. Die Andern wissen zuerst nicht , wo sie sind - sie schaun sich ängstlich um . Wie sie ganz wach sind , verstehen sie bald ihre Lage . Battany findet zuerst die Sprache wieder - er verwünscht das Geheul der Weiber - in den kräftigsten Ausdrücken . Die Dicken lachen aber . Safur hat Magenschmerzen und ist daher auch sehr ärgerlich - außerdem ist er noch müde . Die Andern haben eigentlich auch noch nicht ordentlich ausgeschlafen . Das Morgenfest fängt schön an . Auch in Bagdad ist es nicht allemal ein Vergnügen , ein üppiges Fest mitzumachen . Dem Said bereitet der Gesang das allergrößte Mißbehagen - er weiß : die dreißig Sängerinnen werden ihn mehrere Weinschläuche kosten - - - und er hoffte diesmal grade so recht billig wegzukommen . Said verzweifelt . Er weiß sich nicht zu helfen . Es mag kommen , wies will - er muß immer mehr zahlen , als er wollte . Die Unverschämtheit der beiden Dicken grenzt in seinen Augen ans Grenzenlose . Said beneidet seine Gäste , die alles umsonst haben , während er für das kleinste Vergnügen immer gleich ein Vermögen opfern muß . Saids Gäste waschen sich mit Saids kostbarsten Seifen und salben Haupt und Brust mit Saids kostbarsten Ölen . Und dann werden die Weinbecher bis zum Rande mit Wein gefüllt - und jeder Gast gießt seinen ganzen vollen Becher in den Garten - begrüßt dabei die Sonne und spricht ein paar persische Worte , die er selber nicht versteht ... Das ist das Sonnenopfer ! Den Said wurmt das - aber es ist nun mal Sitte - und Sitte bleibt Sitte . Die Perser haben in Bagdad noch immer sehr viel zu sagen . Ja - die reichen Leute - die verstehens - sich zu ärgern - die armen Hunde ärgern sich nicht halb soviel wie die reichen - Gastgeber . Doch die Sonne ! - bei Allah ! - die ist so herrlich - so göttlich - so groß - daß der Ärger der lauteren Brüder bald verdunstet wie der Nebel auf den Blumen und auf den Blättern der Bäume , auf den Rasen und auf dem bunten Fliesengetäfel der Fußwege ... Wie die Mädchen verstummen , wird in goldenen Gefäßen seltenes kostbares Zuckergebäck herumgereicht . Und darauf gibts Fleisch in würfelförmig geschnittenen Stücken - teils gebraten - teils gekocht - Hammel , Rind und Hühner ... aber viele viele Pfunde . Man ißt mit dem Dolch . Und man trinkt dazu den Wein in großen Zügen - ein Morgenfest soll immer in großen Zügen gefeiert werden . Aber - die Stimmung läßt sich denn doch nicht zwingen . Wohl verdunstete der Ärger der Meisten , doch die gute Laune kam darum noch nicht auf . Die Sonne der Heiterkeit wollte nicht aufgehen - wollte nicht . Das hatte so seine Gründe . Da war zuerst das schiefe Gesicht der beiden Reichen - des Battany und des Said ibn Selm - deren Gesicht wirkte ansteckend . Als reiche Leute dachten Beide wie alle reichen Leute - die da meinen , sie müßten überall genießen und schwelgen , weil sie doch was » besitzen « - - - als wenn der Besitz ein unbeschränktes » Recht « auf den Genuß gäbe ... Fühlten sich die Beiden als Gastgeber - und als solche fühlten sie sich eigentlich stets - so glaubten sie , sie müßten noch viel mehr genießen können - viel mehr als ihre Gäste - die waren doch nur ihretwegen da . Die guten reichen Leute taten so , als müßte ihre Gutmütigkeit ihre Genußfähigkeit erhöhen - was doch reiner Unsinn ist , da bekanntlich nur große Bildung genußfähig macht . So - oder so ähnlich dachte Safur , als er grade mit den beiden reichen Leuten vernünftig reden wollte . Am Reden ward er leider durch seine Magenschmerzen verhindert - er hatte doch in der Nacht allzu viel Aalpastete gegessen . Das Fastenfest mochte auch Schuld an den Magenschmerzen haben . Ja - das Fastenfest ! Jakuby konnte sich über den Muiullempel zu Hauran garnicht beruhigen - er erzählte den beiden Dicken von den Priestern und den Götzen so viel , daß bald Alle dem alten Geographen zuhörten - auch die dreißig Sängerinnen und Saids drei Köchinnen - der junge Hamadany ebenfalls , da er noch nüchtern war . Jakuby schilderte besonders eingehend die Selbstgeißelung einiger Jünglinge , die sich mit schweren Ketten den Rücken zerschlugen und sich mit Steinmessern gräßlich verwundeten und so fürchterlich schrieen und sich die fürchterlichsten Brandwunden beibrachten . Der eine Jüngling hielt sich , als er auf einem Fuße stand , die brennende Fackel unter der Sohle des andern Fußes ... Die dreiunddreißig Frauen kreischten bei diesen Erzählungen so entsetzlich , daß mans geradezu als Erholung empfand , wie sie wieder ein paar abgedroschene Lieder sangen . Osman und Kodama freuten sich auch jetzt wieder - sie waren in so gereizter Stimmung , daß ihnen der Ärger der Andern das einzige Vergnügen zu bereiten schien . Ganz Bagdad schien sich in gereizter Stimmung zu befinden . Es lag so was vom wilden Tier in der Luft - so was Grausames . In den acht Wochen , in denen Battany mit Safur , Suleiman , Abu Hischam , Abu Maschar und Jakuby nach Hauran reiste - hoch zu Kamel mit seinen Mongolen und seinen Schwarzen - in diesen acht Wochen hatte sich manches Unangenehme in Bagdad begeben . In der Chalifenburg hatte man sich mit dem Bunde der lauteren Brüder in sehr gereizter Stimmung beschäftigt . Der Chalif tobte wie ein toller Hund , als er von dem Geheimbunde hörte . Ach - mit dem Chalifen Mutadid wars schon damals nicht ganz richtig , er litt am Verfolgungswahn - in der Nacht erschien ihm immer ein weißgekleideter Geist mit einem langen weißen Bart und einem langen weißen Dolch . Wenn der Geist dem Chalifen erschien - dann konnten sich seine Diener die Hände schütteln - einem von ihnen gings dann