das ich noch habe , mit Ihren Ekstasen , vermischt mit Übelkeiten . « Dieser Ausfall wurde von Fräulein Annette mit ungewohnter Kaltblütigkeit zurückgeschlagen . Wenn eine Andacht durchaus unter der anderen leiden müsse , sagte sie , möge es nur immerhin die minderwertige - die der Gräfin sein . Fee klatschte ihr Beifall zu und gab ihr die Versicherung , sie sei die gescheiteste Nullinger , die jemals hienieden gewandelt ; dann stieg die kleine Frau , von Hermann , der herbeitrat , unterstützt , in den am Ufer befestigten Kahn . Losgemacht durfte er nicht werden . Sie wollte da bleiben , sich schaukeln auf der kühlen Flut und hören , wie sich die Konversation des Grafen Wolfsberg - von weitem macht . Er ließ sich endlich herbei , ihr einen Scherz zuzurufen , den sie ebenso schlagfertig wie unpassend erwiderte . Der von ihrer Seite munter geführte Kampf , der sich nun zwischen ihnen entspann , wurde durch das Eintreffen des Postpakets unterbrochen . Maria verteilte die Zeitungen und die Briefe . » Ist etwas für mich da ? « - » Für mich ? « fragten Fee und Gräfin Dolph . » Ja . « Maria schob der letzteren ein großes Schreiben zu . » Von Tessin « , sprach die Gräfin . » Von Tessin « , wiederholte sie lauter und schwenkte den Brief in der Luft . » Fee , sieh her . « » Für Fee « , sagte Maria , und Hermann übernahm aus ihrer Hand eine ganze Ladung Modejournale und Zeitschriften , die er in den Kahn reichte . » Das sind Ihre unbezahlten Rechnungen « , rief Wolfsberg . » Geben Sie acht , Gräfin , Ihr Dampfer versinkt unter der Last . « Felicitas war beim Nennen des Namens Tessin so rasch aufgesprungen , daß ihr kleines Fahrzeug in bedenkliches Schwanken geriet . Sie sank zurück , schrie und warf sich so ungestüm von einer Seite zur andern , als ob sie es darauf abgesehen hätte , den Kahn umkippen zu machen . Hermann zog ihn mit der breiten Seite dicht ans Land und sagte , halb lachend , halb verdrießlich : » Ihr Leben ist gerettet , steigen Sie aus . « Die Übermütige sträubte sich : » Noch nicht ! noch nicht ! - ich will , daß man Tessin schreibt , ich sei fast ertrunken vor Freud , wie es geheißen hat , daß ein Brief von ihm gekommen ist . Sie sind Zeuge , Fräulein Nullinger , schwören Sie darauf , ich bitte um einen ordentlichen Eid - ich bitte ! « » Ei , ei , Frau Gräfin , einen Spaß mit so heiligen Dingen verstehe ich nicht « , rügte das Fräulein . » Nicht ? - o weh ! dann schwören also Sie , Graf Wolfsberg . « Mechanisch antwortete der Graf : » Ja , ja . « Seine ganze Aufmerksamkeit war von Maria in Anspruch genommen . Sie hatte einen Brief vor sich hingelegt , einen zweiten Brief von Tessin , noch größer und gewichtiger als der an Gräfin Dolph gerichtete , und war in der Betrachtung der kräftigen , leicht geformten Züge der Aufschrift versunken . In ihrem Gesichte malte sich starres Entsetzen . Wenn diese wenigen Zeilen Tod und Verderben verkündet hätten , sie würde nicht anders auf sie niedergeblickt haben . Nun schien sie zu fühlen , daß die Augen ihres Vaters auf ihr ruhten , erhob die ihren , sah ihn an - und senkte langsam das Haupt . Dieses kurze stumme Gespräch zwischen Vater und Tochter wurde von niemandem beobachtet . Gräfin Dolph schwelgte im Genusse der geistvollen Epistel ihres Horace Walpole ; Fräulein Nullinger verfolgte teilnehmend das Schauspiel der » Rettung « Fees durch Hermann . Trotz aller Possen , die dessen Heldin trieb , kam es glücklich zum Abschluß . Hermann trat ins Zelt , blieb hinter dem Sessel Marias stehen , und über ihre Schulter blickend , las er von seinem Platze aus die Adresse des zweiten Briefes Tessins : » Herrn Wolfgang Forster « . Es entspann sich eine Verhandlung darüber , was mit dem Briefe zu geschehen habe . » Er ist so dick « , meinte Fee , » es stecken gewiß noch ein paar andere drin , die der Herr Forster hat übergeben sollen . Man muß ihn aufmachen . « Gräfin Dolph bestätigte : » Man muß ihn aufmachen , natürlich . « Hermann jedoch erklärte , so gar natürlich käme ihm das nicht vor . » Was sagst du , Maria ? « fragte er und strich mit der Hand über ihren Scheitel . Sie wandte sich , ergriff diese Hand und drückte sie an ihre Lippen . Das war genug , um die heftigste Eifersucht des kleinen Hermann auf den großen zu wecken . Das Kind schrie und strebte zu ihr empor , und sie hob es auf ihre Knie und drückte ihr Gesicht an das seine . Noch hatte sie ihn , noch hatte sie eine Liebe , deren ganzen Wert sie zu erkennen begann , nachdem sie sich ihrer unwert gemacht - die Liebe des besten Mannes . Noch hatte sie die Achtung aller guten Menschen ... Eine kleine Weile , ein Riß durch die dünne papierne Hülle da auf dem Tische - und alles ist vorbei , und vor ihr öffnet sich die Hölle der Schande . Ihr Knäblein schlingt die Arme um ihren Hals und sie die ihren um ihn . Doch diese heiligste Umarmung schützt sie nicht . Sie hört nicht das zärtliche Geflüster der süßen Kinderstimme - sie hört eine andre , entsetzliche , die ihr zuruft : Was schauderst du ? - doch nicht vor dem , was im Gefolge der Wahrheit kommt , nach der du geschmachtet hast und gelechzt ? Da ist sie - begrüße sie . Tu ' s , Armselige ... Oder war es doch nicht der Betrug , wovor du am bängsten gezittert