auf der lieben Erde Gottes für Leute gibt ! Jetzund glauben sie gar nimmer ans End ' der Welt ! Ich aber sag : unser Herrgott hat ' s recht gemacht , und ich bleib ' bei meinem alten Glauben , und die Welt ist mit Brettern verschlagen ! « » Freilich , freilich Winkelhüterin ! « gebe ich bei und steige über die Bretter des Hausgaderns : » Wohl richtig - mit Brettern verschlagen ! « Und so bleiben wir beim alten Glauben ! Bei den Holzern Daß doch der Wald , wie er sich so hinbreitet über Höhen und Täler - unabsehbar , wie er daliegt , grün und dunkel und weiterhin duftig blauend am sonnigen Sehkreis - der stille , unendliche Wald - daß er doch auch seine Feinde hat ! Wie ist das eine schöne , säuselnde , rauschende , brausende allebendige Ringmauer , schützend vor dem wüsten Unfrieden draußen ! Aber - Waldfried ist gestorben . Im Forste braust der Sturmwind , schlägt manchem jungen Tannling den lustig winkenden Arm weg , bricht manchem trotzigen Recken das Genick . Und in der Tiefe rauscht und schäumt in weißen Gischten und Flocken - wie ein brandender Wolkenstrom - der Wildbach , und wühlt und gräbt und nagt das Erdreich von den Wurzeln , immer weiter und weiter hinein , daß der wuchtige Baum zuletzt schier in der Luft dasteht und sich oben mit starken Armen nur noch an den Nachbarn hält , um nicht zusammenzubrechen , endlich aber doch niederstürzt in das Grab , das ihm jenes Wasser heimtückisch gegraben hat . Jenes Wasser , welches er durch seinen Nebeltau gestärkt , durch seine dichte Krone vor dem Lechzen des Windes geschützt , durch seine Schatten vor dem zehrenden Kusse der Sonne bewahrt hat . - Und auf den luftigen Wipfeln hackt der Specht , und unter den Rinden frißt die Borke , und das Sägerad der Zeit geht allerwege , und die Späne fliegen - im Frühlinge als Blüten , im Herbste als gedörrte Nadeln und Blätter . Es geht ewig zu Ende und im Ende keimt ewig der Anfang . Da naht nun der Mensch mit seiner Zerstörungsgier . Da schallt das Schlagen und Pochen , da surrt die Säge , da klingt das Beil auf das Stemmeisen im dunkeln Grunde ; - wenn du oben hinblickst über das stille Meer der Wipfel , so ahnst du es nicht , welchen es angeht . Aber das Stemmeisen und der Keil dringen tiefer und tiefer ; da schüttelt einer der Hundertjährigen sein hohes Haupt , er weiß doch gar nicht , was die Menschlein wollen da unten , die kleinen , possierlichen Wesen - er kann nicht begreifen und schüttelt wieder das Haupt . Da geht ihm der Stoß ins Herz ; - unten knistert es , schnalzt es , und nun wankt der Riese , knickt ein , rauschend und pfeifend in einem weiten Bogen kreist er hin , mit wildem Krachen stürzt er zu Boden . Leer ist es in der Luft , eine Lücke hat der Wald . Hundert Frühlinge haben ihn emporgehoben mit ihrer Liebe und Strenge ; jetzt ist er tot , und die Welt ist und bleibt ganz auch ohne ihn - den lebendigen Baum . Still stehen die zwei , drei Menschlein , sie stützen sich auf den Beilstiel und blicken auf ihr Opfer . Sie klagen nicht , sie jauchzen nicht , eine grausame Kaltblütigkeit liegt auf ihren rauhen , sonnverbrannten Zügen ; ihr Gesicht und ihre Hände sehen auch aus wie von Fichtenrinden . Sie stopfen sich ein Pfeiflein , schärfen die Hacken und gehen wieder an die Arbeit . Sie hauen die Äste von dem hingestreckten Stamme , sie schürfen ihm mit einem breiten Messer die Rinde ab , sie schneiden ihn vielleicht gar in klafterlange Stücke ; - und nun liegt der stolze Baum in nackten Klötzen . Der Holzhauer denkt nicht daran , kann nicht daran denken , nur daß er sich , wenn der » Meisterknecht « nicht zugegen , ein wenig auf den weißen Stock mit den Jahresringen setzt und wieder ein Pfeifchen stopft , oder - wie das bei den Waldleuten schon eine absonderliche Gewohnheit ist - sich gar einen Ballen Tabak in den Mund steckt , um einen halben Tag an ihm zu kauen . Das Tabakkauen ist dem Holzschläger ein eigener Genuß , es ist ihm , wie er sagt , das halbe Essen und dreiviertel Arzenei . Die Baumstämme werden in diesen Gegenden zumeist zu Kohlen verwandelt und zu diesem Zwecke zu Scheitern oder längeren Stücken , » Dreilingen « ( drei hackenstiellangen Strünken ) zerkleinert . Die Kohlen werden entweder zu Wagen , oder wo der Weg zu elend ist , auf den Rücken der Pferde oder Halbpferde hinausbefördert zu den Hammerwerken der Vorgegenden . Nur die schönsten Stämme werden als Bauholz verwendet . Die Buchen und Ahorne und andere Laubhölzer , wie sie hier wachsen , werden am wenigsten benützt , nur daß sie ihr Laub für Streu und Lagerstätten liefern ; sonst bleiben sie sich selbst überlassen , bis sie inwendig verfault , ausgehöhlt , nach und nach absterben und zusammenbrechen . Dann entstehen schwammartige Auswüchse auf den vermodernden Strünken , und es kommt der Pecher oder der Wurzner , schlägt die Auswüchse los , mörsert sie platt , beizt sie ein und bereitet so den Feuerschwamm . Der Holzhauer weiß freilich nichts von der Schönheit der Wildnis . Dem Holzhauer ist der Wald nichts anderes als dem Bauer das Feld , auf dem er erntet . Aber er erntet für andere . Wie ist das ein langes Tagwerk von der Morgenfrühe bis zur Abenddämmer , eine einzige Ruhestunde nur zu Mittag . Während der Waldteufel sein eigener Herr , ist der Holzhauer der Herren Knecht . - Was die Nahrung anbelangt , so ist der Holzschläger ein Geschöpf , das sich von Pflanzen nährt ; außer er wäre ein tüchtiger Wilderer und ließe