lagen . Auf dem Heimweg aber spannte man die purpurnen Segel auf und ließ sich von dem frischen Westwind , der sich bei Sonnenuntergang zu erheben pflegte , langsam und mühelos zurücktragen . - Oft waren es auch der König und Kamilla allein , die , nur von Daphnidion begleitet , sich dieser Wanderungen im Grünen und auf den Wellen erfreuten . Wohl sah Amalaswintha darin die Gefahr , dadurch die Neigung ihres Sohnes , die ihr nicht entgangen war , zu steigern . Aber vor allen andern Erwägungen segnete sie dankbar den günstigen Einfluß , den dieser Umgang augenscheinlich auf ihren Sohn übte : er wurde in Kamillas Nähe ruhiger , heiterer , und war dann auch weicher gegen seine Mutter , der er sonst oft heftig und schroff gegenübertrat . Auch beherrschte er sein Gefühl mit einer Sicherheit , die bei dem reizbaren Kranken doppelt befremdete : und endlich würde die Regentin , im Fall sich diese Liebe ernster geltend machte , sogar einer Verbindung nicht abgeneigt gewesen sein , die den römischen Adel völlig zu gewinnen und jedes Andenken einer unseligen Bluttat auszulöschen versprach . - In dem Mädchen aber ging eine wundersame Wandlung vor . Täglich mehr fühlte sie ihren Groll und Haß schwinden , wie sie täglich klarer die edle Zartheit der Seele , den schwungvollen Geist , das tiefe , poesiereiche Gemüt des jungen Königs sich entfalten sah . Nur mit Anstrengung konnte sie gegen diesen wachsenden Zauber sich immer wieder das Schicksal ihres Vaters als Talisman ins Andenken zurückrufen : immer mehr kam sie dazu , unter den Goten und Amalern , die jenes Schicksal herbeigeführt , mit Gerechtigkeit zu unterscheiden : immer bestimmter sagte sie sich , wie unbillig es sei , Athalarich um eines Unglücks willen zu hassen , das er nur nicht verhindert hatte und wohl schwerlich hätte verhindern können . Längst hätte sie ihn am liebsten völlig freigesprochen : aber sie mißtraute dieser Milde : sie scheute sie wie eine schwarze Sünde gegen Vater , Vaterland und eigne Freiheit . Mit Zittern nahm sie wahr , wie unentbehrlich dies edle Menschenbild ihr wurde , wie mächtig sie sich sehnte , diese melodische Stimme zu hören und in dies dunkle , sinnige Auge zu blicken . Sie fürchtete die frevelhafte Liebe , die sie sich nur schwer noch verhehlen konnte , und die einzige Waffe , mit der sie sich noch dagegen wehrte , der Vorwurf seiner Mitschuld an des Vaters Untergang , wollte sie sich nicht entwinden lassen . So schwankte sie in wogenden Gefühlen , desto unsichrer , je rätselhafter ihr Athalarichs geschlossene Sicherheit blieb . Sie konnte ja nicht daran zweifeln , daß er sie liebe , nach allem was geschehen - aber doch ! Nicht eine Silbe , nicht ein Blick verriet diese Liebe : jene Äußerung , mit der er sie damals am Venustempel rasch verlassen , war das bedeutsamste , ja das einzige bedeutsame Wort , das ihm entschlüpfte . Sie ahnte nicht , was die hochwogende Seele des Jünglings durchgekämpft und durchgelitten , bis seine Liebe zwar nicht erlosch , aber entsagte , und noch weniger , in welch neuem Gefühl er die männliche Kraft solcher Entsagung gefunden . Ihre Mutter , die ihn mit aller Schärfe des Hasses beobachtete und darüber das eigne Kind zu überwachen vergaß , schien noch mehr erstaunt über seine Kälte . » Aber Geduld , « sprach sie zu Cethegus , mit dem sie oft hinter Kamillas Rücken Beratung pflog , » Geduld , bald , binnen drei Tagen , wirst du ihn verwandelt sehen . « - » Es wäre Zeit , « meinte Cethegus ; » aber auf was vertraust du ? « - » Auf ein Mittel , das noch nie getäuscht hat . « » Du wirst ihm doch kein Liebestränklein brauen ? « lächelte der Präfekt . - » Allerdings , das werd ' ich tun ; das hab ' ich schon getan . « - Jener sah sie spöttisch an : » Auch bei dir solcher Aberglaube , bei der Witwe des großen Philosophen Boëthius ! In Liebeswahn sind alle Weiber gleich ! « » Nicht Wahn und Aberglaube , « sagte Rusticiana ruhig . » Seit mehr als hundert Jahren lebt das Geheimnis in unsrer Familie . Ein ägyptisch Weib hat es dereinst am Nil meine Ureltermutter gelehrt . Und es hat sich bewährt . Kein Weib unseres Hauses hat ohne Erhörung geliebt . « - » Dazu braucht ' s keinen Zauber , « meinte der Präfekt : » ihr seid ein schönes Geschlecht . « - » Spare deinen Spott . Der Trank wirkt unfehlbar , und wenn er bis heute nicht wirkte - « - » So hast du wirklich - Unvorsichtige ! wie konntest du unvermerkt ? « - » Am Abend , wann er vom Spaziergang oder von der Gondelfahrt mit uns zurückkommt , nimmt er einen Becher gewürzten Falerners . Der Arzt hat es ihm verordnet : es sind Tropfen arabischen Balsams darin . Der Becher steht immer bereit auf dem Marmortisch vor dem Venustempel . Dreimal schon gelang es , den Trank hineinzuschütten . « - » Nun , « meinte Cethegus , » es hat bis jetzt nicht sonderlich gewirkt . « - » Daran ist nur deine Ungeduld die Ursache . Die Kräuter müssen im Neumond gebrochen werden - ich wußte das wohl . Aber , gedrängt von deinen Mahnungen , versucht ' ich ' s schon im Vollmond und du siehst , es wirkte nicht . « - Cethegus zuckte die Achseln . - » Aber gestern nacht trat Neumond ein . Ich war nicht müßig mit meiner goldnen Schere und wenn er jetzt trinkt - « - » Eine zweite Locusta ! Nun , mein Trost sind Kamillas schöne Augen . Weiß sie von deinen Künsten ? « » Kein Wort zu ihr ! Sie würde das nie dulden . Stille , sie kommt . « Das Mädchen trat