war der Sohn eines sehr angesehenen , der Familie Hellwig befreundeten Hauses . Im Alter mit dem Professor gleichstehend , hatte auch er seine Erziehung in dem Institute des strenggläubigen Hellwigschen Verwandten am Rhein erhalten . Beide waren dann , freilich nur für kurze Zeit , Studiengenossen auf der Universität gewesen , und wenn auch völlig verschieden in Charakter und Anschauungsweise , hatten sie doch stets freundschaftlich zu einander gestanden . Während Johannes Hellwig fast sofort nach Beendigung seiner Studienzeit den Lehrstuhl bestiegen , war der junge Frank auf Reisen gegangen . Erst vor kurzem hatte er sich auf Wunsch seiner Eltern herbeigelassen , sein juristisches Examen zu machen ; er war nun Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt und harrte der Dinge und Klienten , die da kommen sollten . Wie er so näher schritt , war er eine fast vollkommen schöngebildete Männererscheinung - ein geistreiches Gesicht über schlank und edel geformten Gliedern . Vielleicht hätte dieser sehr zierliche Kopf mit der feinen , etwas weich verlaufenden Profillinie einen weiblichen Eindruck gemacht ; aber so , wie er getragen wurde , fest und sicher auf den Schultern und unterstützt von entschiedenen , wenn auch sehr eleganten Bewegungen der gesamten Gestalt , ließ er diesen leisen Tadel nicht aufkommen . Er nahm eben die Zigarre aus dem Munde , betrachtete sie aufmerksam und schleuderte sie dann verächtlich von sich . Der Professor holte sein Etui hervor und bot es ihm . » Ei , Gott bewahre ! « rief der Rechtsanwalt , indem er mit komischer Gebärde beide Hände abwehrend ausstreckte . » Es könnte mir doch nicht einfallen , die armen Heidenkinder in China und Gott weiß wo noch zu bestehlen ! « Der Professor lächelte . » Denn so wie ich dich kenne , « fuhr der andere fort , » hältst du jedenfalls mit unbestreitbarem Heroismus dein Kasteiungswerk aus der Jugendzeit fest , das heißt du bestimmst dir täglich drei Zigarren , rauchst aber konsequent nur eine , während das Geld für die beiden anderen in deine Missionssparbüchse fließt ! « » Ja , die Gewohnheit habe ich noch , « bestätigte mit ruhigem Lächeln der Professor ; » aber das Geld hat eine andere Bestimmung - es gehört meinen armen Patienten ohne Unterschied . « » Nicht möglich ! ... Du , der starre Vorkämpfer pietistischen Strebens , der getreueste unter den Jüngern unseres rheinischen Institutsdespoten ! Befolgst du so seine Lehren , Abtrünniger ? « Der Professor zuckte die Achseln . Er blieb stehen und streifte nachdenklich die Asche von seiner Zigarre . » Als Arzt lernt man anders denken über die Menschheit und die Pflichten des einzelnen ihr gegenüber , « sagte er . » Ich habe stets das eine große Ziel im Auge gehabt , mich wahrhaft nützlich zu machen ; um das zu erreichen , habe ich vieles vergessen und verwerfen müssen . « Sie schritten weiter , und ihre Stimmen verhallten . Allein auf dem Kieswege , den sie wandelten , lag die Sonne träge und brütend , sie kehrten , in ihr Gespräch vertieft , fast instinktmäßig zurück unter die Akaziengruppe , die ihre Zweige über den am Hause hinlaufenden , mit breiten Steinplatten belegten Weg hing und ihn kühl und schattig machte . » Streite nicht ! « hörte Felicitas den Professor ein wenig lebhafter als gewöhnlich sagen . » Daran änderst du nichts ... Genau , wie vor so und so viel Jahren , langweile ich mich entweder entsetzlich , oder ich ärgere mich in weiblicher Gesellschaft ; und - das kann ich dir sagen - mein Verkehr als Arzt mit dem sogenannten schönen Geschlechte ist auch durchaus nicht geeignet , meine Meinung zu erhöhen ... Welch ein Gemisch von Gedankenlosigkeit und Charakterschwäche ! « » Du langweilst dich in weiblicher Gesellschaft , sehr begreiflich ! « eiferte der junge Frank , unter dem Eckfenster stehen bleibend . » Suchst du doch geflissentlich die geistig einfache , um nicht zu sagen , einfältige ... Du verabscheust die moderne weibliche Erziehung - in mancher Hinsicht freilich nicht ohne Grund - ich bin auch kein Freund von geistlosem Klaviergeklimper und gedankenloser , französischer Plapperei , aber man muß das Kind nicht mit dem Bade verschütten ... In unserer Zeit , wo der menschliche Geist fast täglich neue , ungeahnte Bahnen betritt , wo er mitwirkt , schafft und genießt bei dem mächtigen Aufschwunge , den das Menschengeschlecht nimmt , da wollt ihr das Weib womöglich hinter die mittelalterliche Kunkel , in den Kreis und zugleich in den engen Ideengang ihrer Mägde zwingen - das ist nicht allein ungerecht , es ist auch thöricht . Das Weib hat die Seele eurer Söhne in den Händen , in einem Stadium , wo sie am empfänglichsten ist , wo sie die Eindrücke wie Wachs aufnimmt und gerade so unverwischbar durchs ganze Leben trägt , als wären sie in Eisen gegraben ! ... Regt die Frauen an zu ernstem Denken , erweitert den Kreis , den ihr Egoisten eng genug um ihre Seelen zieht und welchen ihr weibliche Bestimmung nennt , und ihr werdet sehen , daß Eitelkeit und Charakterschwäche verschwinden ! « » Lieber Freund , den Weg betrete ich ganz sicher nicht ! « sagte der Professor sarkastisch , indem er langsam einige Schritte weiter ging . » Ich weiß wohl , daß du eine andere Ueberzeugung hast - du meinst , das alles erreiche man müheloser durch eine fromme Frau ... Mein sehr verehrter Professor , auch ich möchte keine unfromme Lebensgefährtin - ein weibliches Gemüt ohne Frömmigkeit ist eine Blume ohne Duft . Aber seht euch wohl vor ! Ihr denkt , sie ist fromm , mithin besorgt und wohl aufgehoben , und während ihr sie vollkommen und sorglos gewähren lasset , erwächst euch eine Tyrannei in eurem Hause , wie ihr sie von einer weniger frommen Frau nun und nimmer ertragen würdet . Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit schießen leicht alle im weiblichen Charakter schlummernden schlimmen Neigungen auf . Man darf