eine Tasse Thee ? er ist im Moment fertig . Hier ist Konfekt « . Er schob ein Tellerchen mit Zuckerwerk heran . » Aber nein « sagte sie überrascht , » das sieht ja aus als ob du Gäste erwartest . Kommt jemand zu dir ? « » Außer der , die gekommen ist , niemand « . » Aber du wußtest doch garnicht , daß ich käme , wie konntest du das alles für mich herstellen ? « Er lachte . » Ich dachte schon lange , daß du mich vielleicht einmal besuchen würdest - aber - sappristi , frag nicht so viel « . Er riß sie an sich . Sie zog die Brauen schmerzlich zusammen . » Laß mich doch ; das mag ich nicht « . » Was ? Wie ? Magst du nicht ? Wart , kleiner Unhold , heute will ich mich rächen für all die Teufeleien , womit du mich seit Monden quälst « . Er wollte sie auf seinen Schooß ziehen . Sie stieß ihn von sich und erhob sich . Er knirschte die Zähne zusammen , bemühte sich aber , ruhig zu bleiben . » So , so , du entfliehst mir ? na meinetwegen ; aber den Wein trink doch gefälligst aus ; er ist nicht vergiftet , wenn er auch von mir ist « . » Ich mag keinen Wein « sagte sie und näherte sich der Thür . Er sprang auf . » Johanne ! Bleibe doch noch einen Augenblick . Schau , es ist so hübsch , daß du da bist . Wer weiß , wenn wieder - ich will ganz brav sein . Komm , noch ein bischen « . Seine Hand ergriff die ihre , während er mit der andern das Weinglas an ihren Mund hob . » Mir zu liebe , aber ex « . Sie that einen Schluck . » Ex « kommandierte er . Sie trank das Glas leer . » Und jetzt noch ein Augenblickchen , ja ? « Er zog sie neben sich . Sie sah umher . » Wo ist denn der Brief ? Du sagtest doch , er eilte « . » Ach was , meinetwegen . Ich bin augenblicklich so glücklich , daß mir alles andere gleichgültig ist « . Er nahm eine Feige von dem Tellerchen und wollte sie zwischen ihre Lippen stecken . Sie lachte und bog sich zurück . » Magst du nichts Süßes ? « » O doch « . » Na , dann also ... « Plötzlich hatte er seine Arme um sie geworfen . » Du , ich bin ganz rasend . Quäl mich doch nicht so , Mädel . Gieb mir einen Kuß « . Sie wollte etwas entgegnen ; er preßte sein Gesicht auf das ihre . » Du erdrückst mich ja ... « » Ach was ... « » Hörst du ? « Ihre Hand faßte krampfhaft sein Haar . » Laß mich « . » Fällt mir nicht ein . Die Komödie muß ein Ende haben . Dummes Ding , gieb doch nach ; hörst du ? « Mit einer zornigen Bewegung suchte sie ihn abzuschütteln . Dabei glitt die Tischdecke herab und der Inhalt der Weinkaraffe ergoß sich in roten Strömen über beide . Er sprang in die Höhe . » Auch das noch « . Sie hörte ihn ein heftiges Schimpfwort murmeln und stürzte hinaus . Ihr Hut , ihre Jacke , ihre Handschuhe waren oben liegen geblieben . Barhäuptig in ihrem dünnen Kleidchen , mit losgegangenen Flechten , rannte sie durch die Gassen . Die Leute blieben stehen und sahen ihr nach . In ihrem Zimmer angelangt , fiel sie halb bewußtlos aufs Bett ... Zwei Tage lang lag sie wie im Fieber . Frau Wewerka sah ab und zu nach ihr . Am dritten Tag , als sie sich wohler fühlte und aufstehen wollte , sagte die Hausfrau : » Mein armes Kind , teilen Sie mir doch mit , was Ihnen widerfahren ist ; man braucht sich nicht alles gefallen zu lassen . Vielleicht kann ich Ihnen irgend einen guten Rat geben « . Das junge Mädchen schüttelte den Kopf . » Lassen Sie mich nur ; mir ist ganz gut . Ich habe mich neulich erkältet ; das ist alles « . » Nun , wie Sie wollen . Ein Dienstmann hat übrigens ein Packet für Sie gebracht . Es war so unordentlich verschlossen , daß alles beim Empfang herausfiel . Hut , Handschuhe und Jacke habe ich in Ihren Schrank gehängt « . Frau Wewerka lächelte ein wenig . Johanne kehrte sich gegen die Wand und flüsterte : » danke « . Nachmittags stand sie auf . Sie ging aus einer Ecke in die andere , sah zum Fenster hinaus und kehrte wieder ins Bett zurück . Sie fühlte sich wie zerbrochen . Ihre Hände und Füße zitterten . Die Arme unter dem Kopf verschränkt lag sie da . Was nun ? Was sollte sie nun beginnen ? Ins Fröbelhaus zurückgehen ? den ironischen Gesichtern der Lehrerinnen begegnen ? Dann mußte sie jedenfalls auch den abgebrochenen Kurs wieder von vorn beginnen , was so viel hieß , als den Aufenthalt hier um ein Jahr verlängern . Nur das nicht . Lieber - Sollte sie geradewegs nach Sienenthal zurück ? Aber was würde ihr Vormund , der Pastor , und jeder , der sie kannte , von ihr denken ? Und was sollte sie in Sienenthal ? Kartoffel schälen in der Küche der alten Schlächterin ? Mein Gott ! War jung sein wirklich ein Glück ? Was sollte sie nur mit sich anfangen ? Jetzt , da sie die ganze Schurkerei Tages kennen gelernt hatte , glaubte sie auch nicht mehr an ihr Talent . Er hatte ihr wohl nur eingeredet , daß sie dichterische Begabung besaß , um Macht über sie zu gewinnen Sie begann ihn zu durchschauen . Und das war der Mann , dessen Biographie in allen