Kaffeepassion . Und das ist immer das Schlimme , daß die Menschen grade die Passion haben , die sie nicht haben sollen . Also , Mützell , eine Tasse mag gehen , aber nicht zwei . « Leopold hatte mit sehr geteilten Empfindungen zugehört und nicht gewußt , ob er lachen oder verdrießlich werden solle . » Nun , Mützell , dann also lassen wir ' s ; keine zweite . « Und damit nahm er seinen Platz wieder ein , während sich Mützell in seine Wartestellung an der Hausecke zurückzog . » Da hab ich nun mein Leben auf einen Schlag « , sagte Leopold , als er wieder allein war . » Ich habe mal von einem gehört , der bei Josty , weil er so gewettet hatte , zwölf Tassen Kaffee hintereinander trank und dann tot umfiel . Aber was beweist das ? Wenn ich zwölf Käsestullen esse , fall ich auch tot um ; alles Verzwölffachte tötet einen Menschen . Aber welcher vernünftige Mensch verzwölffacht auch sein Speis und Trank . Von jedem vernünftigen Menschen muß man annehmen , daß er Unsinnigkeiten unterlassen und seine Gesundheit befragen und seinen Körper nicht zerstören wird . Wenigstens für mich kann ich einstehen . Und die gute Mama sollte wissen , daß ich dieser Kontrolle nicht bedarf , und sollte mir diesen meinen Freund Mützell nicht so naiv zum Hüter bestellen . Aber sie muß immer die Fäden in der Hand haben , sie muß alles bestimmen , alles anordnen , und wenn ich eine baumwollene Jacke will , so muß es eine wollene sein . « Er machte sich nun an die Milch und mußte lächeln , als er die lange Stange mit dem schon niedergesunkenen Milchschaum in die Hand nahm . » Mein eigentliches Getränk . Milch der frommen Denkungsart würde Papa sagen . Ach , es ist zum Ärgern , alles zum Ärgern . Bevormundung , wohin ich sehe , schlimmer als ob ich gestern meinen Einsegnungstag gehabt hätte . Helene weiß alles besser , Otto weiß alles besser , und nun gar erst die Mama . Sie möchte mir am liebsten vorschreiben , ob ich einen blauen oder grünen Schlips und einen graden oder schrägen Scheitel tragen soll . Aber ich will mich nicht ärgern . Die Holländer haben ein Sprichwort : Ärgere dich nicht , wundere dich bloß . Und auch das werd ich mir schließlich noch abgewöhnen . « Er sprach noch so weiter in sich hinein , abwechselnd die Menschen und die Verhältnisse verklagend , bis er mit einem Mal all seinen Unmut gegen sich selber richtete : » Torheit . Die Menschen , die Verhältnisse , das alles ist es nicht ; nein , nein . Andere haben auch eine auf ihr Hausregiment eifersüchtige Mama und tun doch , was sie wollen ; es liegt an mir . Pluck , dear Leopold , that ' s it , das hat mir der gute Nelson noch gestern abend zum Abschied gesagt , und er hat ganz recht . Da liegt es ; nirgend anders . Mir fehlt es an Energie und Mut , und das Aufbäumen hab ich nun schon gewiß nicht gelernt . « Er blickte , während er so sprach , vor sich hin , knipste mit seiner Reitgerte kleine Kiesstücke fort und malte Buchstaben in den frischgestreuten Sand . Und als er nach einer Weile wieder aufblickte , sah er zahlreiche Boote , die vom Stralauer Ufer her herüberkamen , und dazwischen einen mit großem Segel flußabwärts fahrenden Spreekahn . Wie sehnsüchtig richtete sich sein Blick darauf . » Ach , ich muß aus diesem elenden Zustande heraus , und wenn es wahr ist , daß einem die Liebe Mut und Entschlossenheit gibt , so muß noch alles gut werden . Und nicht bloß gut , es muß mir auch leicht werden und mich gradezu zwingen und drängen , den Kampf aufzunehmen und ihnen allen zu zeigen , und der Mama voran , daß sie mich denn doch verkannt und unterschätzt haben . Und wenn ich in Unentschlossenheit zurückfalle , was Gott verhüte , so wird sie mir die nötige Kraft geben . Denn sie hat all das , was mir fehlt , und weiß alles und kann alles . Aber bin ich ihrer sicher ? Da steh ich wieder vor der Hauptfrage . Mitunter ist es mir freilich , als kümmere sie sich um mich und als spräche sie eigentlich nur zu mir , wenn sie zu anderen spricht . So war es noch gestern abend wieder , und ich sah auch , wie Marcell sich verfärbte , weil er eifersüchtig war . Etwas anderes konnte es nicht sein . Und das alles ... « Er unterbrach sich , weil eben jetzt die sich um ihn her sammelnden Sperlinge mit jedem Augenblicke zudringlicher wurden . Einige kamen bis auf den Tisch und mahnten ihn durch Picken und dreistes Ansehen , daß er ihnen noch immer ihr Frühstück schulde . Lächelnd zerbrach er ein Biskuit und warf ihnen die Stücke hin , mit denen zunächst die Sieger und , alsbald auch ihnen folgend , die anderen in die Lindenbäume zurückflogen . Aber kaum daß die Störenfriede fort waren , so waren für ihn auch die alten Betrachtungen wieder da . » Ja , das mit Marcell , das darf ich mir zum Guten deuten und manches andere noch . Aber es kann auch alles bloß Spiel und Laune gewesen sein . Corinna nimmt nichts ernsthaft und will eigentlich immer nur glänzen und die Bewunderung oder das Verwundertsein ihrer Zuhörer auf sich ziehen . Und wenn ich mir diesen ihren Charakter überlege , so muß ich an die Möglichkeit denken , daß ich schließlich auch noch heimgeschickt und ausgelacht werde . Das ist hart . Und doch muß ich es wagen ... Wenn ich nur wen hätte , dem ich mich anvertrauen könnte , der mir riete . Leider hab ich niemanden , keinen Freund ; dafür hat Mama auch