unstillbarer Haß aus den Blicken , die er hinter halbgeschlossenen Lidern hervor auf seinen Hauptankläger , auf Peter , warf . Habrecht legte die Hand auf seine Schulter und schob ihn vor sich hin in die Fensterecke , zwischen den Pfarrer und den Doktor hinein . Der Pfarrer betrachtete den Jungen schweigend , räusperte sich und fragte ruhig und geschäftsmäßig : » Ist es wahr , daß du dich gestern abend in das Haus des Bürgermeisters geschlichen und ihm etwas gebracht hast ? « Pavel nickte , und durch den Kreis der Bauern lief ein Geflüster triumphierender Entrüstung . » Was war das , was du ihm gebracht hast ? « » Es war eine gute Medizin . « » Wie bist du zu der guten Medizin gekommen ? « fiel nun Habrecht ein . Pavel schwieg , und der Lehrer fuhr fort : » Hat dich nicht vielleicht jemand zum Bürgermeister geschickt mit dieser guten Medizin ? « Der Junge erschrak und versetzte rasch : » Nein , ich habe sie von mir selbst gebracht . « » Woher weißt du denn auf einmal etwas von guten Medizinen ? « mischte der Doktor sich ins Verhör , und Pavel erwiderte : » Ein Hirt weiß immer was . « » Er lügt « , erklärte der Lehrer ; » er will oder darf die Wahrheit nicht sagen . « » Und was halten Sie für die Wahrheit ? « fragte der Pfarrer , dessen Gelassenheit vorteilhaft abstach von der nervösen Unruhe Habrechts . Dieser sprach : » Für die Wahrheit halte ich , daß der Junge zum kranken Bürgermeister geschickt worden ist , und zwar durch die Kurpfuscherin , die Frau des Hirten . « Pavel schrie auf : » Sie hat mich nicht geschickt ! Ich bin von Selbst gegangen « , und Peter wiederholte zornig : » Von selbst , er gibt ' s zu , aber der Herr Lehrer nicht . Der Herr Lehrer will unschuldige Leut hineinbringen ... das verzeih Gott dem Herrn Lehrer . Der Bub hat mit den Leuten , die der Herr Lehrer hineinbringen will , schon lang nichts mehr zu tun , der Bub ist schon lang beständig beim Herrn Schullehrer in der Schul . « » Mich wundert nur « , entgegnete ihm der Doktor , » daß dein Vater das Mittel , das der Bub ihm von sich aus gebracht hat , so ohne weiteres eingenommen haben soll ; außer- er hätt ' s extra beim Buben bestellt , was mir auch , nicht recht einleuchten will . « » Sag ganz genau , wie es zugegangen ist « , wandte der Pfarrer sich an Pavel . » Du hast dich also gestern in die Stube des Bürgermeisters geschlichen ? « » Ja . « » Und was hast du gesagt ? « » Guten Abend , Herr Bürgermeister . « » Und was hat er gesagt ? « » Nichts . « » Und was hat er getan ? « » Mir gewinkt , ich soll ihm das Mittel geben . « » So hat er also gewußt , daß du ein Mittel bringen wirst ? « Pavel antwortete nicht ; er hatte den Kopf vorgestreckt und lauschte einem Geräusch von Schritten und Stimmen , die sich der Tür näherten . Abermals wurde sie geöffnet , der Gendarm Kohautek , auch der heiße Gendarm genannt , erschien , gefolgt von den Räten . Die Schwüle , die bereits im Zimmer herrschte , nahm plötzlich so sehr zu , als hätte man einen geheizten Ofen hereingestellt ; und alle diese Hitze schien von dem vor Berufseifer glühenden Kohautek auszugehen . Aber nur aus den Augen loderten die inneren Flammen , und wie warm ihm immer war , verrieten allein die kleinen Schweißtropfen , die auf seiner Nase perlten . Sein Gesicht war von schöner klarer Olivenfarbe und rötete sich nie . Er begann sogleich seines Amtes zu walten und die Vorerhebungen einzuleiten . Der ganze Mann war nur eine Drohung , wenn er das Wort an den Angeklagten richtete , und doch fühlte sich dieser seit der Anwesenheit des Gendarmen ruhiger und sicherer ; er glaubte , einen Stein im Brett bei Kohautek zu haben , seitdem er einmal wegen eines Geflügeldiebstahls von ihm verdächtigt und später unschuldig befunden worden . Der Gendarm stellte an Pavel ungefähr dieselben Fragen , die man schon an ihn gestellt hatte , er erhielt dieselben Antworten und gelangte endlich zu dem dunklen Punkt in der Sache , zu der Provenienz des corpus delicti , des Flascherls . Über die Provenienz dieses corpus , dieses Flascherls , mußte der Bub eine Aussage machen . Er mußte ! Kohautek vermaß sich , ihn gleich dazu zu bringen , fragte , ermunterte , warnte vor der Gefahr , in welche sich Pavel durch sein eigensinniges Schweigen versetzte . Alles umsonst . Der Bub blinzelte ihm fast vertraulich zu und blieb taub für seine Ermahnungen wie für die des Geistlichen und für das flehende Beschwören Habrechts , blieb unempfindlich für die Beschimpfungen Peters und seiner Gesinnungsgenossen . Zuletzt verstummte er völlig , und die Bauern sahen darin den deutlichsten Beweis seines Schuldbewußtseins . Peter spie vor ihm aus : » Er geht ins Kriminal ! Er hat meinen Vater vergiftet . « » Mit Kamillengeist « , sagte der Doktor , nahm das Fläschchen aus seiner Tasche und hielt es dem Besonnensten aus der Gesellschaft , dem Schmied Anton , unter die Nase . Der roch daran , zog die Achseln in die Höhe und sprach : » Ja , ja - nach Kamillen riecht ' s - aber ... « » Nun ? - Aber ? « » Aber was es ist , weiß man nicht . « Der Lehrer , an dem alles bebte und der fortwährend vor sich hinmurmelte : » Vernünftig , vernünftig , haltet Ruhe , meine Nerven « , versetzte nun : » Was meint ihr , ihr Leute , wenn