an diese beiden dachte , so glaubte er seiner Sache sicher zu sein . Hatte er es doch schon so weit , daß das Mädchen , wenn auch wider Willen , zuweilen den Wunsch verriet , den wunderlichen Stighans etwas genauer kennen zu lernen . Schon als der Geliebte ihrer jetzt so unglücklichen Schwester war er ihr immer bedeutender , je Schlimmeres man von dem Andreas zu erzählen wußte . Nun verbreitete sich durch des Gerichtsboten Weib die Nachricht , der Stiger habe Hansjörgen Geld geschickt und es ihm möglich gemacht , schon in wenigen Wochen auf Urlaub heimzukommen . Den Krämer ärgerte das um so mehr , weil er , wie er nun einmal war , es nicht Hansens Gewissensunruhe wegen der Verschacherung des armen Burschen , sondern einzig und allein Dorotheens Einflusse zuschrieb . Zum Glück und Trost für ihn hatte die Nachricht auch seine Tochter ganz anders zu stimmen vermocht . Das Mädchen hatte ein Gefühl , als ob es , die leichtesten Sommerkleider tragend , in der größten Winterkälte stehe und sich nicht zu regen vermöge , wenn es sich - ohne Liebhaber dem Treulosen gegenüber dachte . Ja , jetzt auf einmal wünschte sich Zusel einen Liebhaber , wenigstens dem Namen nach . Jetzt wollte sie nicht mehr traurig , nicht mehr ruhig sein . Jammerschade , daß es im Sommer , zur Zeit der strengen Feldarbeiten , gar keine Hochzeitsfeierlichkeiten gab . Sie wäre gewiß dabei gewesen und hätte mit dem Nächstbesten gelacht und getanzt bis zuletzt . Oft und oft klagte sie , daß es gar so still im Dorfe zugehe und daß die schöne Jahreszeit nichts als Arbeit für die jungen Leute bringe . Der Krämer lächelte . Beide waren jetzt wieder einig , und im schönsten Frieden redeten sie wohl täglich vom Stighof und seinen Bewohnern . Der Krämer hatte immer wieder etwas ausgekundschaftet , was , wie unbedeutend es auch sein mochte , dennoch ihm und zuweilen auch der Zusel wichtig war . Aus einer Menge solcher Kleinigkeiten brachte der Krämer endlich heraus , daß zwischen Knecht und Magd sich eine ernstliche Liebschaft anzuspinnen beginne . Das nun wäre ihm ganz das Rechte gewesen , denn er sorgte schon immer , daß Dorothee den Hans sowohl als die alte Stigerin am besten kennen und am Ende ihm gar noch einen Strich durch seine wichtigste Rechnung machen möchte . Diese Sorge quälte ihn besonders , seit er , obwohl er die Gunst der wunderlichen Alten gewann , doch immer umsonst die Magd aus dem Hause zu bringen versucht hatte . Dorotheens Liebelei mit dem Sohne der Schnepfauerin aber war der strengen Frau gewiß recht von Herzen zuwider und Hansen auch , wenn allenfalls das Mädchen ihm nicht ganz gleichgültig sein sollte . Zusel aber wollte an diese Liebschaft nie glauben . Sie kenne nun die Leute aus dieser Verwandtschaft , sagte sie . Da sei jedes Wort , jeder Blick berechnet , und aus Berechnung mache man mit dem Jösle nicht viel Wesens . Hansjörg - jetzt redete sie zum erstenmal selbst und unaufgefordert von ihm - , Hansjörg habe oft den Wunsch ausgesprochen : Wenn sie doch arm wäre ! - da er ihr dann zeigen wollte , wie wenig er sich ums Geld kümmere und was er für sie zu tun imstande sei . So habe der Falsche gesagt , der sie dann um einige Taler so schmählich verraten . » Zum Glück « , fiel der Krämer ein , » hat er dich nur in die Hände deines Vaters gegeben . « Das Mädchen ging seufzend in die Küche . Dort war es jetzt überhaupt viel häufiger als sonst und überraschte den Krämer sogar einmal mit der Behauptung , daß man eigentlich gar keine Magd im Hause brauchen würde . Sie hatte mehrmals gesehen , wie gut Dorotheen die Arbeit anstehe in der sauberen Schürze und mit zurückgerollten Ärmeln . Das trieb sie zuerst in die Küche . Dann aber hatte sie , die früher bei ihrer Näharbeit den Tag kaum herumbrachte , gar bald auch ihre Freude und Kurzweil an der Arbeit selbst , so daß sie ernstlich die leichtere Hausarbeit allein zu verrichten wünschte . Der Krämer , welcher meinte , das Mädchen wolle sich so nun als Bäuerin ein Ansehen geben , damit auch nicht ganz fehlschoß , gab lächelnd und mit der einzigen Widerrede nach , daß man die gute Magd nicht gleich aus dem Hause jagen könne , sondern ihr erst künden und sechs Wochen Zeit lassen müsse , wie es früher wörtlich ausgedingt worden sei . Das tat er denn auch wirklich , tröstete aber die fast zu Tode erschrockene alte Jungfer damit , daß er lächelnd sagte , gar so ängstlich brauche sie sich nicht um einen anderen Dienst umzusehen ; den Winter über beziehe sie den Lohn fort , das Essen verdiene sie daheim auch , und wenn der nächste Frühling komme , vielleicht noch früher , könne man wieder miteinander reden . Die Magd sah große Veränderungen im Hause voraus . Sie machte eine wichtige Miene , während sie ein kleines Trinkgeld einsteckte , und versprach , wie ein Grab zu schweigen , ohne daß der Krämer das gerade von ihr verlangt oder gefordert hatte . Man sieht , der Krämer konnte der Zusel auch Opfer bringen und dabei noch sorgen , daß Reue wegen einer augenblicklichen Laune ihr nicht lange weh tun mußte . Die Zusel aber war noch nicht recht zufrieden , denn sie hätte am liebsten gleich jetzt alles allein übernehmen mögen . Sie konnte es kaum erwarten , bis endlich die zweite Heuernte begann . Sie mußte ins Freie , mußte sich regen und etwas tun . Nicht der um sie besorgte Vater , aber das Rauschen der Sensen hart vor ihrem Hause weckte sie schon früh am Morgen . Dann eilte sie hinaus , begann selbst zu mähen und kam sich viel größer vor , wenn sie die von ihr gemähte Strecke übersah .