fragte die Pastorin . » Weiß . « » Immer den besten Staat . Eitelkeit ist der Anfang aller Laster , das haben wir bei Deiner Mutter gesehen , und Du hast keinerlei Ursachen zur Eitelkeit , Gott sei Dank ; er hat darüber gewacht , daß der Versucher Dir keine Schönheit als Teufelsangebinde gab . « » Geliebte , Du hast die herrlichste Gestalt , die schönsten Hände , die reizendsten Füßchen , « hörte Severina nachklingend in ihrem Ohr seine Stimme sagen , und sie lächelte zu den bitteren Worten . » Fanny liebt es , wenn ich in den Kleidern komme , die sie mir gab . « Die Pastorin seufzte . Und Joachim sah am Mittag wohl , daß Severina seinetwegen so festlich angethan war mit einem Kleid von schaumig weicher weißer Wolle , und daß sie seinetwegen eine Marschall-Nielrose an der Brust trug . Er liebte diese schweren , duftenden Rosen sehr , die ihr Haupt melancholisch neigen . Sie hatten auch das Glück , neben einander zu sitzen , obgleich Joachim sich wohl gehütet hatte , ihr den Arm zu geben ; das that einer der Begleiter des Grafen , und wenn sie auch nicht viel zusammen sprachen , so fand Joachim doch unter dem Tisch das zierliche Füßchen . Graf Taiß nahm seine äußerliche Aufmerksamkeit in Anspruch , er wollte von Lanzenau und Joachim wissen , wie man am besten für heute abend eine Versammlung berufe . Die Bauern seien ja mit ihrer Ernte fertig , und daß die Arbeit auf den Feldern Fannys etwas früher aufhöre , mußten beide Herren gestatten . Selbstverständlich wurde das zugestanden ; der Pastor und Lanzenau wußten eine Menge Geschichten davon zu erzählen , wie stark der sozialdemokratische Kandidat inzwischen für sich gewühlt habe . Joachim kürzte infolge dessen seine Mittagsstunde ab und war schon wieder verschwunden , als man auf der Terrasse den Kaffee nahm . Fanny entbehrte ihn und fragte , wo er sei . » Herr von Herebrecht wünschte die Stunde zu gewinnen , die heute abend verloren geht , « antwortete Severina , die Fanny gerade ein Mokkatäßchen hinreichte . Fanny nahm sich Zucker . » Er ist übereifrig , « sagte sie verstimmt , » die Leute wären die Stunde lang auch ohne ihn fleißig gewesen . « » O Frau Förster , Sie haben schon vier Stücke Zucker - - die Tasse läuft über , « bemerkte das junge Mädchen . Fanny lachte über ihre Gedankenlosigkeit . » Der glückliche Herebrecht , « sprach Taiß , » er wird entbehrt . « » Er ist das enfant gaté unserer Damen , « sagte Magnus scherzend , » und er gibt sich weniger Mühe ihretwegen , als unsereiner . Wenn ich zwei Stunden vorlese , bekomme ich nicht so viel Dank , als wenn Herebrecht ein Lied singt . « Lanzenau hatte Fanny erstaunt und aufmerksam angesehen , als sie nach Joachim fragte . Am Abend fand im Dorfkrug eine Versammlung statt . Graf Taiß steckte sich einige mit Kölnischem Wasser getränkte Tücher in die Tasche , bat Fanny , eine Flasche Cognac in den Krug zu senden , damit sie im Bedarfsfalle nicht vom Fusel des Wirtes angegiftet würden , und wanderte dann mit seinem Stab in das Lokal . Der im Wirtshaus eine Treppe hoch belegene Tanzsaal war ausersehen , mit seinen vier weißen Kalkwänden die Scene zu umschranken . Von dem geweißten Plafond hingen zwei doppelarmige Petroleumlampen herab , über ihren schwitzenden und mit Insekten beklebten Glasbehältern schwebten die blechernen Schirme , aus denen oben die kurzen Gläser mit der blackenden Flamme darin aufragten . Zum fettigen Petroleumdunst gesellte sich der Duft von Thranstiefeln und jenes undefinirbare , von Stoffwechsel und muffigen Kleidern erzeugte Ctwas , das man » Leutegeruch « nennt . Die Estrade , wo sonst die Musik spielte , war für die Herren als Rednerbühne und Vorstandsbureau aufbewahrt . Wenn der hohe Graf Taiß da an der grüngestrichenen Balustrade stand , ragte sein Scheitel genau bis zur Decke , und Kalkteilchen fielen zuweilen in sein sorgfältig geordnetes Haar . Lanzenau saß mit oben und betrachtete sich die enggedrängte Bauernschar , zuweilen sah er sich auch mit eingeklemmtem Monocle Taiß an ; es belustigte ihn ungemein , diesen eingefleischten Aristokraten vor diesem Zuhörerkreis zu sehen , und er bedauerte , daß Fanny sich das Schauspiel versagt hatte . Joachim und der Pastor befanden sich zwischen den Zuhörern . Graf Taiß fing seine Rede mit einem Hoch auf den Kaiser an , dann setzte er Lanzenau durch einige glückliche , volkstümliche Wendungen , welche den Beifall , ja , das wohlgefällige Gelächter der Leute erregten , in Erstaunen . Kaum aber ging er zu den Einzelheiten des Wahlprogramms über , kaum berührte er die Monopolfragen , das Armenbudget , die Kolonialpolitik , so erhitzte er sich an seinem eigenen Vortrag , vergaß seiner Zuhörer Bildungsstufe und hielt eine Rede , die im Parlament ohne Zweifel Aufsehen gemacht hätte wegen ihrer flüssigen Form und ihrer geistreichen Hiebe gegen die anderen Parteien . In den kurzen Kunstpausen nach den » Schlagern « sog Taiß jedesmal aus dem gegen Mund und Nase gepreßten Tuch den erquickenden Duft des Kölnischen Wassers ein und nahm einen Schluck Cognac und Wasser . Der Schullehrer und der Dorfschulze , obschon sie auch nicht alles verstanden , nickten sich , ihres Ansehens als kluge Männer halber , mehrfach beifällig und verständnisvoll zu . Das Ende war , daß man - teils aus Respekt vor dem Grafen , der als leutseliger Herr und Frau Försters Freund bekannt war , teils infolge der unbewußten Reflexbewegung , die eine feurige Aeußerung , auch wenn sie unbegriffen bleibt , immer hervorruft - daß man in laute Hochs ausbrach . Taiß glaubte mit Erfolg gesprochen zu haben und setzte sich , sehr erhitzt , aber auch sehr zufrieden nieder . Einer der Herren aus seiner Begleitung erhob sich und sagte zu den Leuten , wer etwas zu sagen oder zu fragen