Eintritt in die Stube wurde gar nicht beachtet . Sie sprachen kein Wort , es schien ihnen das auch ganz überflüssig , in der Sache sahen sie ganz klar , wenn auch das sonst nicht der Fall war ; hier wurde gerauft und ohne sie ! Kein Gefühl für Landsmannschaft und Ortskindschaft bewegte ihr starres Herz . Sie holten mit ihren Knütteln so hoch und kräftig aus , daß ein wettsüchtiger Engländer keinen Penny für die härteste Schädeldecke riskiert haben würde , zum Glück aber versagten ihnen die Arme , und die Streiche fielen wuchtig auf Waden und Schienbeine hernieder ; noch ein und ein anderes Mal wiederholten sie diese Bedrohung der Köpfe und Schädigung der Beine , dann war die Stube und das Haus leer . Ein Blick auf die Angreifer hatte auch die Hartnäckigsten belehrt , daß sie es mit Leuten zu tun hätten , die nicht mit sich reden ließen , und wer bei dem Versuch dazu den zweiten Streich abbekam , der hatte vollauf und nicht Lust , den dritten abzuwarten , und so waren denn alle , fluchend , ärgerlich lachend und so eilig , als sich dies hüpfend und hinkend tun ließ , hinausgeflüchtet . Die fünfe blickten sich unter ernstem Kopfnicken an , stützten sich auf ihre Tremmel und verschnauften . Als sie das Haus verließen , war , so weit sie vor und hinter sich sehen konnten , kein Mensch mehr um die Wege ; sie schritten in einer Reihe und schweigend dahin , nur wenn zufällig einer an einen anderen taumelte , so wiegte der Angestoßene im Handgelenke den Knüttel und fragte leise , aber eindringlich : » Willst was , willst leicht was , du ? « , worauf ihn der Angeredete treuherzig beruhigte : » Nein , nix nöt , gar nix nöt . « So gingen sie mit hallenden Tritten durch die stille Nacht , ernst und wortlos , wie Racheengel , die eine strenge , aber unabweisbare Pflicht erfüllt hatten . Schon bevor die allgemeine Schlägerei losbrach , hatte sich der Toni vom Sternsteinhof mit Helenen entfernt . Er benützte den Augenblick , wo der Wirt vermitteln wollte , und schlüpfte mit der Dirne auf den Flur hinaus . Beide gingen dann durch den Garten und über die Wiese und gewannen den Fußsteig , der hinter dem Orte , an den Planken und Umzäunungen der Gärten , hinlief . Während dieses Paar den Weg hoch über der Straße verfolgte , bewegte sich unten auf dieser ein anderes mühselig fort , das einen dritten buchstäblich auf den Händen trug . Kaum hatte der Wirtshansl die Matzner Sepherl aus dem Fenster gehoben , so bat und beschwor ihn diese , den Kleebinder Muckerl nach Hause schaffen zu helfen . Der Bursche ließ sich dazu bereden ; für die Person des Herrgottlmachers empfand er einiges Mitleid , und für seine eigene versprach er sich von dem Geschleppe eine » Hetz « und an Ort und Stelle Dank und Preis als Helfer , Befriedigung seiner Neugierde , wie sich die alte Kleebinderin dazu gehaben werde , vielleicht auch nasse Augen , denn Tränen über fremdes Mißgeschick stehen einem wohl an und werden stets von einem beruhigenden , tröstlichen Gefühle begleitet . Sepherl und der Wirtshansl hoben den Muckerl von der Stelle , wo er zusammengebrochen war , auf , sie gaben sich die Hände , er mußte sich darauf setzen und seine Arme um die Nacken beider schlingen , und so trugen sie ihn fort . Sepherl zürnte , schmähte und schalt während des ganzen langen Weges Helenens halber , indes der Wirtssohn aus Widerspruchsgeist diese zu entschuldigen und zu rechtfertigen versuchte , der Kleebinder Muckerl schüttelte gleichermaßen über Anklage und Verteidigung den Kopf . Toni und Helene kamen von rückwärts an die Zinshofersche Hütte heran . » Nix , gar nix verschlagt ' s , sag ich dir « , sprach eifrig der Bursche , » und was ich dir sag , das wirst mir doch glaubn ? Gelt du ? « Er hatte seinen Arm um die Hüfte der Dirne gelegt , jetzt zog er sie an sich , daß sie stillestehen mußte , und suchte ihre Lippen mit den seinen . » Bist mein , wirst mein und bleibst mein ! Verlaß dich ! Nur bis zun Hals hnauf hab ich s ' schon ghabt , die Heimlichtuerei , mich selbn hat s ' schon redscheu gmacht , und wann ich vorm Vadern damit hab hrausrucken wolln , war mir , als könnt ich an ' m ersten Wort erwürgen ; das hat ' s jetzt Rat , aufs heutige fahrt er schon morgen über mich los . Soll sich nur ausreden . Was will er denn machen ? Offen hab ich Farb bekennt , und ' n Käsbiermartel hab ich ihm verfeindt , das halt ! Ich kenn die zwei Alten , is einer wie der andere dickkopfet ; der Langnasete kann mir sein Dirn nimmer nachwerfen , er muß beleidigt tun , und mein Vader is z ' stolz , sie ihm abzfordern , so bleibt s ' vom Sternsteinhof weg und kommt ein vieltausendmal Liebere und Schönere drauf ! Gelt ? « - Er zog sie wieder an sich . - » Nur kein Angst ! Auf morgn hab ich mich vorgsehn und stell mein Mann , wie ich ' n heut gstellt hab . Bist nit schlecht drüber erschrocken , was ? Ja , hättst mer ' s Streitigmachen nit nahlegen dürfen , wo du hättst wissen können , daß ich dich ' m Teufel streitig mach , wann ' s drauf ankäm . Morgen laß ich ' n Sternsteinhofbauer austoben , und dann , schön fürsichtig , daß nix bricht , bieg ich mir mein Sach , wie mir taugt . « Beide traten durch die rückwärtige Türe in die Hütte . Helen machte sich von dem Burschen los und lief auf die Mutter zu . » Denk dir « , rief sie