nicht ausreichten . Es wurde ihr leicht , sich in schicklicher Mitte von Hartensteinschem Übermaß und Mehlbornschem Untermaß zu halten ; ein alter Name , eine reiche Erbaussicht woben einen gewissen Nimbus um ihre Person und ihr Haus ; im Kreise ihrer neuen Lebensgenossen wurde Brigitte von Hartenstein unbestritten gefeiert als eine » bedeutende « Frau , die einzige Eitelkeit , für die sie empfänglich war . Sie hat es wahrscheinlich niemals erfahren , daß ihr alter Freund in der Pfarre es gewesen , dem sie das aus der Not helfende mütterliche Erbteil zu danken , und daß er um dieses Erbteils willen die Gunst seines Patrons in spe verwirkt , auch manches kleine Scharmützel mit seiner Hanna zu bestehen hatte . Auch Dezimus ist hinter das Geheimnis erst gekommen , lange nachdem er es als einen Segen erkannt , die Schutzherrschaft seines Vizepaten wider Wissen und Willen verscherzt zu haben . Die Sache hatte sich aber also zugetragen : Als Mutter Rosine das ersehnte letzte Stündlein nahen fühlte , ließ sie an einem Tage , wo sie ihren Amtmann fernab auf einem großen Viehmarkte wußte , den treuen Seelsorger an ihr Lager entbieten , um , nachdem sie das heilige Abendmahl aus seiner Hand empfangen hatte , die Bitte an sein Herz zu legen , daß er ihren letzten Willen aufsetze und denselben hinter ihres Amtmanns Rücken gerichtlich dingfest mache . Zwar wolle sie ihrem Amtmann , da er nun einmal seinen Kopf daraufgesetzt , nicht zuwider sein und ihr Eingebrachtes ihm ganz allein verschreiben , so wie die selige Frau Exzellenz mit ihrem Gute es an den Herrn Exzellenz getan . Ihre liebe Brigitte sei ja ihres Johann einziges bißchen Fleisch und Blut , was könne ihr durch die Verschreibung entgehen ? Heiraten wolle ihr Amtmann nicht wieder , weil das schöne Werbensche Anwesen nicht zerkleinert werden solle , und in der Hand ihres lieben Schwiegersohnes würden die paar Tausend Mütterliches seiner Frau ja doch verdunsten wie Wasser auf einem heißen Stein . Mit dem Eingebrachten sollte ihr Amtmann also seinen Willen haben ; von ihrem Ersparten aber habe sie , Mutter Rosine , diesem und jenem eine kleine Zuwendung zugedacht , um welche die gute Frau Pastorin wisse , ihr Amtmann aber nicht früher wissen solle , bis sie , Mutter Rosine , unter der Erde sei . Und dazu gehöre eine Verschreibung , welche sie allein nicht fertigbringe . Pastor Blümel lehnte nicht nur dieses Ansinnen ab , sondern redete ihr auch das Testamentsvorhaben aus . Der Großteil ihres Vermögens gebühre dem Gesetze nach der Tochter , und gesetzlichen Ordnungen entgegen zu verfügen , mache selbst unter den nächsten Angehörigen fast allemal böses Blut . Amtmann Mehlborn sei reich , weit reicher , als seine Gattin mutmaße ; auf etliche Tausend Taler mehr oder weniger könne es ihm nicht ankommen , während sie unter Umständen der Tochter zu einer Wohltat zu werden vermöchten ; sie habe einen klugen Kopf , und bis zu ihrer Großjährigkeit in Jahr und Tag bleibe das Vermögen ja ohnehin in des Vaters Hand . Die Mutter solle der gesetzlichen Ordnung daher ihren Lauf lassen , etwaige besondere Wünsche ihrem Manne anvertrauen und sich auf deren redliche Erfüllung verlassen . In der Hauptsache leuchtete dieser Freundesrat der guten Frau ein . Sie hatte zu der Verschreibung sich überhaupt ja bloß , um Ruhe zu haben , entschlossen ; nur gegen die letzte Versicherung schien sie Bedenken zu hegen , nickte indessen auch hierzu schließlich mit dem Kopfe , richtete sich im Bett in die Höhe und kramte tief aus dem Stroh eine tönerne Sparbüchse hervor , in deren Spalt sie hastig noch einen Papierschein , den sie unter ihrer Jacke verborgen gehalten hatte , klemmte . Die Büchse wollte sie dem Pastor absolut aufnötigen ; seine liebe Frau wisse schon , was sie zu bedeuten habe . Und der Mann der lieben Frau wußte es auch . Es war ja die Gevatterbüchse , mit welcher die Frau Patin manches Mal vor den Ohren ihrer guten Freundin geklappert hatte , um ihr den wachsenden Inhalt bemerkbar zu machen ; auch manches Mal , wenn sie vor ihren Augen wiederum einen Taler hineinsteckte , den Taler » einen Heckepfennig für ihre Patenkinder « genannt . Denn Mutter Rosine ließ es sich nun einmal nicht nehmen , daß sie , obgleich nur für einen der Täuflinge in das Kirchenbuch geschrieben , für beide das Christengelübde ausgesprochen habe , wie sie ihre Patenpflichten denn auch allezeit für beide in der herkömmlichen Weise betätigt hatte . Selbstverständlich , daß Pastor Blümel die Annahme des heimlichen Patengeschenkes noch viel entschiedener ablehnte als die Abfassung eines heimlichen Testamentes . Das Hin- und Widerreden hatte die Kranke merklich erschöpft ; die Tochter , welche der alte Freund schon vor einigen Tagen herbeigerufen , langte nur noch rechtzeitig an , der Mutter die Augen zuzudrücken . Der Amtmann aber hatte über einem , allerdings vorteilhaften Ochsenhandel den letzten geeigneten Moment für die Verschreibung verpaßt ; er mußte das gesetzliche Kindesteil auszahlen , will sagen sich des Schraubstockes begeben , durch welchen er die Scheidung der freiherrlichen Ehe , einschließlich des Gutsverkaufs , erpreßt haben würde . Von mündlich vorgebrachten letzten Erdenwünschen und Auslieferung der Patenbüchse war keine Rede . Die geheime Unterredung mußte dem Amtmann aber doch zu Ohren gekommen sei , denn er hatte seitdem auf die Freunde in der Pfarre einen argen Zahn . Frau Hanna empfand und verstand vollkommen , daß ihr Konstantin nicht anders , als er gehandelt , hatte handeln können . Sie war eine ehrenhafte Ehefrau . Sie hatte aber auch ein Mutterherz , und darum zwickte sie heimlich , ja dann und wann auch wohl vernehmlich , der Unwille über den entschlüpften Heckepfennig . Die Patenbüchse hatte gar zu getröstlich vor ihren Ohren geklappert . Nicht um ihres Röschens willen ; der Inhalt würde ungeteilt dem Dezem zugute gekommen sein . Erlebte sie es denn nicht Jahr für Jahr , wie ohne Kopfzerbrechen sich