und nur die beiden alten Damen , die den Namen Poggenpuhl trugen und doch keine Poggenpuhls waren , blieben in der Veranda zurück . Der Diener wollte den Frühstückstisch abräumen . » Laß noch , Joseph « , sagte die Generalin , und als sie wieder allein waren , sahen beide auf das Gartenrondel und dann , über eine von Efeu überwachsene Mauer fort , auf die Dächer der Dorfstraße , zwischen denen der Kirchturm mit seinem grünen Kupferdach aufragte . Die Gedanken beider gingen denselben Weg , sie dachten an den , der nun da drüben in der stillen Gruft lag . Eine Weile verging , ohne daß ein Wort gesprochen worden wäre , dann nahm die Generalin der Majorin Hand und sagte : » Liebe Frau Majorin , ich muß nun noch etwas richtigstellen zwischen uns . Etwas Geschäftliches . Und ich denke , Sie werden mir zustimmen in dem , was ich vorzuschlagen habe . « » Das werde ich gewiß . Ich darf das sagen , ohne daß ich weiß , um was es sich handelt . Ich habe zu sehr erfahren , wie gütig Sie sind . « » Nun denn ohne Umschweife . Sie wissen durch Sophie , die mir diese Ausplauderei nachträglich gebeichtet , wie die Besitzverhältnisse liegen . Adamsdorf verbleibt mir bei meinen Lebzeiten , dann fällt es an die Familie meines ersten Mannes zurück . Mein eingebrachtes Vermögen ging verloren . Auch davon werden Sie wissen . Aber diesen Vermögensverlust war ich doch imstande später wieder zu begleichen , wenigstens einigermaßen . Poggenpuhl bestritt seine kleinen Liebhabereien von seiner Pension , unser Haushalt wurde sparsam geführt , und so hab ich mich in der glücklichen Lage gesehen , schlechter Ernten unerachtet , ein bescheidenes Privatvermögen aufs neue sammeln zu können . Darüber habe ich freie Bestimmung , und ehe Sie Adamsdorf verlassen , sollen Sie hören , wie ich darüber verfügt habe . Die Summe selbst beträgt bis zur Stunde nicht mehr als etwa siebzehntausend Taler - ich rechne noch nach Talern - , von denen ich zwölftausend Taler in fünfprozentigen Papieren bei meinem Bankier in Breslau deponiert habe . Sie werden davon , vom ersten Oktober an , die vierteljährlichen Zinsen empfangen , so daß sich Ihre Jahreseinnahmen um etwa sechshundert Taler verbessern werden . Das Kapital ist unkündbar . Nur im Falle sich eine Ihrer Töchter verheiraten sollte , wird ihr ihr Anteil ausgezahlt . Wenn sich alle drei verheiraten , würde für Sie , meine gnädige Frau , nur ein Geringes übrigbleiben , aber Ihnen verbliebe dann die ganze staatliche Pension , und ich weiß von vielen Jahren her , wie anspruchslos Sie Ihr Leben einzurichten wissen . « Die Majorin war so gerührt , daß sie stumm dasaß und vor sich hin blickte , während die Generalin fortfuhr : » Dann sind da freilich noch die Söhne , und die sollen nicht vergessen sein . Aber das ist eine Privatsache , die das andere nicht berührt ; sie werden sich mit kleinen einmaligen Geschenken ihrer Tante begnügen müssen . Ich habe vor , an Wendelin , der ein guter Wirt ist und den Wert des Geldes kennt , tausend Taler zu schicken , an Leo fünfhundert . Leo wird sich davon einen guten Tag machen ; er ist ein Leichtfuß , woran ich aber keine moralischen Betrachtungen knüpfe , denn auch die Leichtfüße sind mir sympathisch , vorausgesetzt , daß Anstand und gute Gesinnung in dem leichten Leben nicht untergehen . Für meine teure Sophie behalte ich mir noch Sonderentschlüsse vor . Das war es , meine liebe Frau Majorin , was ich Ihnen vor Ihrer Abreise noch mitteilen wollte . « Die Sonne schimmerte gedämpften Lichts durch die noch dicht in Laub stehenden Bäume , auf das Rondel und die Beete aber , die sich vor der Veranda ausdehnten , fiel ihr voller Schein , und die noch hie und da blühenden Balsaminen und Verbenen leuchteten auf in einem helleren Weiß und Rot . Von dem Gutshof her stiegen Tauben auf und flogen hoch über den Garten hin , auf den Kirchturm zu , den sie umschwärmten , ehe sie sich auf den kupfernen Helm und den First des Daches niederließen . Die Majorin wollte der Generalin die Hand küssen , aber diese umarmte sie und küßte sie auf die Stirn . » Ich bin glücklicher als Sie « , sagte die Generalin . » Das sind Sie , gnädige Frau . Glücklich machen ist das höchste Glück . Es war mir nicht beschieden . Aber auch dankbar empfangen können ist ein Glück . « Fünfzehntes Kapitel An dem Tage , an dem die Poggenpuhls zurückerwartet wurden , war nicht bloß Friederike , sondern auch die Portierfamilie in einer gewissen Aufregung . Es hing dies , soweit die Nebelungs in Betracht kamen , mit dem zufälligen Umstande zusammen , daß infolge Verreistseins eines in der zweiten Etage wohnenden freikonservativen Geheimrats die für diesen bestimmten Zeitungen unten in der Portierwohnung abgegeben und von dem ebenso neugierigen wie gern faulenzenden Nebelung ( seine Frau mußte sich dafür quälen ) je nach Laune durchstudiert oder auch bloß überflogen wurden . Unter diesen Zeitungen war auch die » Post « , in der in der heutigen Morgennummer des Hinscheidens des Generalmajors von Poggenpuhl kurz Erwähnung geschehen war , unter gleichzeitiger Anfügung der Worte : » Siehe auch die Todesanzeigen . « Auf diese stürzte sich nun unser Nebelung sofort , und als er die schwarz umränderte Anzeige gefunden und mit einem gewissen Grinsen aufmerksam gelesen hatte , schob er das Blatt seiner vierzehnjährigen , mit ihren zwei Brüdern gerade beim Nachmittagskaffee sitzenden Tochter Agnes zu und sagte : » Da , Agnes , lies mal ; das da , wo die dicken schwarzen Striche sind . « Und Agnes , die nicht bloß bleichsüchtig , sondern wegen ihrer Figur und ihrer Vorliebe für die » Jungfrau von Orleans « auch fürs Theater bestimmt war , las , während alles aufhorchte