einer gewissen prinzeßlichen Grazie , worauf sie den General , der nicht unempfindlich dagegen war , unter erneuten Huldbeweisen entließ . Vom Zelt her aber klangen bereits allerlei Hochs , und die Musik intonierte das nationale » König Christian stand am hohen Mast « , bis es in den » dappren Landsoldaten « überging . Und nun hatte die Prinzessin samt Gefolge den Tiergarten erreicht , der gleich hinter Klampenborg mit seiner Südspitze die Chaussee berührte . Hier gab sie Erichsen ihren Arm . Dann folgte die Schimmelmann mit Pentz , weiter zurück Holk mit Ebba , Holk in sichtlicher Verlegenheit , wie das Gespräch einzuleiten sei . Denn ihm war nicht entgangen , daß er am Vormittage , während der Audienz bei der Prinzessin , von seiten Ebbas mit einem leisen Anfluge von Spott und Überlegenheit beobachtet worden war , während der Nachmittagsfahrt aber hatte sich die Gelegenheit zu irgendwelcher Anknüpfung noch nicht finden lassen wollen . Endlich begann er : » Wir werden einen wundervollen Sonnenuntergang haben . Und kein schönerer Platz dazu als dieser . Diese prächtige Plaine ! Es sind jetzt sieben Jahr , daß ich in Klampenborg war , und in der Eremitage nie . « » Schreckte Sie der Name ? « » Nein . Denn ich bin meiner Neigung und Lebensweise nach mehr oder weniger Eremit , und wäre nicht die Prinzessin , die mich dann und wann in die Welt ruft , ich könnte mich den Eremiten von Holkenäs nennen . Himmel und Meer und ein einsames Schloß auf der Düne . « » Auf der Düne « , wiederholte das Fräulein . » Und ein einsames Schloß . Beneidenswert und romantisch . Es liegt so was Balladenhaftes darin , so was vom König von Thule . Freilich der König von Thule , wenn mir recht ist , war unverheiratet . « » Ich weiß doch nicht « , sagte Holk , den der Ton des Fräuleins sofort aus aller Verlegenheit riß . » Ich weiß doch nicht . Wirklich eine Doktorfrage . War er unverheiratet ? Wenn mir recht ist , heißt es , er gönnte alles seinen Erben , was doch auf Familie zu deuten scheint . Freilich , es kann eine Nebenlinie gewesen sein . Trotzdem möchte ich vermuten , er war verheiratet und im Besitz einer klugen Frau , die dem Alten , über den sie vielleicht , oder sagen wir sehr wahrscheinlich , lächelte , seine Jugendschwärmerei mit dem Becher gönnte . « » Das läßt sich hören « , sagte das Fräulein , während ihr der Übermut aus den Augen lachte . » Sonderbar . Bisher erschien mir die Ballade so rund und abgeschlossen wie nur möglich : der König tot , der Becher getrunken und gesunken und das Reich ( vom Balladenstandpunkte aus immer das Gleichgültigste ) jedem gegönnt und an alle verteilt . Aber wenn wir an das Vorhandensein einer Königin glauben , und ich stehe darin nachträglich ganz auf Ihrer Seite , so fängt die Sache mit dem Tode des Alten erst recht eigentlich an , und der König von Thule , das Geringste zu sagen , ist unfertig und fortsetzungsbedürftig . Und warum auch nicht ? Ein Page wird sich am Ende doch wohl finden lassen , der sich bis dahin verzehrt hat und nun wieder Farbe kriegt oder Eisen im Blut , um mit einem Zitat unserer gnädigsten Prinzessin zu schließen . « » Ach , meine Gnädigste « , sagte Holk , » Sie spotten über Romantik und vergessen dabei , daß Ihr eigener Name mit einem sehr romantischen Hergange , der wohl eine Ballade verdient hätte , verflochten ist . « » Mein Name ? « lachte das Fräulein . » Und mit einem romantischen Hergange verflochten ? Bezieht es sich auf Ebba ? Nun , das würde sich hören lassen , das ginge ; denn schließlich laufen alle Balladen auf etwas Ebba hinaus . Ebba ist Eva , wie Sie wissen , und bekanntlich gibt es nichts Romantisches ohne den Apfel . Aber ich sehe , Sie schütteln den Kopf und meinen also nicht Ebba und nicht Eva , sondern Rosenberg . « » Gewiß , mein gnädigstes Fräulein , ich meine Rosenberg . Genealogisches zählt nämlich zu meinen kleinen Liebhabereien , und die zweite Frau meines Großonkels war eine Rosenberg ; so bin ich denn in Ihre Geschlechtssagen einigermaßen eingeweiht . Alle Rosenbergs , wenigstens alle die , die sich Rosenberg-Gruszczynski nennen , bei den Lipinskis steht es aber etwas anders , stammen von einem Bruder des Erzbischofs Adalbert von Prag , der , an der sogenannten Bernsteinküste , von der Kanzel herabgerissen und von den heidnischen Preußen erschlagen wurde . Diese Kanzel , wenn auch zerstückelt und zermürbt , existiert noch und ist das Palladium der Familie ... « » Wovon ich leider nie gehört habe « , sagte das Fräulein in anscheinendem oder vielleicht auch wirklichem Ernste . » Woraus mir nur hervorgehen würde , daß Sie , statt dem Gruszczynskischen , wahrscheinlich dem Lipinskischen Zweige der Familie zugehören . « » Zu meinem Bedauern auch das nicht . Freilich , wenn ich Lipinski mit Lipesohn übersetzen darf , ein Unterfangen , das mir die berühmte Familie verzeihen wolle , so würde sich , von dem in dieser Form auftretenden Namen aus , vielleicht eine Brücke zu mir und meiner Familie herüber schlagen lassen . Ich bin nämlich eine Rosenberg-Meyer oder richtiger eine Meyer- Enkeltochter des in der schwedischen Geschichte wohlbekannten Meyer-Rosenberg , Lieblings-und Leibjuden König Gustavs III. « Holk schrak ein wenig zusammen , das Fräulein aber fuhr in einem affektiert ruhigen Tone fort : » Enkeltochter Meyer-Rosenbergs , den König Gustav später unter dem Namen eines Baron Rosenberg nobilitierte , Baron Rosenberg von Filehne , welchem preußisch-polnischen Ort wir entstammen . Es war der Sitz unserer Familie durch mehrere Jahrhunderte hin . Und nun lassen Sie mich , da Sie sich für genealogisch Anekdotisches interessieren , noch in Kürze hinzusetzen , daß es