanden und , die lange Schleppe ihres Kleides zusammenraffend , mit ein paar großen Schritten bereits an der Thür , die nach dem Flur führte . Wo willst Du hin ? rief er . Sie wandte ihm ihr Gesicht zu . Es war bleich bis in die Lippen , mit dunklen Rändern unter den starren , hohnvoll blickenden Augen . Du glaubst doch nicht , daß dieser Streit dasselbe erbärmliche Ende nehmen soll , wie schon so mancher ? Sie war zur Thür hinaus . Er hörte ihren Schritt über den Flur nach dem kleinen Zimmer neben der Flurthür , in welchem sie ihre häufigen Logierbesuche unterzubringen pflegten und das immer zum Empfang der Gäste bereit stand . Sollte er ihr nachrennen ? sie mit Gewalt zurückhalten ? Aber sie würde vor keiner schlimmsten Scene zurückschrecken ; und es war auch schon zu spät : da ging die Thür und der Schlüssel wurde umgedreht . Er begann im Salon auf und ab zu schreiten , in seiner ratlosen Wut sich an den Möbeln vergreifend . So weit hatte es nicht kommen sollen ; keinen Augenblick hatte er gedacht , daß es so weit kommen könne . Sich scheiden lassen ! Sie mußte verrückt sein ! Wenn sich alle Leute scheiden lassen wollten , weil sie sich einmal gezankt haben oder sich öfter zanken - und gerade in diesem Augenblick , wo ihm alles darauf ankommen mußte , daß sein Name nicht im Gerede war . Überhaupt , ein solcher Unsinn ! ein solcher haarsträubender Blödsinn ! Fernau hatte recht ; jetzt war es sonnenklar , daß er recht hatte . Wenn es noch Fernau selbst wäre , oder irgend einer von den andern - es ließe sich doch zur Not begreifen . Aber dieser Schulfuchs ! dieser lächerliche Pedant ! Eine so grauenhafte Geschmacksverwirrung ! Es ist ja rein zum Lachen ! Und Viktor lachte laut auf . Es klang ihm selbst häßlich ; er biß die Zähne aufeinander . Gut , Madame , gut ! Man wird Ihnen ein paar Tage Bedenkzeit geben . Wenn Sie sich dann nicht besonnen haben , wird man aus einem andern Tone mit Ihnen sprechen . Mit Ihnen und Ihrem Schulmeister ! Sechzehntes Kapitel Wie er zu Fuß gekommen , hatte Albrecht das festliche Haus verlassen , zusammen mit einigen jüngeren Herren : Referendaren , Assessoren und zwei oder drei Offizieren . Da man sich einmal zusammengefunden , wolle man auch zusammenbleiben . Was solle man mit der angebrochenen Nacht ! Unter den Linden werde schon noch ein Café auf sein . Der Herr Professor müsse mit . Mitgefangen , mitgehangen ! Die geplante Expedition führte Albrecht weit von seiner Wohnung in eine der westlichsten Straßen . Aber sie hatten recht : was solle man mit der angebrochenen Nacht , wenn einem das Herz so voll ist ! Das Café des Linden-Theaters , zu dem man zuerst gelangte , war noch nicht geschlossen , wenn auch , wie man sich überzeugte , als