Hanne fragt ihn leise-geheimnisvoll , er schließt lächelnd die Augen , als ob auch er darüber nachdächte . - Doch er hat noch nicht reden gelernt , er kann das Wort noch nicht sagen . » Hab mir ' s denkt , daß du dich daher verkriechst « , lachte es schrill hinter der Hanne , und als sie sich umwandte , blitzten sie die dunklen Augen der Strohschneider-Marie an . Es hätte nicht viel gefehlt , so wäre der kleine Bursche mitten ins Gras gepurzelt , so erschreckt stand das Mädchen vor der Marie . » Ich spionier schon die längste Zeit nach , wo ich dich einmal allein erwischen kann , aber es hat halt niemals klappen wollen , sonst sagen die Blauen Gäns , ich renn deinem Leopold nach « , spöttelte sie . Die Hanne überhörte den Scherz und frug wie aus dem Schlaf : » Warum suchst mich denn ? « » Ich hab dir sagen wollen , daß ich einen Herrn Vetter hab , der einen ehrlichen Mann zum Geldeinkassieren braucht und einen sucht . Der Leopold wird bei uns herunten an viele Türen klopfen müssen , bis sie irgendwo eine aufmachen . Das hat ihm sein Weib eingebrockt . Ich mein aber , auf die Länge wirst du die Rackerei für euch drei und noch was drüber nicht aushalten . « » Wer sagt dir ' s , da-ß i-ch ... « » Halt ' s Maul ! Glaubst , alle Leut sind aufs Hirn gefalln ? Oder meinst , wir sind blind ? Wir sind unser zwei , die Klara und ich , und wir verdienen das Geld noch leichter und geschwinder als du mit deinem zaundürren Rössel , und doch wird mir die Plag oft zu dumm . Aber die Frau Mutter ist immer mieselsüchtig , und die Kinder wachsen so langsam und sind allerweil hungrig . « » Ja , ja , das kenn ich « , sagte die Hanne frauenhaft . » Ob du es kennst ! « lachte die Marie mitleidig , » zuerst hast deine Geschwister aufgepäppelt und hast das Futter verdienen helfen , und jetzt - hörst , Mädel , du bist schon die Allerdümmste - jetzt hockst du mit dem hochmütigen Weibsbild ihrem Balg auf dem Hals und rackerst dich zusammen für einen krüppelhaften Mann , der dich nimmt , weil du ihm halt bei der Hand bist . Recht haben die Leut . Schäm dich ! « Die Hanne drückte das Kind fest an sich , nickte grüßend mit dem Kopfe und wollte davon . » Halt aus ! - Meinst du , ich kenn das G ' sicht nicht ? Das hast von der Lene gelernt , die hat so heruntergeschaut auf unsereins . - Na , die ist ja schön genug - und niemand hat ihr was nachsagen können , darauf hat sie sich g ' steift . - Aber du und - ich , wir dürfen keine solchen Gesichter aufstecken . « Auf eine Antwort wartete die Strohschneider-Marie freilich vergebens , die Hanne blieb mit gesenktem Kopfe stehen und beschwichtigte das Kind , das wieder unruhig wurde . » Vielleicht bist doch so g ' scheit und nimmst das Zettel da « , sie griff in die Schürzentasche und gab ein zusammengelegtes Papier der Hanne , » da steht die Hausnummer und der Name von meinem Herrn Vetter drauf . - Gib ' s dem Poldl . Sag nicht , daß es von mir ist , es könnt ihm sonst die gute Suppe versalzen . Also , Kameradin , g ' scheit sein . Was ich da Zeit verplausch ! Wann dich aber der Lepold einmal - ah ! was geht das mich an ! - Behüt dich Gott ! « Sie wollte der Hanne die Hand reichen , besann sich aber wieder , lachte ihr laut ins Gesicht und drehte sich jäh um . Rasch sprang sie durch das Gras , das ihr bis an die Hüften reichte , duckte sich , um den niedersten Ästen auszuweichen , spähte erst durch ein Astloch hinaus , ob niemand in der Nähe sei , dann rückte sie gewandt die Plankenbretter auseinander , preßte sich durch den Spalt , lief einige Schritte die Trockenwiese entlang , blieb jählings stehen und hub an zu singen : » Behüt Gott und bleib g ' sund , Und vergiß nicht mein Wort , Nie wie Katz und wie Hund , Wie die Täuberln lebt ' s fort . « Die Marie jodelte lustig , lief wieder einige Schritte weiter , hielt inne und schaute zurück auf den Judengarten . Die Stirne wurde wieder so kantig , wie das immer geschah , wenn in dem hellen Kopfe ein Gedanke arbeitete , für den sie keine rechten Worte fand . Eine Weile blieb sie stehen und hielt die Planke im Auge , dann stand sie neuerdings still und sang : » Sei nicht z ' wider , sei lustig , Es kost ' allerweil ein Geld , Lern singen - lern lachen ! - Über die bucklete Welt ! « Nach dieser frisch gejodelten Lebensweisheit schlenderte die Marie weiter , und wie eine heitere Mahnung klang ihr Gesang zurück in den verzauberten Garten . Die Hanne hielt den Zettel fest in der Hand , und als sie die Stimme der Sängerin nimmer hörte , stolperte sie verschüchtert und verschreckt den bekannten Weg , schlüpfte durch die Planke und lief heim . » Da bring ich dir vielleicht eine gute Stell , Lepold , gelt , du gehst hin und schaust ' s an ? « Ohne viel danach zu fragen , woher die Hanne den Zettel brachte , nahm ihn der Leopold an sich und ging zu dem Manne , der die Stelle zu vergeben hatte . Die Strohschneider-Marie mochte wohl schon früher mit ihrem Vetter gesprochen haben , denn als er sich nach Name und Wohnort des Leopold erkundigte und ihn schonend frug , wo sein zweiter