aber ist nichts zu machen , trotzdem wir das bißchen Mondschein haben . Ich denk also , wir sind morgen in aller Frühe hier wieder beisammen , sagen wir um fünf , und nehmen dann mit uns , was wir von Mannschaften zu so früher Stunde zur Hand haben können . Vor allem aber halten wir reinen Mund , daß die Fremden keinen Schreck kriegen und nicht etwa denken , unser altes Krummhübel sei über Nacht eine Mördergrube geworden . « Alle waren einverstanden , und Frau Opitz , der die gutmütige Kretschamwirtin eine von ihren Mägden als Begleitung mit nach Hause gab , gab ihr Weinen und Schluchzen schließlich auf und beruhigte sich in dem Gefühl , daß , was es auch sein möge , der nächste Tag ihr jedenfalls Gewißheit bringen müsse . Das Kapellchen läutete zum ersten Mal , als man am anderen Morgen zwischen fünf und sechs vom Gerichtskretscham in einem starken Trupp aufbrach , denn es hatten sich ihrer erheblich mehr eingefunden , als anfänglich erwartet war . Außer den drei Herren vom Abend vorher , unter denen jetzt Gerichtsmann Klose den Skatspieler völlig abgestreift hatte , waren auch der Lehrer und ein junger Forstaspirant erschienen , findige Leute , die zu sehen und zu beobachten verstanden . Ebenso hatte sich ein Grenzaufseher , mit dem Gewehr am Bandelier , ihnen angeschlossen . Was sonst noch folgte , waren Führer und Dienstleute , mit allem ausgerüstet , was zu solcher Suche herkömmlich gehörte : Stricke , Leitern , Spaten und Äxte . Eine frische Brise kam von der Koppe her und erleichterte wenigstens einigermaßen das Steigen , das bei der , trotz früher Stunde , schon stechenden Sonne ziemlich beschwerlich fiel . Von Kirche Wang ab hatte man Waldesschatten , und als es unten im Tale sieben schlug , war man oben auf der Hampelbaude , wo zunächst Rast gemacht und nach Befund dessen , was man dort erfahren würde , der weitere Vormarsch verabredet werden sollte . Der Wirt wurde gerufen und bestätigte , daß Opitz , von den Holzschlägern kommend , am Sonnabend um die achte Stunde dagewesen sei und nach kurzem Aufenthalt seinen Weg nach der Riesenbaude zu genommen habe , vielleicht an den Teichen vorüber und dann über den Kamm hin , aber vielleicht auch den neuen schmalen Querweg entlang , der beim Quell und dem Steintrog in den großen Gehängeweg einmünde . Noch ein paar andere Fragen wurden gestellt , vor allem auch , wer sonst noch oben genächtigt habe , worauf der Wirt berichtete , daß nur Berliner oben gewesen seien und Lehnert Menz aus Wolfshau . Dieser Name , wenn auch nur kurz hingeworfen , bewirkte doch , daß sich die Gerichtsmänner untereinander ansahen , aber kein Wort wurde laut , und nachdem man einen Imbiß genommen hatte , brach man wieder auf , um auf dem vom Wirte bezeichneten schmalen Querpfade ( denn daß Opitz auf die Teiche zugegangen sei , war nicht wahrscheinlich ) den Weg nach dem Gehänge hin einzuschlagen . In einer Art Treiben ging man dabei vor , derart , daß der alte Gerichtsmann und drei , vier von den Gebirgsführern den eigentlichen Weg einhielten , während , was sonst noch verblieb , zu beiden Seiten des Weges ausschwärmte . Der Spüreifer einzelner - die hier oben , wo nur Kusseln standen , wieder arg von der Stichsonne zu leiden begannen - erschöpfte sich bereits , und schon hörte man , daß es eine nutzlose Quälerei sei , als Lehrer Lösche , der die rechte Seitenkolonne führte , plötzlich ein Volk Krähen auffliegen sah . Krähen ! Das wäre an und für sich nichts Sonderbares gewesen , aber es waren ihrer zuviel , und so sagte denn Lösche : » Paßt Achtung , Kinder ! Ich wette , da gibt es was . « Und von einer starken Vorahnung erfüllt , daß sich ihm , auf zehn Schritt Entfernung , etwas Grausiges vor Augen stellen würde , schritt er langsam und zögernd weiter und suchte nach vorn und hinten mit seinen Blicken . Richtig , da lag er . Aber wer ? War er es ? Was man zunächst sah , war nur die Mütze , die das Gesicht halb zudeckte , daneben ein blinkender Gewehrlauf , alles andere barg sich noch hinter einem Busch , dessen blätterreiches Gezweige den Toten wie hinter einem Schirm versteckte . Lösche wußte , noch drei Schritte , so mußte sich ' s zeigen . Und sich einen Ruck gebend , trat er von links her um das Gezweige herum und sah nun den Toten ausgestreckt vor sich . Es war Opitz . Aber das Grauen , auf das er sich gefaßt gemacht hatte , blieb aus , und er empfing nur den Eindruck eines erschütternden Todesernstes . Wenn dieser Mann sich jahrelang durch mitleidslose Strenge vergangen hatte , so hatte sein Tod seine Strenge gesühnt und mehr noch die Art , wie er diesem Tod ins Auge gesehen und sich auf ihn vorbereitet hatte . Lösches Auge ging der Blutspur nach , die sich von eben dem Busch her , wo der Tote jetzt lag , bis zu dem schmalen Querpfade hinabzog . Es war ersichtlich , daß der auf den Tod Getroffene nur mit höchster Anstrengung von dem kaum zehn Schritt entfernten Wege sich bis zu der ansteigenden Stelle hinaufgeschoben und hier sich , um gegen die Sonne oder vielleicht auch nachts gegen die Kälte geschützt zu sein , unter die Zweige des Busches gebettet hatte . Dann , als er sein herannahendes Ende gefühlt , hatte er sich zum Sterben zurechtgelegt , und so lag er nun da , die Jagdtasche unterm Kopf , das Gewehr links neben sich , die Hände gefaltet und im Antlitz die Ruhe des Todes , aber freilich auch die Spuren vorangegangenen Kampfes . Inzwischen waren auch die anderen herangekommen , und da standen sie nun erschüttert und stumm . Zuletzt nahm Gerichtsmann Klose seine Kappe vom Kopf und