bleiben . Die ganze Soldatenspielerei hänge ihm zum Halse heraus . Nach dem Manöver werde er abgehen und nach Halbenau kommen . Pauline möchte zu seinen Eltern gehen und ihnen seinen Entschluß mitteilen . Pauline war überglücklich . Wie gut Gustav war ! Das Mädchen trug den Brief Tag und Nacht bei sich . In unbewachten Augenblicken nahm sie ihn vor und las darin . Jedes seiner Worte war ihr teuer . Sie hatte sich doch nicht in Gustav getäuscht . Wie oft hatte ihr die eigene Mutter abgeredet , sich weiter mit ihm abzugeben , er sei ein Leichtfuß und werde sie ganz sicher sitzen lassen . Auch andere hatten sie gewarnt . Gustavs eigenes Benehmen schien eine Zeitlang jenen Warnern recht zu geben . Die häßlichsten Dinge waren ihr von Gustav Büttner hinterbracht worden . Sie hatte an ihm festgehalten . Sie konnte ja nicht von ihm lassen . Er war ja der Vater ihres Kindes ! Nun war ihr Vertrauen doch nicht umsonst gewesen . In diesem Briefe war es ausgesprochen , zwar nicht mit Worten - das Heiraten war mit keiner Silbe erwähnt - aber zwischen den Zeilen lag es . Und Pauline wußte in den Briefen ihres Geliebten zu lesen . Das einfache Mädchen hatte von Natur jene weibliche Gabe mitbekommen , dort ahnend zu wissen , wo ihr Verstehen aufhörte . Gustav verließ im Herbst die Truppe , kam nach Halbenau zurück . Das hieß so viel wie : sie wurde seine Frau . Sie wußte es . Alles Nachdenken darüber war unnötig . Es war so ! Und sie sollte zu den alten Büttners gehen und ihnen seinen Entschluß mitteilen . Sie hatte er zu seinem Boten ausersehen für diese Botschaft . Darin allein schon lag alles ausgesprochen . Die Familie sollte erkennen , daß sie ihm die Wichtigste sei , der er , zuerst von allen , seine Pläne mitteilte . - Am nächsten Sonntagnachmittag begab sich Pauline auf das Büttnersche Bauerngut . Sie traf die Frauen allein . Der Bauer und Karl waren ausgegangen . Die Bäuerin hatte die Gelegenheit benutzt , wo ihr Eheherr abwesend war , um für sich und die Töchter einen Sonntagsnachmittagskaffee zu brauen . Der Büttnerbauer sah nämlich den Kaffeegenuß als Verschwendung an und hatte ein für allemal ein Verbot gegen solchen Aufwand ergehen lassen . Selbst zum Frühstück gestattete er nur Milch und Mehlsuppe , wie sie seit Urgedenken seine Vorfahren genossen hatten . Die Frauen waren im Bewußtsein des verbotenen Tuns auf dem Lugaus . Pauline wurde daher schon von weitem erkannt . Vier Köpfe waren hinter den Fenstern des Wohnzimmers , als sie das Gehöft betrat . » Katschners Pauline ! « hörte sie rufen und darauf ein Getuschel von weiblichen Stimmen . Jetzt wurde sie auf einmal zaghaft beim Anblick dieser neugierigen Frauengesichter . Bis dahin hatte sie sich tragen lassen von der Begeisterung ihres Entschlusses . Erst in diesem Augenblicke fiel es ihr aufs Herz , daß sie hier ja mit Feinden und Nebenbuhlern zu tun haben werde . Trotzdem pochte sie an , wenn auch zaghaft ; denn jetzt war an eine Umkehr nicht mehr zu denken . Therese öffnete ihr . Mit bloßen Armen und Halse stand die unschöne , hagere Frau auf der Schwelle und musterte Pauline mit mißgünstigen Blicken . » Willst de zu uns ? « fragte sie in barschem Tone . Pauline erklärte schüchtern , daß sie zur Bäuerin wolle . » Se spricht , se wollte zu Sie , Mutter ! « erklärte Therese , ihren kropfigen Hals nach rückwärts ins Zimmer drehend . » Nu kimm ack rei , Pauline , kimm ack rei ! « rief die Bäuerin , bei der die Gutmütigkeit die weibliche Ränkesucht um ein Gutes überwog ! Pauline trat mit niedergeschlagenen Augen und unsicheren Bewegungen ein . Daß auch gerade Therese sie hatte einlassen müssen ! Die beiden waren ungefähr gleichalterig und hatten derselben Klasse angehört . Katschners Pauline hatte immer eine besondere Stellung gehabt , schon in der Schule , ihrer Geschicklichkeit und ihres sauberen Aussehens wegen . Vor allem aber war sie beneidet worden von den anderen um ihren vertrauten Umgang mit der Komtesse . Therese aber , die mit Hilfe anderer Eigenschaften , durch : Härte , Kraft und ein frühzeitig entwickeltes scharfes Mundwerk , eine Rolle unter den Gleichaltrigen gespielt hatte , war stets Paulinens ärgste Widersacherin gewesen . Das Verhältnis zwischen den beiden hatte sich eher verschlechtert als gebessert , seit Therese den ältesten Sohn aus dem Büttnerschen Bauerngut geheiratet und Pauline die Geliebte des jüngeren Sohnes geworden war . Therese hatte nicht wenig dazu beigetragen , die übrige Familie gegen diese Liebschaft einzunehmen und Paulinen jede Annäherung an Gustavs Verwandte bisher unmöglich zu machen . Das Mädchen schritt zunächst auf die Bäuerin zu , die vor ihrer Tasse am Tische saß , und reichte ihr die Hand . » Gun Tag , Bäuern ! « » Gun Tag , Pauline , gun Tag ! « Darauf ging Pauline zu den beiden Mädchen , denen sie gleichfalls die Hand reichte . » Gun Tag , Toni ! Gun Tag , Ernstinell « Die beiden sahen sie befremdet an , ohne etwas zu sagen . Toni war ohne Arg . Das schwerfällige , harmlose Geschöpf hatte keinerlei Stellung zu dieser Familienangelegenheit genommen . Die kleine Ernestine dagegen betrachtete die Geliebte des Bruders halb mit Spott , halb mit frühreifer Neugier . Trotz ihrer Befangenheit hatte Pauline , mit dem jeder wissenden Frau in solchen Dingen eigenen schnellen Begriffsvermögen sofort festgestellt , daß das Dorfgerücht wahr sei , welches behauptete , Büttners Älteste sei guter Hoffnung . Pauline kümmerte sich eigentlich wenig um den Dorfklatsch - sie ging nicht mehr zum Tanz , seit sie den Jungen hatte - aber Nachbarn und Freunde hinterbrachten ihr doch dieses und jenes . So war schließlich auch diese Neuigkeit zu ihr gedrungen . Da niemand sie aufforderte , sich zu setzen , blieb Pauline stehen . Man wartete